Weißrussland
schwarzaufweiss
Fotos:
© R.Fishman
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Kurzportrait
Die
optimistische Aufbruchstimmung anderer Nachfolgestaaten der kollabierten
Sowjetunion macht sich hier rar. Weißrusslands lastende Geschichte
und seine beklemmende Gegenwart sind nicht der Nährboden für
hoffnungsvolle Zukunftsentwürfe. Reisenden bleibt die schlechte
Stimmungslage nicht verborgen. Doch manchmal, wenn ihnen unvermutet
herzliche Gastfreundschaft entgegenschlägt und spontane Hilfsbereitschaft
die Wege ebnet, ist es wieder da, das schöne Gefühl der Unbeschwertheit.

Eine bedrückend lange Sowjetherrschaft hat ihre Wunden hinterlassen,
übertroffen noch von einem der übelsten Kapitel deutscher
Geschichte, der Besetzung Weißrusslands durch die Wehrmacht 1941-1943.
Das Leben von 2,2 Mio. Menschen, nahezu einem Viertel der Gesamtbevölkerung,
wurde in diesen Schreckensjahren ausgelöscht. Noch immer damit
befasst, einen Weg aus den Albträumen der Vergangenheit zu finden,
ereilte das Land im Frühjahr 1986 eine neue Katastrophe: Tschernobyl.
70 % des radioaktiven Fallouts verseuchten den Süden Weißrusslands.
Vertuschung, chaotische Flucht- und Evakuierungsszenarien dokumentierten
das Versagen der Mächtigen in Minsk und Moskau. Zum Glück
kann Belarus heute wieder unbedenklich bereist werden. Die Strahlungshöhe
entspricht in praktisch allen Ort- und Landschaften der natürlichen
Strahlung vor dem Tschernobyl-Unfall.
Geschlagen von der Geschichte, die das Land von einer brutalen Fremdherrschaft
in die nächste trieb, ist für die Weißrussen auch mit
der Unabhängigkeit kein verheißungsvolles Zeitalter angebrochen,
steht doch die Eigenständigkeit ihres Landes auf tönernen
Füßen. Die Modernisierung der Gesellschaft lässt auf
sich warten, eine Annäherung an die Normen der Staatengemeinschaft
ist den Machthabern suspekt.
Wo Dörfer und ganze Städte (Minsk zu 90 %) im Kriege ausradiert
und unsinnigerweise noch in den 50er und 60er Jahren historische Bauten
niedergerissen wurden, sind alte, gewachsene Ortskerne selten geworden.
Daran und an die große Zahl neuer, nicht selten monumentaler Mahnmale
und Gedenkstätten, die an die Opfer der Stalinzeit und der deutschen
Besetzung erinnern, müssen sich Besucher gewöhnen, aber auch
an die alltäglichen Unzulänglichkeiten und den hier und da
noch anzutreffenden ruppigen Charme des real existierenden Sozialismus,
sei es bei Begegnungen mit Amtspersonen oder dem Personal in Restaurants
und Geschäften.
Das Pfund, mit dem Weißrussland wuchern kann, ist sein Reichtum
an Wäldern, Seen und Flüssen, die größtenteils
als geschützte Naturreservate ausgewiesen sind. Wohl am bekanntesten
ist der seit 1992 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählende Nationalpark
Beloweshskaja Pustscha im polnisch-weißrussischen
Grenzgebiet. Er umfasst 145.000 ha, davon 87.600 in Belarus und 57.400
in Polen. Dieser streckenweise wie ein Urwald anmutende Forst auf der
Wasserscheide zwischen Ostsee und Schwarzem Meer ist ein Restbestand
des riesigen Waldgebiets, das sich im Mittelalter zwischen Ostsee und
Bug, Oder und Dnjepr erstreckte. 1919 wurde hier der letzte freilebende
Auerochse erlegt. 1929 begann man mit der Wiederansiedlung des Wisents,
der heute eine Population von über 300 Tieren aufweist. Die Misch-
und Laubwälder (darunter allein mehr als 1.000 Eichen im Alter
von 300-700 Jahren) beherbergen eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt
wie Luchse, Wölfe und Bären, Rotwild und Wildschweine, Königsadler
und Schwarzstorch.
