Dänemark

Eine Kanutour für die ganze Familie

Text und Fotos: Dirk Schröder

Die Gudenå in Jütland gehört zu den schönsten Kanuwanderflüssen, die Dänemark zu bieten hat. Zeitweilig glaubt man sich in die tiefen Wälder Schwedens versetzt. Ein Großteil ihrer 160 Kilometer sind befahrbar. Der Oberlauf zeigt sich urwüchsig, dicht bewachsen und steht unter Landschaftsschutz. Die weit verzweigte Seenplatte um Silkeborg wird eingerahmt von den höchsten Erhebungen des Landes und auf dem Wasser kreuzen stattliche Freizeitboote. Ab Silkeborg fährt der nostalgische Schaufelraddampfer die Urlauber bis zum Aussichtspunkt Himmelbjerg. Während für den Oberlauf der Gudenå eine Genehmigung erforderlich ist und dieser Teil nur zu bestimmten Zeiten befahren werden kann, sind die Seen und der Unterlauf bis Randers das ganze Jahr für jeden Kanuten zugänglich. Der Fluss ist einfach zu befahren und doch abwechslungsreich, so dass man mit der ganzen Familie viel Freude haben wird.

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Wer kein eigenes Kanu mitbringt, kann sich bei den zahlreichen Vermietern einen Kanadier ausleihen und kommt in den Genuss, am Ziel seiner Wahl wieder abgeholt zu werden. Übernachtet wird in der Regel im Zelt auf einem der Plätze nahe dem Ufer. Spannende Attraktionen entlang der Strecke sorgen für Abwechslung: nicht zuletzt das Aqua- Süßwasseraquarium in Silkeborg mit seinen verspielten Ottern, das Silkeborg-Museum, wo die besterhaltenen Moorleichen zu sehen sind oder das EL-Museum, in dem Jung und Alt viele Experimente machen können. Für die gesamte Tour sind 10-14 Tage zu veranschlagen, doch auch kürzere Etappen sind kein Problem.

Aller Anfang ist schwer

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Lautlos gleiten wir über das Wasser, vorbei an hohen Schilfwänden, nur das Eintauchen unserer Paddel unterbricht die Stille. Der letzte Morgennebel liegt über dem schmalen Flusslauf – da, plötzlich bewegt sich die Wasseroberfläche. Die Umrisse eines Kopfes werden deutlich. Für eine Wasserratte ist er zu klein. Ein Biber? Nein, der sieht anders aus. Vielleicht ein Otter, die soll es in der Gudenå noch geben. Da ist er wieder. Kurz taucht der Kopf nochmals auf. Ja, das ist ein Otter, der irgendwo hier am Ufer seinen Bau haben muss.

Jetzt weitet sich der Fluss zu einem idyllischen See. Kiefern erheben sich hinter dem Schilf, die frühen Sonnenstrahlen beleuchten die Natur wie riesige Scheinwerfer. Jetzt fehlt nur noch ein Elch, der aus dem Dickicht auftaucht. Doch wir sind nicht in Schweden, sondern mitten in Jütland, zwei Autostunden von der deutsch – dänischen Grenze entfernt.

Start der Tour in Tørring

Erst vor wenigen Stunden hat uns Lars die beiden Mietkanus auf den Campingplatz gebracht. In dem kleinen Städtchen Tørring besteht die erste Möglichkeit, den mit 160 Kilometern längsten Fluss Dänemarks zu befahren. Es ist Montag, doch wir sind heute nicht die einzigen, die hier ihre Boote zu Wasser lassen. Lars gibt uns noch einige Tipps zum Steuern des Kanadiers, empfiehlt uns das schwere Gepäck in der Mitte zu verstauen und mit einer langen Schnur zu sichern. Schließlich erinnert er noch an die Schwimmwesten. Wir machen mit ihm einen Tag für das Ende unserer Tour aus, damit er die Boote abholen kann und markieren die Plätze auf der Landkarte, wo wir die Kanus deponieren können. Für den Rücktransport haben wir uns beim Campingwart schon ein Busfahrplan geholt. Beinahe hätte Lars vergessen, uns die Fahrerlaubnis zu geben. Diese Bescheinigung braucht jeder Kanufahrer, der durch das Naturschutzgebiet im Oberlauf paddeln möchte.

