Am Meer entlang Richtung Norden

Auf dem dänischen Ostsee-Radweg von Flensburg nach Skagen

Text und Fotos: Hans-Jürgen Fründt

Skagen - klingt das nicht schon ein wenig mythisch? Vielleicht so ein wenig wie eine Vorstufe zum Nordkap? Immerhin ist es der nördlichste Festlandspunkt von Kontinentaleuropa. Und genau dort treffen Nordsee und Ostsee aufeinander, küssen sich gewissermaßen zwei Meere. Und kilometerlange Sandstrände gibt es auch noch, Grund genug, mal hinzufahren. Also, auf nach Skagen, oder wie die Dänen es aussprechen: „Sägen“.

Dänemark Ostseeradweg Die Straße nach Norden

Aber wie? Ganz einfach: Ab in die Bahn und zunächst nach Hamburg fahren. Dort umsteigen in einen Zug nach Flensburg. Wer den richtigen erwischt, fährt sogar noch ein Stückchen weiter über die Grenze bis zum ersten Ort auf dänischer Seite, nach Padborg. Von dort einen kurzen Schlag von 30 km entlang einer Fernstraße bis zum nächsten Ort, der heißt Aabenraa. Genau dort stößt man dann auf den dänischen Fernradweg Nummer 5, der entlang der gesamten Ostseeküste bis hoch nach Skagen verläuft und dem wir nun folgen wollen.

Dänemark Ostseeradweg Hinweisschild

Zunächst also bis Aabenraa. Früher war diese 20.000-Einwohner-Stadt deutsch, aber in den politischen Wirren zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Grenze neu gezogen und aus „Apenrade“ wurde ein dänischer Ort. Relativ unspektakulär zeigt er sich, aber in der ziemlich langen Fußgängerzone kann man schon mal einen ersten Eindruck von der gemütlichen dänischen Lebensweise erahnen, bevor es weiter geht. Am Ende dieser Fußgängerzone wird der Fernradweg 5 ausgeschildert und bringt die Radler rasch hinaus aus dem Ort. Erste Überraschung: von wegen, Dänemark sei flach! Einige Hügel wollen schon jetzt bewältigt werden, das wird uns bis nach Skagen noch häufiger blühen. Aber auch immer wieder zauberhafte Blicke auf die Ostsee gewähren, die für vieles entschädigt.

Dänemark Ostseeradweg Strand

Nach knapp 30 km die nächste Stadt: Haderslev, ein weiterer kleiner Ort, der im Laufe seiner 800-jährigen Geschichte lange Zeit zu Deutschland gehörte. Im Zentrum stehen noch viele Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, außerdem wird diese City von Fußgängerzonen durchzogen, in denen neben kleinen Geschäften so manches nette Lokal liegt. Richtig gemütlich also auch dort, aber es soll ja weitergehen. Nächste Zwischenetappe ist Kolding.

12 Prozent Gefälle hinunter zum Fjord

Kolding ist eine Kleinstadt mit fast siebenhundert Jahren Historie auf dem Buckel. Aber es ist nicht viel davon erhalten, in den industriell geprägten Außenbezirken gar nichts. Also ab ins Zentrum, das wie so oft in dänischen Städten von einer angenehmen Fußgängerzone geprägt wird - mit dem sozialen Mittelpunkt, dem Platz Akseltorv. Sehenswert ist hier die St. Nicolaikirche aus dem 13. Jahrhundert und das Koldinghus, eine Burg, die ursprünglich aus dem Jahr 1268 stammt und lange Zeit sogar Königssitz war.

Dänemark Ostseeradweg am Kanal

Weiter geht es Richtung Fredericia und Vejle. Zunächst auf keiner sonderlich idyllischen Strecke. Das ändert sich erst kurz vor der Hafenstadt Fredericia. Diese muss in voller Länge durchfahren werden. Sie ist heute Hafen- und war früher Festungsstadt, und damit sind auch die beiden wichtigsten Sehenswürdigkeiten genannt. Natürlich neben dem netten Ortskern und der - richtig! - Fußgängerzone.