Südlich des Parks liegt Brest, die
berühmte Grenzstadt, wo Autofahrer oft lange Staus erdulden müssen
und auch Bahnreisende einige Stunden auszuharren haben, wenn ihre Waggons
von Normalspur auf Breitspur umgerüstet werden. Sehenswert sind
die Überreste der martialischen Festung Brest, die nach heldenhaftem
Widerstand einiger Rotarmisten vom Obersten Sowjet der UdSSR zur "Heldenfestung"
erklärt und zum Mahnmal ausgestaltet wurden.
Nahe der polnischen Grenze liegt auch Hrodna
(polnisch Grodno), eine polnisch-katholisch geprägte Großstadt
an den Ufern des Njeman (Memel) mit einer sehenswerten Altstadt. Auch
Navahrudak auf dem Weg nach Minsk blickt
auf eine lange Geschichte zurück. Sie war die erste Hauptstadt
des Großfürstentums Litauen und ist Geburtsort des polnischen
Nationaldichters Adam Mickiewicz. Der beschauliche Ort konnte sein mittelalterliches
Stadtbild bewahren. Nicht weit von hier befindet sich ein bedeutendes
Kulturdenkmal des "Goldenen Zeitalters" der weißrussischen
Geschichte, das Wehrschloß Mir. Der
im Stil der weißrussischen Steingotik im 15. Jahrhundert begonnene
und mit Stilelementen der Renaissance und des Barock vollendete Bau
gilt als außergewöhnliches Beispiel osteuropäischen
Burgenbaus. 2000 fand Mir Aufnahme in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Durch die Fürstenfamilie Radziwill stand Mir mit dem nahen Städtchen
Njasviz in Verbindung, wo sich das berühmte
Adelsgeschlecht 1583 eines der schönsten Schlösser des Landes
erbaute, umgeben von einem romantischen Park.

Künstler-Stand
in Minsk
Minsk, die schmucklose Millionenstadt im
Zentrum Weißrusslands, wurde erstmals 1067 urkundlich erwähnt.
Nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs erhielt Belarus` Kapitale
ein neues Stadtbild, das durch weite Plätze und Parks, breite Boulevards
und Gebäude im heroischen, sowjetisch-neoklassizistischen Stil
geprägt ist. Nur wenige der alten Kathedralen überlebten das
Kriegsinferno. Unzerstört blieb auch der alte Stadtteil Trajeskaje
Predmestje, dessen verwinkelte Gassen mit Häusern aus dem 19. Jahrhundert
zu einem reizvollen Bummel einladen. Das "Minsker Meer", ein
Stausee, ist beliebtes Ausflugsziel für Badelustige und im Norden
des Minsker Gebiets lässt sich sogar richtig Urlaub machen an den
Ufern des 80 km² (entspricht der Fläche des Chiemsees) großen
Narac-Sees. Inmitten herrlicher Wälder ist hier ein Erholungszentrum
entstanden. Die großen Waldbestände des Narac-Gebiets und
die Forste von Vilejka bilden den Nationalpark Narotschanskij
(94.000 ha) mit dem größten Kiefernwaldgebiet von Belarus.

Das
Parlament von Minsk
Weiter nördlich, unweit der Grenze nach Litauen und Lettland, liegt
der seenreiche Nationalpark Braslawskije Ozera,
ein Paradies für Angler, Wassersportler und Wanderer. Die 70.000
ha Parkfläche sind ein Refugium für seltene Pflanzen und Tiere
wie Elch und Braunbär, Luchs und Dachs und in den Seen (183 km²)
tummeln sich mehr als 30 Fischsorten.
Polack an der westlichen Dwina (Düna)
im Norden gilt als älteste Stadt Weißrusslands. Man erreicht
sie nach abwechslungsreicher Fahrt durch Heide-, Wald- und Seenlandschaften.