Bei Tørring mäandert die Gudenå zwischen Wiesen dahin. Am Ufer grasen Kühe und Pferde, zwischendurch quert eine Entenfamilie unseren Weg. Doch wir haben jetzt keinen Blick für diese Idylle um uns herum, fordert doch das Manövrieren der Kanus unsere volle Konzentration. Der seichte Fluss ist in seinem Oberlauf schmaler noch als die Kanus lang sind und so stecken wir mal vorn im Schilf, mal sitzen wir hinten fest. "Christiane, nun lenk doch mal richtig. Du musst das Paddel früher einsetzen" kommentiert Marie mit ihren 12 Jahren die ersten Versuche ihrer Mutter, das Kanu durch den schmalen Fluss zu manövrieren. "Oh nein, das kann ja was werden" murmelt sie leise vor sich hin. So manche Flüche durchbrechen in der ersten Zeit die Stille und meine gut gemeinten Ratschläge heben auch nicht gerade die Stimmung. Doch wer als Neuling im Kanadier diese Passage gemeistert hat, den kann auf den weiteren Abschnitten nichts mehr aus der Ruhe bringen.

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Campingplätze sind manchmal bequem am Flussufer gelegen

Nach acht Kilometern entdeckt unser Junior, der als Späher vorne sitzt, den ersten Rastplatz an der Brücke nach Åle. Er ist schön angelegt mit Feuerstellen und Zeltmöglichkeit direkt am Ufer. Doch es ist erst früher Nachmittag und keiner von uns kann sich so recht entscheiden, den ersten Tag im Kanu jetzt schon zu beenden. So bleibt es bei einer kurzen Pause, einem Schluck Tee aus der Thermoskanne und einer Energiespritze in Form kleiner Mars. Die einstimmige Entscheidung, zum nächsten Zeltplatz weiter zu paddeln, erwies sich a genial, denn der Aale-Teldplads befindet sich abseits der belebten Landstraße 185. Outdoor – Romantik kommt heute Abend am Lagerfeuers auf.

Am nächsten Tag soll es viel besser kommen!

Nach dem ausgedehnten Frühstück fallen uns die zehn Kilometer bis Bredstenbro leicht. Eine sehr schöne Etappe, vorbei an dicht bewachsenem Ufer, die Wasseroberfläche ist wie von einem Teppich mit weiß blühenden Blumen überzogen. Als Oase der Ruhe empfinden wir nach der letzten Nacht den Campingplatz Gudenå, der nahe der Brücke direkt an der Flussbiegung gelegen ist. Die Autos auf der entfernten Straße sind kaum zu hören und den Kanuten steht gleich vorne am Wasser eine breite Zeltwiese zur Verfügung. "Kriegen wir ein Eis?" ertönt es fast gleichzeitig aus dem Mund der beiden Bootsmänner, als wir angelegt haben. Gleich hinter dem Laden entdecken die Kinder noch einen aufregenden Spielplatz mit Trampolin, Rutschen und, und, und... Als unsere jungen "Bootsmänner" den Swimmingpool entdecken sind sie nicht mehr zu halten. So fällt die Mittagspause etwas länger aus als geplant. Nur mit viel Überredungskunst können wir die Beiden bewegen, zur zweiten Tagesetappe einzusteigen.

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Buchstäblich im Zickzack fahren wir jetzt über die Gudenå: mal scharf links, dann wieder rechts, Schilf und Moore zu beiden Seiten. Manchmal hängen die Erlen so dicht über dem Wasser, dass man sich darunter verstecken kann. Plötzlich eine künstliche Engstelle, eine kleine Brücke und bald schon weitet sich der Fluss wieder. Bei einer Gabelung mussten wir uns schnell entscheiden. "Steuerbord" schreie ich Johann zu, doch bald schon stelle ich meinen Fehler fest: "Mist, es wird immer seichter, der Boden schabt unter dem Kiel, wir sitzen fest!". "Schnell Johann, funk den anderen, dass sie backbordseitig die Insel umschippern sollen!" "Wiking I, Wiking I" höre ich Johann in sein CB-Funkgerät sprechen. "Was ist los?" kommt die Reaktion aus dem Äther. "Fahrt bloß nicht hinter uns her. Wir sitzen fest. Versucht es links von der Insel. Ende." So erweisen sich die handlichen Walki-talkis doch als sehr nützlich. Während wir unser Kanu durch das seichte Wasser ziehen und staken, schwimmt Wiking I flott in der Strömung an uns vorbei.

