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Berlin
Liebermann Villa

Max Liebermann und Paul Klee Bilder von Gärten
bis 17. September 2018

Max Liebermann schuf über 200 Gemälde nach Motiven aus seinem eigenen Garten. Die mit pastosem, impressionistischem Strich gemalten Werke prägen das Spätwerk des Künstlers. Für Paul Klee war die Natur in ähnlicher Weise ein entscheidender Ausgangspunkt seiner Kunst. Schon der elterliche Garten war für ihn Inspirationsquelle und Rückzugsort zugleich. Hier beobachtete er als Jugendlicher die Pflanzen und zeichnete sie. Auf Wanderungen skizzierte er Blumen und parkähnliche Landschaften. Doch schon bald genügte ihm die Darstellung ihrer optischen Erscheinungsformen nicht mehr, und er wandte sich, um ihr Inneres zu erfassen, der abstrakten Bildkomposition zu.

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Max Liebermann Die Blumenterrasse im Wannseegarten, 1920 © Privatsammlung

Um es vorwegzunehmen: Man hätte sich schon eine dichtere Verzahnung der beiden künstlerischen Ansätze gewünscht, als das in den Wohnräumen der Liebermann-Villa geschehen ist. So hätte man das Motiv des Heckentors bei Klee und bei Liebermann in der thematisch strukturierten Schau durchaus nebeneinander platzieren können. Stattdessen hat man sich eher für eine „blockhafte“ Hängung entschiedenen. Dabei fällt dem Besucher sofort auf, dass Klee der Künstler des Kleinformats zu sein scheint, während Liebermann den Garten motivisch in großen Formaten auf die Leinwand bannte.

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Max Liebermann Laubengang zum Heckengarten, 1920 © Privatsammlung

Für das Thema ist der Garten der Villa, der den Besuchern zugänglich ist und zum Verweilen einlädt, ein Anschauungsobjekt erster Güte. So kann der Ausstellungsbesucher auch stets die Ansichtsperspektiven Liebermanns und die Verschmelzung von Architektur und Natur aus eigener Anschauung wahrnehmen, sprich Liebermanns malerisches Schaffen mit flüchtig hingeworfenen Farbstrichen und -tupfern mit der Wirklichkeit vergleichen, auf den Gartenwegen wandeln, auf einer weißen Parkbank Platz nehmen und am Ufer stehend auf den Wannsee und die Segler schauen.

Die von Menschen strukturierte Natur erscheint dann wahrlich als ein Rückzugsort für Stadtmenschen, so wie es auch für Klee und Liebermann der Fall war, auch wenn der eine das Abstrakte und der andere den aus der Anschauung gewonnenen Eindruck in den jeweiligen Arbeiten zum Ausdruck brachte.

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Paul Klee Neu angelegter Garten, 1937 © Privatsammlung Bern

Bei Liebermann findet sich das Gartenmotiv als Teil seines Spätwerks, während der elterliche Garten in Klees Arbeiten Gegenstand des künstlerischen Schaffens war. Klee ließ auch die Impressionen seiner Tunesienreise in seine abstrakten Arbeiten einfließen, die von Flächigkeit und Kritzeleien sowie von Antennenbäumen durchzogen sind. Auch die Parklandschaft Dessau-Wörlitz hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Gartenbilder Klees, während Liebermann voll und ganz aus dem nach Prinzipien der Reformbewegung angelegten eigenen Garten schöpfte.

Ich bin geistig thätig und habe (…) ganz heitere Momente, wo ich mich mit Pflanzen abgebe, Stecklinge mache, ziehe, … schneide, … wobei ich mich als Pflanze fühle. Paul Klee, 1905

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Max Liebermann Der Nutzgarten in Wannsee nach Südosten, 1920 © Sammlung Deutsche Bank