Die Stadt war ein Zentrum des Christentums im alten Rus (Reich) und
an jene Zeit erinnern das Kloster der Heiligen Jefrosinija mit der Erlöserkirche
und die mehrfach umgebaute Sophienkirche, die wie die Sophienkirchen
in Novgorod und Kiew nach dem Vorbild der Haghia Sophia in Istanbul
errichtet wurde.
Vicebsk (Witebsk) südöstlich
von Polack ist Weißrusslands drittgrößte Stadt. Sie
empfängt den Besucher mit eintönigen Plattenbauhochhäusern,
dort, wo die Wehrmacht die alten Stadtzüge fast vollständig
zerstört hatte. Einige alte Kirchen wurden renoviert, andere nach
alten Vorbildern neu gebaut. Bekannt ist die Stadt an der Dwina als
Geburtsort des Malers Marc Chagall, als Wirkungsstätte der heute
weltbekannten Künstler der russischen Avangarde, darunter Kazimir
Malevic und El Lisickij. Die Erinnerung an die großen Söhne
der Stadt wird in bescheidenem Rahmen gepflegt.
Durchströmt von der Beresina, liegt westlich von Vicebsk ein bedeutendes
Biosphären-Reservat. Berezinskij wurde
schon 1925 unter Schutz gestellt und überrascht heute auf einer
Fläche von 80.000 ha mit Urwäldern und unberührten Feuchtgebieten.
Auf Wanderungen, Fotosafaris und Bootstouren sind hier Begegnungen mit
Elchen, Bären, Wisenten, Wölfen nicht selten.
Ein besonderes Erlebnis für Naturfreunde ist die Polessje
genannte Niederung im Süden Weißrusslands. Der träge
Pripjat mit seinen vielen Nebenflüssen, die sich oft stauen und
ausgedehnte Sumpfgebiete entstehen lassen, durchzieht diese weite Landschaft,
in deren Zentrum der Pripjatsky-Nationalpark
liegt. Er umfasst 750 km² Waldfläche (Kiefern, Eichen, Buchen),
30 kleinere Seen und viele Sümpfe. Gerade diese verändern
auf faszinierende Weise mehrmals jährlich ihr Aussehen. Im Winter
eine Eisfläche, werden sie im Frühjahr zu einer Seenplatte
und im Sommer zu einer üppigen Graslandschaft. 45 Säugetier-
und 256 Vogelarten sind hier heimisch, darunter Wisent, Luchs, Schwarzstorch,
Kranich. Besuchern werden geführte Exkursionen angeboten.
Deutlich im Kommen sind Jagdtouren für betuchte "Westler"
im Pripjat-Gebiet oder in anderen "hunting grounds". Ob Krasnoselskoye
(56.000 ha, 40 km nördlich von Minsk), auch Teterinskoye
(82.400 ha) im Osten oder Telechansky (83.000
ha) im Bezirk Brest, hier können Weidmänner einer Trophäenjagd
der gehobenen Art frönen - von der Wildente für 10 US-Dollar
über den Wolf (600 Dollar) bis zum Wisent, für den der "glückliche
Schütze" 3.800 Dollar hinblättern darf.
Eckart
Fiene
Adressen
und Links

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Reiseinfos
Klima
Gemäßigt kontinentale Witterung ist vorherrschend. Die Winterkälte
Russlands ist hier eher die Ausnahme wie auch die trockene Sommerhitze
der benachbarten Ukraine. Die durchschnittlichen Jahresniederschläge
von etwa 600 mm fallen überwiegend in den Sommermonaten. Anders als
das unbeständige Frühjahr ist der Herbst meist mild und trocken
und für Reisen durch das Land gut geeignet, aber auch der in der
Regel warme Sommer, wenn man sich auf die Niederschläge einzustellen
versteht.
Naturraum
Weißrussland nimmt den westlichen Teil der Osteuropäischen
Tiefebene ein. Sein Relief weist keine großen Höhenunterschiede
auf. Weites, hügeliges Flachland mit vielen Mooren und Sümpfen
bestimmt seine Landschaft. Lediglich im Norden schließen sich Endmoränen
zu einem Höhenrücken zusammen (Westrussischer Landrücken).