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Die Gudenå wird bald so breit wie ein See. Etwas versteckt entdecken wir am rechten Ufer die Landungsstelle des Camping Vestbirk. Noch ehe die Zelte stehen, haben die Kinder den großen Pool entdeckt, die Trampolins und anderen Spielmöglichkeiten und waren bis zum Abendessen nicht mehr zu sehen. Im Kiosk erstehen wir nicht nur Lebensmittel, sondern kaufen auch noch ein Bündel Brennholz, um die "Pølse", die knallig roten Bockwürstchen, zu grillen und gönnen uns einen Rotwein.
Wie überall auf den Camps entlang der Stecke wird erwartet, dass die Bootsfahrer sich an der Rezeption anmelden und den Obolus für die Nacht zahlen.

Drei Umtragestellen an einem Tag

Zugewachsen, ursprünglich zeigt sich die Gudenå am heutigen Vormittag. Im Schatten hoher Erlen gleiten wir lautlos dahin. Dann versperrt uns plötzlich ein Wehr den Weg. Wir machen an der Breitseite des Alu-Kanus fest und werden schnell vom "Kapitän" auf deutsch informiert, dass dies die erste Staustufe der Gudenå ist. "Unsere Kinder holen schon den Handwagen" fügt er noch hinzu. Alles ist perfekt organisiert:

Jeder packt selbstverständlich mit an und mit vereinten Kräften und lautem " Hau Ruck, Hau Ruck, Hau Ruck... "schieben wir zu dritt das voll beladene Kanu die Rampe hinauf, zerren es auf den Handwagen und ab geht es im Laufschritt hinunter auf die andere Seite des Kraftwerks. Profis machen das mit so einem Schwung, dass jeder vor dem herannahenden "Geschoss" in Deckung springt. Keine 10 Minuten später sitzen wir wieder in den Booten.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Nach dichtem Morgennebel wärmt die Sonne nun unsere nackte Haut. In der Mittagspause bastelt sich Johann eine Angel aus einem Zweig und dem Blinker, den er zuvor im Schilf gefunden hat. Meine Mahnung, das er dafür einen Angelschein benötigt, ignoriert er einfach. Bei Kindern wird es hoffentlich nicht so schlimm geahndet, denke ich mir und lasse ihm den Spaß.
Enttäuscht sind wir vom Biwakplatz Fiskerbyen. Direkt an der Straße fehlt ihm jede Romantik. Auch der Voervadsbro Teldplads, nur 200 Meter weiter, überzeugt uns nicht. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für die nächste Übernachtung Klostermølle in sechs Kilometer Entfernung. Wenn wir gewusst hätten, was für eine anstrengende Etappe da auf uns wartet, wäre die Entscheidung sicher anders ausgefallen.
Es dauert nicht lange und ein breites Wehr versperrt uns wieder den Weg. Ein Wagen für das Kanu steht auch hier bereit, doch es ist schon später Nachmittag und keine anderen Kanufahrer sind weit und breit zu sehen. Das es so anstrengend ist, mit nur zwei Erwachsenen und vier Kinderhänden ein beladenes Boot auf den Wagen zu zerren, hätten wir nicht gedacht. Als Belohnung für diese schweißtreibende Arbeit folgt nun der schönste Flussabschnitt der gesamten Tour, wie sich im Nachhinein herausstellt.

