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Berlin
Martin-Gropius-Bau


Wenzel Hablik
bis 14. Jan. 2017


Ausstellungen

Wenzel Hablik (1881–1934) gilt als ein wichtiger Universalkünstler des 20. Jahrhunderts. Das reflektiert auch die aktuelle Schau, die sehr opulent das malerische und zeichnerische Werk vorstellt. Darüber hinaus nehmen kunstgewerbliche Entwürfe und architektonische Ideen einen gewichtigen Raum innerhalb der Ausstellung ein. Zu den Highlights dieser Ausstellung gehört gewiss die Raumrekonstruktion aus dem Privathaus Habliks. 80 Jahre nach der Entstehung der farbigen Raumausgestaltung wurde diese durch die aktuellen Privatbesitzer entdeckt. Fotos aus dem Jahr 1924 zeigen, wie der Raum, das Esszimmer der Habliks, möbliert und ausgestaltet war.

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Freitragende Kuppel mit fünf Bergspit- zen als Basis, 1918/23/24, Öl auf Lein- wand, 166 x 191 cm ©Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Gropius, Taut und andere

Das Werk Habliks, das ansonsten in Itzehoe bewahrt wird und angesehen werden kann, ist auch auf besondere Weise mit Berlin verbunden. 1912 zeigte die Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden Habliks ersten druckgrafischen Zyklus „Schaffende Kräfte“ neben Werken von Picasso, Kandinsky, Kokoschka und Gauguin. 1919 nahm Hablik auf Einladung von Walter Gropius an der „Ausstellung für unbekannte Architekten“ des Arbeitsrates für Kunst teil und wurde kurz darauf dessen Mitglied. Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch, dass der aus Tschechien stammende Künstler Teil der Briefgemeinschaft „Gläserne Kette“ war und in Kontakt mit Walter Gropius, Bruno Taut sowie weiteren Architekten wie Wassili Luckhardt, Hans Scharoun und Max Taut stand und sich mit diesen über utopische Architekturideen austauschte.

Brüx stand am Anfang

Für den 1881 im böhmischen Brüx geborenen Wenzel Hablik war die Natur die höchste schöpferische Kraft, der er sich verbunden fühlte. Noch während seiner Schulzeit erlernte er im väterlichen Betrieb das Tischlerhandwerk. 1902, mit Beginn seines Studiums der Malerei an der Wiener Kunstgewerbeschule, zeichnete Hablik Gruppen von Kristallen, die er in seiner Fantasie zu Märchenschlössern auf steilen Berghängen ausformte. Sicherlich war Hablik auch durch die Kunst der Romantik beeinflusst. Doch die „Blaue Blume“ suchte er nicht. Seine Lebenswelten gestaltete er in Form von kristallinen Archiskulpturen und Architektfantasien. Dass Mineralien und Muscheln sowie Schneckengehäuse dabei durchaus Vorlagen waren, unterstreicht die ausgestellte Naturaliensammlung.

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Sylt, Kampen. Dunkle Wolken, Watt, 1907 Öl auf Pappe, 52 x 50 cm © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Expressiv, aber eben nicht van Gogh oder Munch

Expressive Malerei, die mit gestischem Duktus und breitem Farbstrich daherkommt, stehen nachfolgend im Fokus. Dabei lernt der Besucher auch die tschechische Heimat des Künstlers kennen. Das Gemälde „Im Rosswald, Brüx“ ist in diesem Kontext ebenso zu nennen wir „Brüx, Blick vom Schloßberg gegen das Erzgebirge“ (1906). Es hat den Anschein, dass die zuerst genannte Arbeit eine teils verschneite Bergkuppe zeigt, auf der zwei kahle, knorrige Bäume stehen. Im Tal breitet sich ein tief- und tannengrüner Wald aus. Schlierig Rosa-blau ist der Himmel beim Blick vom Schlossberg. Eine lang gezogene flockige Wolke zieht dahin. Eher als Schattenrisse angelegt sind Sträucher und niedrige Bäume. Mit gestischem Duktus und frei hingeworfen, so erscheint die Stadtlandschaft mit dem Titel „Brüx, Topfmarkt“. Töpfe in gelben und blauen Schattierungen sind auf dem Marktplatz aufgereiht. Schemenhaft sind die Händler und Käufer angelegt, während im Hintergrund wohl der Eingang eines mächtigen Kirchenbaus zu sehen ist. Der eine oder andere mag in diesen Arbeiten Habliks auch die „Handschrift Van Goghs“ sehen, auch wenn der Duktus und die Farbsetzungen sich deutlich von diesem niederländischen Maler absetzen. Völlig abwegig scheint es mir, wie in einem Saaltext geschehen, eine Nähe zu Munch zu postulieren.