1910 war Liebermanns Wannsee-Villa fertiggestellt. Ein Jahr später erfolgte die Ausmalung der Loggia, die trotz einer zwischenzeitlichen Übermalung aufgrund sorgsamer Restaurierung bis heute überdauert hat. Ab 1914 schuf der Nestor des deutschen Impressionismus Dutzende von Arbeiten mit Motiven des eigenen Gartens. Wenig gezähmt, sondern wild erscheint die Natur in dem Gemälde „Blumenstauden am Gärtnerhaus“, dem heutigen Eingang zum Villengrundstück. Feuerrot und Weiß sind die Tupfer, die die Blütenpracht im Garten andeuten. Wir erblicken eine in einem weißen Kleid gekleidete Frau auf einer der weißen Gartenbänke in einem weiteren ausgestellten Werk. Im Vordergrund des Gmäldes steht ein weiß-blühender Kastanienbaum. Eingebunden in das Gemälde ist auch ein Stück Architektur in Gestalt einer Gebäudeecke der Liebermann'schen Villa. Am Ufer des Wannsees schauen Mutter und Tochter den dicht an dicht auf dem Wasser kreuzenden Segelbooten zu. Es ist dies der in einem weiteren Gemälde festgehaltene Blick vom Garten aufs Wasser hinaus. Dabei rahmen einige Birken die Szenerie und verwandeln den Wannsee so beinahe in eine Kulissenmalerei.

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Max Liebermann Der Nutzgarten in Wannsee nach Westen, auf dem Weg eine Gärtnerin, 1924 © Kunstsammlung Zwickau, Foto: Fotoatelier Lorenz, Zschorlau

Wie heute schaute auch Liebermann auf das Eingangsportal der eigenen Villa und malte dieses wie auch den sandigen Weg, der von Buchsbaumhecken und Blumenpracht eingerahmt wurde und wird. Zu sehen ist die Arbeit „Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordwesten“, die wie auch andere das Thema „Annäherung an den Garten“ beleuchten. Beinahe skizzenhaft gegliedert und mit flottem Duktus ausgeführt erscheint das Gemälde. Wollte Liebermann damit das Momentane, das Vergängliche andeuten? Exotische Flora als Kübelpflanzen trifft dabei auf weiß- und lila-farbene Blütenfülle. Das genannte Motiv hat Liebermann mehrmals auf die Leinwand gebannt, allerdings jeweils aus anderen Blickwinkeln und -richtungen. 1923 war der Garten, so entnehmen wir einem Gemälde in Fliederfarben und Tintenblau getaucht.

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Paul Klee Betrachtung der Distelblüte, 1918
© Museum Würth, Künzelsau

Dialogisch zu Liebermanns Spätwerk ist dazu Paul Klees Werk „Korbstuhl im Garten“ gesetzt, eine Ansicht auf den elterlichen Garten in Bern. Nach und nach entwickelte Klee im Zuge seiner künstlerischen Entwicklung eine flächige Darstellungsform mit an Kinderzeichnungen erinnernden Kritzeleien und Stricheleien als eine besondere Ausdrucksform. Zudem interessierte er sich mehr und mehr für die Morphologie der Pflanzen, wie sich das auch in seinem Gemälde mit der zentral gesetzten Distel zeigt. In diesem Gemälde sind auch die kahlen antennenförmigen Bäume zu finden, die sich zu einem „Markenzeichnen“ Klees entwickelten. Man betrachte dazu „Erinnerung an einen Garten“. Sehr figurativ ist hingegen „Kind im Asterngarten“ angelegt. Das Kind erscheint dabei als Randfigur.

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Paul Klee, Tor zum verlassenen Garten, 1935 © Privatsammlung Bern

Unter dem Stichwort „Wannsee und Weimar“ sind unter anderem nachstehend genannte Arbeiten subsumiert worden: Liebermanns Pastell „Garten am Wannsee“ (1920) und Klees „Gartenrhythmus“, an einen Flickenteppich erinnernd, deren Flächen unter anderem Pflanzenmotive und Karos zeigen. Gegliedert in farbige horizontale Streifen ist das Werk „Garten in der Ebene I“ von Paul Klee. Stilisierte Bäume durchziehen einige der Farbstreifen. In Konturlinien gefasst ist die Natur in Klees Spätwerk „Kleiner Obstgarten“ (1939). Zum Spätwerk Liebermanns gehört auch „Tor zum verlassenen Garten“. Mit einem Blick auf das Liebermann-Gemälde „Der Nutzgarten in Wannsee nach Südosten“ verlassen wir die Villa und treten hinaus in die gestaltete Natur, in einem weitläufigen Garten, der Kontemplation ermöglicht, zwischen Grünnuancen und roten Farbtupfern. Text: © ferdinand dupuis-panther

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Paul Klee Betrachtung der Distelblüte, 1918
© Museum Würth, Künzelsau

Liebermann-Villa
https://www.facebook.com/Liebermann-Villa-am-Wannsee-184740574897907/
http://www.liebermann-villa.de/liebermann-und-klee.html

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