Die Strömung hat zugenommen. Teilweise geht es sogar ohne eigenen Antrieb flussabwärts. Mal um eine grüne bewachsene Insel herum, mal müssen wir den Schwänen ausweichen. Die Bäume haben den Fluss dicht zugewachsen, vom Himmel dringt kein Tüpfelchen Blau mehr hindurch. Der beginnende Regen und die tropfende Feuchtigkeit unterstreicht unser Gefühl in den Tropen zu sein, nur dass es dann noch schwül warm wäre und nicht so fröstelnd kalt wie jetzt. Endlich taucht zwischen den Bäumen die Klostermølle auf. Noch ein letztes Mal das Boot herausholen und Schluss für heute. Das Gelände der einstigen Mühle entpuppt sich als eine wahre Idylle, kein Autolärm, nur das Rauschen des Baches und das Klopfen der Regentropfen auf unserem schwedischen Tunnelzelt. Mönche hatten vor rund 800 Jahren den Kanal gegraben, um die Wasserkraft zu nutzen. Das große vierstöckige Holzgebäude war das Trockenlager der Papierfabrik, die später hier entstand. Heute ist die Anlage sehr schön restauriert.

Über große Seen nach Silkeborg

Mit dem vierten Tage auf der Gudenå verlassen wir das Naturschutzgebiet. Wenige Paddelschläge von der Klostermølle entfernt, dort wo der Fluss in den Mossø einmündet, ändert sich abrupt das Landschaftsbild: der riesige See wird von Wiesen und Feldern gesäumt, Häuser tauchen auf und Motorboote kreuzen unseren Weg.

Auf dem See übernehmen die Kinder zum ersten Mal das Steuer und sind ziemlich erstaunt "Oh, so leicht ist das mit dem Steuer ja gar nicht" höre ich Marie hinter mir murmeln und sehe vorne das Schilf auf mich zukommen. "Dirk, wie komme ich denn hier wieder raus?" Aus ihren Worten klingt Verständnis für unsere anfänglichen Schwierigkeiten. "Verkehrsschilder" mit Geschwindigkeitsbegrenzungen tauchen plötzlich am Ufer auf. Ein deutliches Zeichen, dass wir wieder in die Zivilisation eintauchen. Zum Glück queren wir den größten See Jütlands an seiner schmalsten Stelle im Westen und münden bald wieder in einen Kanal ein. Früher wurde der Fluß als Handelsweg benutzt, lange schon vor den Wikingern. Es war bis ins letzte Jahrhundert der schnellste und bequemste Weg die Waren vom Meer ins Inland zu transportieren. Wer sich für die Geschichte der Region, bis hin zur Steinzeit, interessiert, dem sei der kurze Abstecher über den Seitenarm zum Gudenåmuseum empfohlen. Eine private Sammlung, die über 30.000 Funde aus der Gegend zeigt, darunter jede Menge Feuersteine, Äxte und Speerspitzen aus der Steinzeit. Lohnend ist auch der Stop wenige Flussbiegungen weiter am Øm Kloster. Es ist eines von 14 Klöstern, die im Mittelalter entlang der Gudenå errichtet wurden. Die Ruinen geben heute noch einen guten Eindruck von den Ausmaßen der Anlage aus dem Mittelalter. Dass die Zisterziensermönche ein großes Wissen über Heilbehandlungen hatten, bis hin zu Schädeloperationen, das zeigt uns das kleine Museum.

Wieder im Boot werden wir mitten auf dem Gudenå See von einem heftigen Gewitter überrascht: von jetzt auf gleich verwandelt sich der Himmel von tiefblau in düsteres Schwarz. Noch ehe wir die Regenkleidung anziehen konnten, tanzen schon dicke Tropfen auf der Wasseroberfläche. "Schnell Backboard", treibe ich Johann an, der wieder das Steuern übernommen hat. "In den Schutz der überhängenden Erlen, sonst sind wir gleich bis auf die Haut nass" setze ich noch hinzu und paddle mit aller Kraft. Aus unserem Unterschlupf heraus beobachten wir fasziniert das Wasserspiel. "Das finde ich total geil" stellt Jonni plötzlich fest. Und da kann ich ihm nicht widersprechen, auch wenn ich es anders ausgedrückt hätte. Die Regenbekleidung hält uns zwar trocken, doch ist es allen schnell kalt geworden. "Lasst uns lieber weiter fahren. Beim Paddeln wird einem wenigstens warm" motiviert uns Christiane. Noch eine Runde Gummibärchen zur Motivation und hinein ins nasse Vergnügen. Auf dem See werden wir von einem Boot überholt, in dem zwei Männer mit nacktem Oberkörper sitzen, offensichtlich abgehärtete Wikinger. Andere haben sich in Mülltüten gehüllt. Die schwarzen Plastiksäcke sind bei vielen auch als Verpackung der Ausrüstung sehr beliebt. Wer aber auf Nummer Sicher gehen will, der sollte die Investition für die praktischen Ortliebsäcke nicht scheuen. Sie sind wirklich dicht, selbst wenn sie ins Wasser fallen und zudem robust. Peinlichst achten wir darauf, dass die Schlafsäcke und jeweils eine Garnitur Wäsche zum wechseln immer trocken bleiben. So kann man sich nach einem Regenguss wieder warm anziehen. Apropos Regen. Ob Sie bei einem Zelt richtig investiert haben, wird sich spätestens dann herausstellen: ist es bei einem Gewitter mit Sturmböen und peitschendem Regen wirklich dicht? Tropft es auch nicht beim Öffnen in den Innenraum? Kann man seine Regenkleidung ausziehen, ohne dass der Schlafbereich nass wird? Auch beim Auf- und Abbauen im strömenden Regen sollte das Innenzelt trocken bleiben!