Hier, westlich von Minsk, liegt auch die höchste Erhebung von Belarus,
die Dserschinskaja (346 m). Nach Süden senkt sich das Land allmählich
zur Polessje-Niederung, einem riesigen, bis weit in die Ukraine hineinreichendem
Wald- und Sumpfgebiet mit den berühmten Pripjet-Sümpfen in seinem
Zentrum.
Ein Drittel des weißrussischen Territoriums entfällt auf Wald,
ein Fünftel auf Sumpf- und Moorflächen.
Geld und Preise
Die einheimische Währung heißt Belarus-Rubel (1 BR = 100 Kopeken). Bankautomaten gewährleisten flächendeckend die Versorgung mit Bargeld. Die Akzeptanz gängiger Kreditkarten nimmt zu.
Allein die Hotelpreise fallen ins Gewicht. Ausgaben für Essen, Trinken, Unterhaltung, öffentliche Verkehrsmittel sind dagegen deutlich niedriger als in Deutschland.
Einreise: Deutsche Staatsangehörige benötigen einen Reisepaß und ein Visum. Über die etwas umständlichen Einreiseformalitäten (Visa- und eventuelle Transitvisabeschaffung, Registrierung bei der Ausländerbehörde) informieren die diplomatischen Vertretungen Weißrußlands in Berlin oder Bonn (siehe unter „Adressen und Links“). Zuvor sollte man aber unbedingt die Merkblätter auf den Internetseiten der deutschen Botschaft in Minsk konsultieren (s. Adressen und Links).
Es wird dringend dazu geraten, in jedem Fall die behördlichen Anordnungen peinlichst genau zu befolgen. Ausreichende Mittel für die Finanzierung des Aufenthalts in der Republik Belarus müssen ausländische Staatsangehörige nachweisen können.
Medizinische Versorgung
Sie kann außerhalb der großen Städte problematisch werden. So sollte auf jeden Fall eine gut bestückte Reiseapotheke immer dabei sein. Auch eine Reihe von Impfungen, besonders bei längeren Landaufenthalten, erscheinen ratsam so gegen Tollwut und Typhus und die durch Zecken übertragene Frühjahr-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME) sowie ggf. gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A.
Den Genuß von Leitungswasser sollte man meiden und auf Mineralwasser in Flaschen ausweichen. Der Abschluss einer privaten Auslandsreise - Krankenversicherung mit Rücktransportgarantie ist unbedingt zu empfehlen.
Statistik
Lage:
Im nördlichen Osteuropa. Weißrussland grenzt im Nordwesten
an Litauen und Lettland, im Norden und Osten an die Russische Föderation.
Nachbar im Süden ist die Ukraine, im Westen Polen.
Fläche: 207.595 km²
Staat: Respublíka Belarus (Kurzform:
Belarus). Seit August 1991 unabhängig. Mitglied der GUS. Präsidialrepublik
mit diktatorischen Vollmachten. 2007 war das Jahr 13 unter Präsident Lukaschenka. Belarus ist ein Land zwischen Angst und Agonie.
Hauptstadt: Minsk, 1.7 Mio. Einwohner
Bevölkerung: 9.7 Millionen (2007),
47,4 Einwohner pro km². Mehr als 100 Nationalitäten leben auf
dem Boden Weißrusslands. Der Titularnation rechnen sich 81 % zu,
11 % bezeichnen sich als Russen, 3,9 % als Polen, 2,4 % als Ukrainer und 0,2
% als Juden, andere Nationalitäten 0,9 %. Fallende Geburtenziffern, eine rückläufige Lebenserwartung
und negative Wanderungssalden kennzeichnen die Bevölkerungsentwicklung.
80 % der Weißrussen verstehen sich als russisch-orthodoxe Christen,
11 % gehören der römisch-katholischen Kirche an (besonders in
den westlichen, bis 1939 polnischen Landesteilen). Außerdem gibt
es evangelische, baptistische und griechisch-katholische Gemeinden (Unierte).
