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Fotos:
© Dirk Renckhoff





 

Kurzportrait

Denkt man an Vietnam, so fallen einem meist zuerst die Kriege ein, die Frankreich und Amerika gegen das kleine Land in Südostasien führten. An vielen Stellen sind die Wunden bis heute zu sehen, doch die Vietnamesen selbst blicken optimistisch in die Zukunft und bemühen sich seit rund zehn Jahren intensiv um den Aufbau ihres Landes.



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Auch für Reisende hat sich in dieser Zeit eine Menge geändert. Die Verkehrsverbindungen wurden wesentlich verbessert, Straßen- und Schienennetze ausgebaut, neue Brücken ersparen das stundenlange Warten vor den Flussfähren. Viele Hotels sind neu entstanden oder ansprechend renoviert und auf einen moderneren Einrichtungsstandard gebracht. Die Zahl der für Touristen zugänglichen Sehenswürdigkeiten ist ebenfalls gestiegen, seit jüngstem sind auch die Eintrittspreise weitgehend unter Kontrolle. Bürokratische Hindernisse wurden vielerorts beseitigt oder zumindest reduziert, wenngleich auf diesem Gebiet noch genügend zu tun ist.


Das Land hat die Form eines lang gezogenen S. Es wird auch gerne mit einer der hier weit verbreiteten Tragestangen aus Bambus verglichen, an deren Enden zwei Reiskörbe hängen. Gemeint sind damit die fruchtbaren Reisanbaugebiete des Deltas des Roten Flusses im Norden und des Mekong im Süden. Von Norden nach Süden misst Vietnam mehr als 1700 km, an seiner schmalsten Stelle von Osten nach Westen aber nur 50 km.
Den Norden beherrscht die alte Hauptstadt Hanoi, die im Jahr 1010 gegründet wurde. Orientierungspunkt für Besucher ist immer wieder der Hoan-Kiem-See mit seinen von einer Pagode und einem Tempel gezierten beiden Inseln. Nördlich des Sees liegt die Altstadt, deren schmale, lang gestreckte Häuser teilweise noch aus dem 19. Jh. stammen und die hauptsächlich von Handwerkern bewohnt war. Südlich des Sees breiteten sich die französischen Kolonialherren aus, die von Bäumen und Villen gesäumte lange Alleen schufen. Im Regierungsviertel erleben Besucher vor allem das Erbe des vietnamesischen Revolutionsführers Ho Chi Minh.
In der Umgebung der Stadt kann man einige bedeutende Tempel aufsuchen (Tempel werden in Vietnam meist Pagoden (chua) genannt). Auf einem Tagesausflug erreichbar sind der Chua Thay und der Chua Tay Phuong; mit einer Kahnfahrt und einem längeren Aufstieg verbunden ist der Besuch des Chua Huong, der Duftpagode; die Fahrt zum Chua But Thap kann man mit einem Abstecher zu einigen Handwerkerdörfern verbinden.

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Das fruchtbare Delta des Roten Flusses wird von hohen Bergen umgeben, durch die im Norden auch die Grenze zu China verläuft. Der höchste Berg des Landes, der Phan Si Pan (3143 m), liegt nur wenig südlich der Grenze bei der Marktstadt Sa Pa, die in der jüngsten Zeit unter Touristen stark an Beliebtheit gewonnen hat. Diese kommen wegen des kühlen Bergklimas hierher, mehr aber noch, um die Märkte der Bergvölker mitzuerleben. Die ganze Region wird von den sog. Minderheiten bewohnt, zu denen die ethnischen Viet (kinh) schon immer ein ambivalentes Verhältnis hatten. Aber immerhin dürfen sie jetzt wieder ihre Sprache sprechen und ihre traditionelle Kleidung tragen.


Ein vier- bis fünftägiger Ausflug führt von Hanoi durch das Berggebiet auf die Hochebene an der Grenze zu Laos, in der die Stadt Dien Bien Phu liegt. Hier erlitten die Franzosen im Mai 1954 ihre entscheidende Niederlage im Kolonialkrieg, nach der ihr "Indochina" zusammenbrach. Der Trip über die schlechten Straßen lässt sich nur per Jeep bewältigen, doch Dien Bien Phu mit seinen wenigen Kriegserinnerungen soll bald über ganz neue Wege von Laos aus erreichbar sein.