Unser Ziel für heute liegt auf der anderen Seite der Kleinstadt Ry. Pudelnass und erschöpft erreichen wir dort den Sønder Eget Campingplatz. Wieder rutschen die Bootskiele über den Kies, ein Geräusch, dass uns vertraut geworden ist. Routiniert räumen wir inzwischen die Kanadier aus, bauen die Zelte auf und genießen die heiße Dusche. Belohnt werden wir zum Abschluss des Tages durch einen malerischen Regenbogen, der sich in voller Breite zeigt und als Höhepunkt noch im Wasser spiegelt.

Die Silkeborger Seenplatte: ein Werk der Eiszeit

Der ursprünglichste Teil liegt hinter uns. Schicke Ferienwohnungen am Ufer, Motorjachten und Ausflugsboote prägen nun das Bild der Silkeborger Seenplatte. Bei Westwinden sollen wir auf der windgeschützten Seite dicht am Ufer bleiben, empfahl uns Lars bei der Übergabe der Kanus. Bei Gegenwind können die 17 Kilometer zu einer harten Herausforderung werden, hatte er uns gewarnt.

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Wer nach vier Tagen die Kanutour in Ry beenden möchte, dem sei als abschließendes Erlebnis die Fahrt mit den beiden Ausflugsschiffen nach Silkeborg empfohlen: In nur 40 Minuten tuckert das Motorboot von Ry bis zur Anlegestelle Himmelbjerg. Eine Entfernung, für die man im Kanu einen halben Tag einplanen muss. Bis zur Weiterfahrt bleibt genügend Zeit für den kurzen, aber anstrengenden Spaziergang auf den Himmelbjerg, eine der höchsten Erhebungen in Dänemark. In 147 Metern Höhe bietet sich ein herrliches Panorama über die hügelige Seenlandschaft, die vor rund 10.000 Jahren von der Eiszeit geformt wurde. Der Turm wurde 1875 hier zu Ehren König Frederk VII. errichtet. Erreicht man in Ry das erste Boot, so wartet gegen Mittag der älteste Schaufelraddampfer Dänemarks für die Weiterfahrt (nur zur Hauptsaison möglich). Das Schmuckstück Hjejlen fährt noch wie zur Jungfernfahrt 1860 mit Dampf. Im engen Maschinenraum werden Kohlen in den Kessel geschaufelt und von Zeit zu Zeit müssen die offen liegenden Nockenwellen geölt werden. Mit lautem Pfeifen und einer schwarzen Rauchwolke stampft die alte Lady dann über die Seen bis Silkeborg. Ob mit dem Ausflugsschiff oder im eigenen Kanu, auf jeden Fall sollte man einen Stop im "AQUA Ferskvands Akvarium" einlegen. In der großartig gestalteten Anlage dreht sich alles um die Flüsse und Seen der Region. Hier kann man trockenen Fußes das Leben unter Wasser beobachten, kann sehen wie die Enten tauchen, welche Fische und Pflanzen sich unter der Wasseroberfläche befinden und im "Streichelbecken" die Fische auch berühren. Die größte Attraktion sind allerdings die Otter, die mehrmals am Tag gefüttert werden. Die Kinder würden am liebsten den ganzen Tag hier verbringen. Erst als wir ihnen offenbaren, daß wir uns noch eine Moorleiche aus der Eisenzeit anschauen wollen, können sie sich von der Tierwelt verabschieden. Der Tollundmann ruht im Silkeborg Museum wenige Schritte von der Endstation der Ausflugsboote entfernt. Etwa 2200 Jahre verbrachte er im Moor bei Tollund, wo Torfstecher ihn 1950 entdeckten. Jede Gesichtsfalte, die Bartstoppeln, die Haare, sogar die Kopfbedeckung sind bei dem 30-40 Jahre alten Mann erhalten.