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Sternhimmel, 1913 Öl auf Leinwand, 201 x 301 cm © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Ornamentales

In dem expressiven Ausdruck zahlreicher Gemälde Habliks ist auch das Ornamentale nicht zu übersehen. Das scheint unter anderem in dem Porträt von Gertrud Spitz vorhanden zu sein. Lineare, wellenförmige Strukturen bedecken den Hintergrund. Überhaupt nicht dem Ornamentale hingegeben, zeichnete Hablik mit Bleistift und starken Schraffuren sein Selbstporträt, das die Ausstellung auch präsentiert.

Kristallbauten

Besonders beeindruckend sind Habliks kristalline „Märchenschlösser“. Das eine steigt wie Phoenix aus der Asche aus der Bergtiefe gen Himmel empor, ein anderes erhebt sich aus dem Meer und wird von einem Halo bekrönt. Unbetitelt blieb einer der Kristallbauten, der wie ein spitzer Eisberg erscheint. Von rotem Abendlicht bedeckt und vor dem Hintergrund eines abendlichen Sternenhimmels schwimmt der Koloss auf dem Wasser. In „Gletscherblau“ gehalten ist der „Kristallbau in den Wolken“ (1903).

Bergbesteigung, Meeresansichten und Gewitterdonner

Dass es Hablik nicht allein kristalline Formen angetan hatten, unterstreichen seine maritimen und marinen Ansichten, die bei Reisen nach Sylt und Aufenthalten auf Föhr entstanden. Zu nennen ist da „Sturm auf der Elbe“ - wer da an den Eisgang von Caspar David Friedrich denken muss, nun gut. Grünhimmelblaue Flammen- und Flügelwolken überziehen den Himmel, Strichweiser Regen von Weiß bis Grünblau geht nieder. Tiefblau bis Schwarz erscheint die ausgewühlte See. Hablik hat sich diese Szene nicht ausgedacht, sondern aus der Erinnerung auf die Leinwand geworfen. Sicherlich hat er dabei die Natur interpretiert und sie auch moduliert. Das gilt zu gleichen Teilen auch für das Gemälde „Sylt, Brandung“. Man muss bei dessen Betrachtung eher an ein Farbenmeer denken, auch wenn die Farbigkeit weniger bestechend ist als bei ähnlich gelagerten Arbeiten von Emil Nolde. Hablik belässt es bei erdigen Tönen und allerlei Grünabstufungen. Nolde hätte sicherlich noch Rot, Gelb und Orange beigemischt.

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Sonnenuntergang Mont Blanc, 1906 Öl auf Leinwand, 96 x 96 cm © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Sehr beeindruckend ist die Arbeit „Gewitter an der Stör“. Die Wolken gleichen dabei eher hohen Meereswogen, die sich auftürmen und überschlagen. Strichweiser Regen geht auf dem sich im Wind wiegenden blaugrünen Schilf nieder. Die Regenwand changiert von tiefem Blaugrün bis Smaragdgrün. Wie soll man vor diesem Hintergrund Habliks nachstehend zitierte Äußerung werten: „Niemals aber auch hat jemand vor mir das Meer so gemalt wie ich.“ Selbstüberschätzung oder aber genaue Beschreibung der Wirklichkeit?

Dass sich Hablik überhaupt dem Thema „Meer“ widmen konnte, verdankte er unter anderem Ferdinand Avenarius, der ihn nach Sylt eingeladen hatte. Ferdinand Avenarius war Schriftsteller, Mitglied des Deutschen Werkbundes und Gründer der Zeitschrift „Der Kunstwart“. Hablik verließ im Juli 1907 Prag, um nach Schleswig-Holstein zu fahren. Dort angekommen, hatte es ihm die Naturgewalt der See angetan. Auch seinen Ausflug nach Helgoland hielt der Künstler malerisch fest und zeigt uns in einer Aufsicht das nächtliche Helgoland. Ein langer Lichtstrahl ist in diesem Gemälde zu sehen. Stand er vielleicht auf einem Leuchtturm und schaute auf eine Siedlung, deren Fenster teilweise erleuchtet sind? Hielt er den Schein des kreisenden Leuchtfeuers in diesem Gemälde für die Nachwelt fest?

