Mit seinen zigtausenden Krabbeltieren ist der Tisch für Vögel im Watt reich gedeckt. Kein Wunder, daß das Wattenmeer eines der vogelreichsten Gebiete der Erde ist. Im Spätsommer gibt es die größte Zahl von Vögeln im Watt, etwa 100 verschiedene Arten. Sie kommen zum Brüten, Mausern oder Rasten.
Am häufigsten sieht man heimischen Watvögel, Gänse, Enten und Möwen. Charaktervogel des Watts ist der schwarzweißgefiederte Austernfischer mit seinem langen roten Schnabel. Wegen seines Nahrungsreichtums ist das Wattenmeer Drehscheibe des Kontinente umspannenden Vogelzugs, eines der wichtigsten Durchzugs- und Rastgebiete für Gastvögel aus Nordeuropa, Nordasien und Ostkanada. Sie steuern das Watt an, um Energie aufzutanken, z.B. der Knutt, der von Sibirien ganz bis nach Westafrika fliegt. Im Wattenmeer füllt er seine Fettreserven um 70 g auf, gerade genug Treibstoff für die 4 000 km lange Reise vom Wattenmeer in die Überwinterungsgebiete in Guinea-Bissau oder zurück in die Brutgebiete in Sibirien oder Kanada. Das gelingt den Vögeln aber nur, wenn ihnen gute Rastplätze mit ausreichendem, günstigem Nahrungsangebot und ungestörten Ruhezonen zur Verfügung stehen. Nahrungsaufnahme ist Schwerstarbeit. Werden Sie dabei gestört, legen sie nur 50 g auf die Knochen, können sie ihr Ziel schon nicht mehr erreichen oder verlieren ihre Brutfähigkeit.
Die bedeutendsten Säugetiere im Wattenmeer sind die Seehunde, die wegen ihres poussierlichen Aussehens, den Kulleraugen und dem rundlichen Kopf die Lieblinge der Nordseebesucher sind. Auch sie sind bedroht. Es zählt zu den Attraktionen im Wattenmeer, eines dieser süßen, aber scheuen Tiere zu sehen. Damit der Besucher dennoch die Tiere in der freien Natur beobachten kann, ohne sie zu stören, werden in Übereinstimmung mit dem Nationalparkamt einige Seehundbänke von Ausflugsschiffen, z.B. ab Büsum und Husum, angefahren. Vom Schiff aus kann man die Tiere mit dem Fernglas gut beobachten.

Seehundstation Friedrichskoog
Nachdem 1988 bei dem großen Robbensterben im Wattenmeer rund 8 500 Tiere verendet waren, davon allein ca. 5 800 an der schleswig-holsteinischen Küste, haben sich die Populationen inzwischen wieder erholt. Wissenschaftler erkannten damals die Ursache der Seuche in einem Hundestaupevirus. Die eigentliche Wurzel des Übels lag jedoch in der durch die hohen Schadstoffeinleitungen in die Nordsee geschwächten Immunabwehr. Trotzdem werden Schadstoffe und Altöl unvermindert weiter in die Nordsee eingeleitet. Im Sommer 1996 drohte wieder eine Ölpest, als Hunderte Tonnen Öl an die Strände gespült wurden. Kurdirektoren und auch die "Wattenmeerkonferenz", ein Zusammenschluß der Nordseeinseln, der sich für wirksame Schutzmaßnahmen einsetzt, fühlen sich ohnmächtig. So wächst beiseitig bei Naturschützern und Hoteliers die Wut auf Meeresverschmutzer wie auf Politiker.
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