Nach dem Passieren von Fredericia wird es einsamer. Über mehrere Kilometer führt der Weg durch Felder, nähert sich mal der Küste und schwenkt doch häufiger wieder weg. Kurz vor Vejle bietet er dann eine echte Herausforderung, denn es geht durch ein Waldgebiet mit teilweise ziemlich heftigen Steigungen. Der Clou aber kommt zum Schluss: eine Abfahrt auf einer stärker befahrenen Straße mit stolzen 12 Prozent Gefälle hinunter zum Fjord! Wer dies geschafft hat, atmet auf und radelt dann auf die unübersehbare Autobahnbrücke zu. Kurz nach deren Unterquerung wird dann Vejle erreicht. Neben der reizvollen Lage am Fjord bietet die Stadt nicht übermäßig viel Spannendes, natürlich die obligatorische Fußgängerzone, eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert und zwei Museen. Mit anderen Worten: gut zum gemütlichen Bummel, weniger animierend zum Bleiben.

Dänemark Ostseeradweg Durch die Felder

Also weiter Richtung Horsens. Wer dem Radweg folgt, radelt bis dorthin genau 82 Kilometer. Es geht durch eine reizvolle Landschaft, und schließlich wird sogar ein größerer Urlaubsort erreicht, Juelsminde, wo ein schöner Strand zum Entspannen lockt. Die restliche Strecke bis Horsens schlägt ein paar Haken und Zacken, man wird mal zum Wassre geführt, dann wieder ins Hinterland und schließlich geht es durch ein Waldgebiet hinein nach Horsens. „Stadt der Museen“ wird der Ort (55.000 Einwohner) auch genannt, mehrere Ausstellungen dokumentieren die wechselvolle Geschichte. Im 10. Jh. lebten hier am Fjord die Wikinger, später prägten Großkaufleute das Bild. Es folgten Kirchen, Klöster und Schlossbauten, bis im 19. Jahrhundert die Industrie einzog. Dies alles kann im innerstädtischen Kern nacherlebt werden, vor allem im Horsens Museum am Sundvej, das die Historie des Ortes dokumentiert.

Århus macht Spaß

Das nächste Zwischenziel heißt Århus. Bis dorthin führt der Weg meist durch Felder, Wiesen und teilweise auch durch Wälder, also überwiegend durch die Einsamkeit. Aber nicht nur, die Strecke verläuft auch mehrmals direkt entlang der Küste, in Hov und Saksild wird jeweils das Meer erreicht und damit auch ein Strand. Endlich einmal, möchte man ausrufen, so hatte man es sich doch vorgestellt, aber es wird noch besser kommen! Zum Schluss führt der Radweg noch einmal durch einen Wald, der mit einigen Steigungen gesegnet ist, bis dann kurz vor Århus ein großer Campingplatz passiert wird. Zwar liegt er ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, aber ein Bus pendelt regelmäßig in die City.

Dänemark Ostseeradweg Fachwerkhaus

Und die sollte sich niemand entgehen lassen, denn Århus macht Spaß! Nicht nur weil ein großer Teil der 275.000 Einwohner junge Leute sind (10 % Studenten), sondern auch, weil die Innenstadt einfach abwechslungsreich ist. Geprägt durch lange Fußgängerzonen, eine Vielzahl von gemütlichen Lokalen, vor allem beim Aboulevarden, wo ein Fluss vorbeifließt und man entspannt am Wasser sitzen kann und einige Sehenswürdigkeiten. Wie den Dom, der ursprünglich auf das Jahr 1201 datiert und 1520 im gotischen Stil umgebaut wurde. Oder das große Freiluftmuseum „Dem Gamle By“, in dem eine ganze Stadt aus 80 historischen Gebäuden nachgebildet wurde. Sogar mit Postamt und eigenem Stempel!

Dänemark Ostseeradweg Felder und Meer

Der weitere weg nach Skagen führt zunächst nach Grenaa und folgt der Küste. Zwar nicht immer unmittelbar am Meer entlang, aber überwiegend durch ruhigere Zonen, die allerdings nicht frei von Hügeln sind. Ein Teilgebiet trägt denn auch den richtungsweisenden Namen Molsbjerge, wo ja auch das Wort „Berge“ durchschimmert. Ein wenig aus dem Sattel kommt man deshalb immer wieder. Es ist eine rund 6 Kilometer lange Strecke durch eine Moränenlandschaft, bei der die höchste Erhebung 137 Meter erreicht. Der Weg ist also weniger durch steile Passagen, denn mehr durch lang gezogene Steigungen geprägt. Hat man diese Zone passiert, folgt die Belohnung, denn der Radweg führt direkt nach Femmøller zum Strand, wo man prima verschnaufen kann. Und wen es mal wieder nach etwas touristischem Trubel gelüstet, der fährt noch ein paar Kilometer weiter nach Ebeltoft, einem der beliebtesten Urlaubsorte an der ganzen Küste, außerdem auch einer der malerischen.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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