Die jüdische Gemeinde verliert durch Auswanderung nach Israel und
in die USA zunehmend an Mitgliedern.
Sprache: Weißrussisch und Russisch
sind offizielle Amtssprachen. Russisch überwiegt als Verkehrs- und
Umgangssprache.
Verkehr: Aufgrund seiner geographischen
Lage hat Weißrussland eine herausragende Bedeutung als Transitland.
In keinem anderen osteuropäischen Land gibt es eine vergleichbare
Dichte an transeuropäischen Kommunikationswegen. Das trifft auf Straße
und Schiene zu, aber auch auf Gas-, Erdöl-, Starkstromleitungen sowie
Glasfaserkabel.
Herausragend die West-Ost-Verbindung Berlin-Warschau-Brest-Minsk-Smolensk-Moskau
und die Nord-Süd-Verbindungen Klaipeda (Memel/Litauen)-Vilnius-Minsk-Ukraine
(Bahn) sowie Kaliningrad (Königsberg)-Vilnius-Minsk-Homel (Autobahn). Allerdings verlagert sich der Straßentransit von Westeuropa nach Russland wegen der langen Zollprozeduren zunehmend auf den Huckepack - Seetransport. Das weißrussische Straßennetz mit guten Hauptverbindungen
(aber vernachlässigten Nebenstraßen) umfasst ca. 63.000 km.
Das Netz der Eisenbahnlinien (Breitspur) ist erst teilweise elektrifiziert
und beträgt ca. 5.500 km.
Wirtschaft: Noch immer hält Weißrußland an dem System einer zentralisierten Lenkungswirtschaft fest. Die ohnehin bescheidenen Ansätze zu marktwirtschaftlichen Reformen wie etwa die Änderung des Steuersystems oder eine Liberalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten, Privatisierungen und der Abbau der Auswüchse staatlicher Reglementierung kommen nicht voran. Veraltete staatliche Betriebe, zumeist hoch subventioniert, dominieren nach wie vor die Wirtschaftsstruktur. Private Unternehmen haben nur einen Anteil von 20 % am Bruttoinlandsprodukt und unterliegen massiven staatlichen Zwängen. Angesichts mangelnder Rechtssicherheit, eines komplizierten Steuersystems, administrativer Hindernisse und willkürlicher Eingriffe schrecken ausländische Unternehmen vor Investitionen zurück. Die starken Wachstumsraten der letzten Jahre geben nach Meinung kundiger Beobachter ein falsches Bild ab. Sie sprechen von „ineffektivem Wirtschaftswachstum“ und „irrationalem Wohlstand“, weil die Umsatzerlöse ganz überwiegend in Lohnerhöhungen abwandern und den Konsum künstlich anheizen, dadurch viel zu wenig investiert werde, sich der Kapitalstock der Unternehmen zunehmend verschlechtere, die Entwicklung moderner Industrien vernachlässigt werde.
Der dominierende Staatssektor war ganz auf die Weiterentwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zu Rußland ausgerichtet. Seit Belarus mit Beginn des Jahres 2007 höhere Preise für Energieimporte aus Rußland zahlen muß, die bis 2011 an die Weltmarktpreise angepaßt werden sollen, sind die Beziehungen zum großen Bruder getrübt und der belarussische Haushalt mit Preissteigerungen in Höhe von 2 Mrd. US-Dollar zusätzlich belastet.
Trotz hervorragend ausgebildeter Facharbeiter und einer gut entwickelten Verarbeitungsindustrie sind nachhaltige Fortschritte im Wirtschaftssektor ohne strukturelle Reformen zur Sicherung und Erhöhung der Wertschöpfungseffektivität und ohne eine Beschneidung der Kontroll- und Eingriffsmechanismen des Staates illusorisch.
Tourismus: Noch spielt der Fremdenverkehr nur eine untergeordnete Rolle. Zwar ist es das Ziel der Regierung, durch Verbesserung der Infrastruktur Besucher ins Land zu holen, doch wird sich bis auf weiteres das Gros der Gäste aus Geschäftsleuten, Beratern und Mitgliedern humanitärer Organisationen zusammensetzen.
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