Der viel gereiste Künstler – ihn trieb es sogar auf die Azoren und nach Chile, aber auch nach Griechenland und Konstantinopel (Istanbul) – malte unter anderem als Reisenotiz und -erinnerung „Die grüne Türbe, Brussa“, entstanden im Kontext seiner 1910 stattgefundenen Reise nach Konstantinopel. Zu seinen Reisezielen gehörte auch der Mont Blanc, den er bei einer lebensgefährlichen Tour selbst bestieg. Seine Eindrücke spiegeln sich unter anderem in dem Gemälde „Sonnenuntergang, Mont Blanc“ wider.

Kunstgewerbliches

Die Verbindung mit der Weberin Elisabeth Lindemann, die er 1917 ehelichte, führte Hablik dazu, sich auch kunstgewerblich zu betätigen. Er entwarf Tapetenmotive und auch Wandbehänge, vor allem aber widmete er sich Metallarbeiten, die gleichfalls in der Schau, teilweise als eine Art Rauminszenierung zu sehen sind.

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Kristallbau in Berglandschaft, 1903 Aquarell, Gouache, Bleistift auf Pa- pier, 16,5 x 16,3 cm © Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe

Feuer und Zerstörung

Weiterhin befasste sich der schließlich nach 1907 in Itzehoe heimisch gewordene Künstler zeichnerisch und malerisch mit den ungezähmten Naturgewalten, so auch in dem Zyklus „Schaffende Kräfte“ mit 20 Bild- und Schrifttafeln. Diese sind in der Schau leider nicht sehr besucherfreundlich inszeniert worden. Feuer als Element kommt im Werkkanon von Wenzel Hablik auch vor. Dabei erfährt man, dass „Feuer als Element“ veräußert wurde und augenscheinlich nicht mehr auffindbar ist. Dafür präsentiert man „Feuer/anläßlich des 1100-jährigen Jubiläums Itzehoes“. Das Gemälde zeigt nachdrücklich die Zerstörungskraft des Feuers, zeigt eine Feuerwand und züngelnde Flamme an hohen Baumstämmen emporkletternd. In diesem Inferno scheint es kein Entkommen zu geben.

Unerwartete Motive und Gestaltungsformen...

... sind weitere Momente, die Hablik auszeichnen. Das gilt nicht so sehr für „Eismeer“ - in der Gestaltung an Arbeiten von Eduard Bargheer erinnernd -, sondern für „Studie im Alstercafe“. Wir sehen nicht nur eine Kuchenetagere, sondern auch die Spiegelung von Kaffeehausbesuchern, wenn wir durchs Fenster des Cafés auf die nächtliche Alster schauen. Auch Wolken als eigenständiges Bildthema findet man bei Hablik, so im Werk „Eine Wolke“ (1910). Diese erinnert allerdings eher an eine farbige Fontäne oder eine Eruption in blassen Farben.

Muss ich schon an der Erde kleben, dann wenigstens nicht mit dem Hirn. Wenzel Hablik

Märchenhaftes und Kubisches

Wie aus einem Märchen für Kinder entsprungen, erscheint ein Blatt mit dem Titel „Siedlung im Schwarzwald“. Diese Gouache zeigt uns pilzförmige Wohnbauten. Zugleich muss man bei deren Anblick an Sandburgenbau denken. In einem Halbbogen über den Pilzbauten liest man die Inschrift: „Ja! Wir dürfen auch Kinder sein und spielen im Sand wie die Kinder.“

Eher an Bauhaus und De Stijl erinnern Architekturentwürfe, die wie „Wohnhaus und Atelier“ (1921) realisierbar scheinen. Kubisches greift darin Raum. Bauteile sind „konstruktivistisch“ in Farbe getaucht, in Rot und Schwarz. Auch das „Vielfamilienhaus“ (1919), auf einer Kuppe stehend, hat nichts mehr mit den kristallinen Fantasien gemein. Es ist ein stark durchfensterter Komplex mit roten Gesimsbändern und blauen Fassadensegmenten.