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Das "Streichelbecken" des Aquariums

Nach einem erholsamen Tag in Silkeborg mit Eis essen und Museumsbesuchen freuen sich die Kids nun wieder auf die Weiterfahrt im Kanu, die gleich im Ort mit einer Schleuse beginnt. 23 Kilometer bis zur Kongsbro haben wir uns für diesen Tag vorgenommen – die längste Etappe während unserer ganzen Fahrt. Statt an Wäldern gleiten wir an mannshohem Schilf vorbei. Die Kuhweiden reichen bis dicht ans Wasser und nicht selten genehmigen sich die Rindviecher ein Fußbad darin. Immer wieder entdecken wir am linken Ufer den alten Treidelpfad, über den früher die Lastkähne flussaufwärts gezogen wurden. Erst nach dem Bau der Eisenbahn verlor dieser Transportweg an Bedeutung.

Viel Abwechslung am vorletzten Tag auf der Gudenå

Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir wieder unsere Kanus und lassen sie zu Wasser. Handgriffe, die nach einer Woche zur Gewohnheit geworden sind. Vor uns liegt der Tange Sø, der letzte große See auf unserer Tour. Wie eine Mondsichel zeigt er sich bei der Planung auf dem Kartenausschnitt. Es wird eine gemütliche Vormittagstour bei warmen Temperaturen. Die Kinder spielen "Mann über Bord" und freuen sich über die Abkühlung. Für einige Zeit begleitet uns eine Haubentaucherfamilie nahe dem Schilf. Immer wenn wir es geschafft haben, auf Telereichweite heran zu paddeln, tauchen sie auch schon ab und stecken ihre braunen Köpfe nach einer Weile irgendwo anders wie U-Boote aus dem Wasser.

Dass der See sehr fischreich ist, das hat uns der Campingwart schon erzählt, als wir in der Früh unseren Proviant auffüllten. Nun zwingen uns lange Netze, die in Aalreusen münden, auf Zick-zack-Kurs. In Tange wird der Stausee zur Stromgewinnung genutzt. Für uns bedeutet das, die Kanus zum letzten Mal umzutragen. Diesmal über eine abenteuerliche Leiter hinunter in den schmalen Rinnsal. Neben dem Kraftwerk wurde das sogenannte EL-Museum eingerichtet, das sich ausschließlich dem Thema Elektrizität widmet. Allein schon die Sammlung der alten Elektrogeräte übertrifft all unsere Erwartungen. Hier finden wir sogar unsere einstigen Plattenspieler wieder. Als die Kinder das Elektrolaboratorium entdecken, wo sie die erstaunlichsten Experimente mit Strom machen können, wollen sie fast nicht mehr weiter fahren.

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Ein letztes Mal beladen wir am nächsten Morgen die beiden Boote. Kein Wehr das heute umtragen werden muss, kein See, auf dem der Wind hohe Wellen schlagen kann. Gemütlich ziehen wir an den Schilfwänden vorbei, genießen die Paddelschläge und lassen uns manchmal auch treiben. Es bleibt genügend Zeit, um die vielen verschiedenen Eindrücke der vergangenen neun Tage noch einmal Revue passieren zu lassen; die verspielten Otter, die Enten und Haubentaucher, die uns so oft begleitet haben, die spannenden Museen entlang der Strecke, die verschiedenen Menschen, denen wir begegnet sind und die Lagerfeuer, die an so manchem Abend brannten.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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