Wo steht es denn geschrieben, dass der Mensch ewig in „Ziegelkästen“ wohnen muss.“ Wenzel Hablik

Das Esszimmer der Habliks

Wie bereits weiter oben angedeutet, ist dieses Zimmer eine wahre Entdeckung, spiegelt sich doch in dessen Ausgestaltung ein wesentliche Teil des künstlerischen Schaffens Habliks wider. In einer 1917 erworbenen gründerzeitlichen Villa gestaltete Hablik mit Unterstützung eines Dekorationsmalers das Esszimmer in ein Gesamtkunstwerk um. Es sind bunte, lineare Farbkompositionen entstanden. Zu sehen sind sich kreuzende Farbbänder und -linien. Quadrate in Gold uns schwarze Konturen zieren den Raum, der möbliert war, nicht nur mit einem Geschirrschrank und einer Bücherregalwand, sondern auch einem Esstisch und einem Schreibtisch, wie man historischen Fotos entnehmen kann. Auch die Naturaliensammlung Habliks hatte Platz in diesem Zimmer. Ein Sofa mit Mäandermuster gehört gleichfalls zur Ausstattung des Esszimmers. © ferdinand dupuis-panther / Nur die Veröffentlichung von fünf Abb. wurde kostenfrei (!!) gestatet.

Ausstellungen

Der Luthereffekt
500 Jahre Protestantismus in der Welt
bis 5. November 2017

Erstmals illustriert eine Ausstellung die globale Vielfalt und Wirkungsgeschichte, aber auch die Konfliktpotenziale des Protestantismus zwischen den Kulturen. Welche Spuren hinterließ der Protestantismus in anderen Konfessionen, Religionen und Lebensentwürfen? Wie veränderte er sich selbst durch diese Begegnungen – und nicht zuletzt: Wie haben sich Menschen die evangelische Lehre angeeignet, sie geformt und gelebt? Die Ausstellung "Der Luthereffekt" erzählt eine weltumspannende Geschichte von Wirkung und Wechselwirkung, die um 1500 einsetzt und bis in die Gegenwart reicht, exemplarisch dargestellt an Deutschland und Europa 1450–1600, Schweden 1500–1750, Nordamerika 1600–1900, Korea 1850–2000 und dem heutigen Tansania. Das Deutsche Historische Museum präsentiert die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau auf ca. 3.000 qm und trägt hierfür herausragende Exponate von nationalen und internationalen Leihgebern zusammen, die vielfach bisher noch nie in Deutschland zu sehen waren. Umfangreiche Vermittlungsangebote sowie ein attraktives Rahmenprogramm ergänzen die Ausstellung.

Juden, Christen und Muslime Im Dialog
der Wissenschaften 500-1500
9. Dezember 2017 bis 4. März 2018

Unsere heutige wissenschaftliche Welt steht auch auf den Schultern jener jüdischen, christlichen und muslimischen Gelehrten, die im Mittelalter Schriften der Antike übersetzten, zuerst im Nahen Osten ins Arabische und dann in Europa – zu Beginn in Süditalien und Spanien – aus dem Arabischen ins Lateinische. Die Bedeutung des Wissenstransfers in dieser Epoche kann nicht überschätzt werden, auch wenn das nicht der einzige Überlieferungsstrang gewesen ist. So ist etwa die Rezeption der Schriften des Aristoteles im mittelalterlichen Europa im Wesentlichen dieser Übersetzertätigkeit zu verdanken. Im 9. Jahrhundert war in Bagdad das "Haus der Weisheit" begründet worden, von dem eine rege Übersetzungstätigkeit ausging: persische, aramäische, syrische, hebräische, indische (Sanskrit), und lateinische Schriften wurden dort ins Arabische übertragen, von jüdischen, christlichen und sabäischen Gelehrten. Dort unterrichtete auch der Universalgelehrte Al-Chwarizmi (780–850), dem wir einen heute sehr aktuellen Begriff verdanken, den des Algorithmus, entstanden aus einer Verballhornung seines Namens.

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
Tel.: 0 30 / 25 48 60
post@gropiusbau.de
Öffnungszeiten
Mi. - Mo 10 - 19 Uhr (Neue Öffnungszeiten seit 11. Januar 2012)

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