Die wohl bekannteste und beliebteste Sehenswürdigkeit in Vietnam ist die Halong-Bucht gut 150 km östlich der Hauptstadt Hanoi. Rund 1500 bizarr geformte Kalksteininseln ragen in der weiten Bucht und vor der weiter nördlich gelegenen Küste auf. Immer noch fahren Fischer- und Touristenboote unter den typischen roten Segeln in die Bucht hinaus, und gerne werden die Bootsführer die Legende von dem Drachen erzählen, der diese Bucht geschaffen haben soll. Im südlichen Bereich der Bucht, die als Weltkulturerbe bei der Unesco gelistet ist, liegt die große Insel Cat Ba, die zur Hälfte Naturschutzgebiet ist.
Weiter südlich, und von Hanoi auch leicht zu erreichen, befindet sich die "Trockene Halong-Bucht", eine Gegend, in der ebenfalls schroffe Kalksteinberge, diesmal aber zwischen Reisfeldern und Bambushainen, aufragen. Dort gibt es den Chua Keo und einige andere sehenswerte Pagoden, man kann eine Bootsfahrt zu den Tam Coc ("Drei Höhlen") unternehmen, die alte Hauptstadt Hoa Lu und den interessanten Dom von Phat Diem besichtigen.

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Bibliothek eines Cham-Tempels


Eine der angenehmsten Städte des Landes ist Hue, die Hauptstadt der letzten vietnamesischen Königsdynastie, der Nguyen-Dynastie, die von 1802 bis 1945 herrschte. Sie orientierte sich stark am Konfuzianismus und dem chinesischen Kaiserhof, was bis heute an den verbliebenen oder restaurierten Gebäuden im Palast (der sich auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco befindet) und an den herrlichen Königsgräbern leicht zu erkennen ist. Einige Kilometer westlich der Stadt liegt direkt am "Duftfluss" (Huong Giang) die Thien-Mu-Pagode mit ihrem hohen Turm und alten Pavillons für die buddhistische Trommel und Glocke. Hue ist zudem für seine exzellente Küche berühmt.
Da Nang besaß immer schon einen wichtigen Hafen, doch leider kamen durch diesen nicht nur Freunde ins Land. Auch die französischen Kolonialherren und die amerikanischen Truppen nutzten ihn als erste Anlaufstation. Die Stadt selbst bietet kaum Sehenswürdigkeiten, außer dem Cham-Museum ganz im Süden, in dem hervorragende Zeugnisse der Steinmetzkunst des Volkes der Cham, das vor der Wanderung der Viet nach Süden (11.-17. Jh.) die Mitte des heutigen Vietnam beherrschte, ausgestellt werden. Das bedeutende Tempeltal der Cham war My Son (gut 50 km südwestlich, nach ausgiebigen Regenfällen schwer zu erreichen), das jedoch von amerikanischen Bombenangriffen Mitte der 1960er Jahre stark zerstört wurde.
Einige Kilometer südlich von Da Nang ragen aus einer Ebene fünf einzelne Berge steil auf. Sie sind nach den fünf grundlegenden Elementen der chinesischen Philosophie (Wasser, Erde, Metall, Holz, Feuer) benannt. Einen der Berge kann man über Treppen besteigen; unterwegs sieht man einige kleine Tempel und mehrere Höhlen. In den Dörfern der Umgebung hört man sofort, womit sich ein großer Teil der Bevölkerung beschäftigt: allgemeines Meißeln von Marmor und anderen Steinen, um Figuren und Souvenirs in allen Größen und allen Stadien des Kitsches zu schaffen.


Zwischen Da Nang und den Marmorbergen zieht sich der aus dem amerikanischen Krieg berühmte China Beach hin, auf dem sich die GIs sonnten, wohlbeobachtet von ihren Gegnern. Heute geht es dort sehr ruhig und friedlich zu. An der südlichen Stadtgrenze von Da Nang, zu dem jetzt auch internationale Flüge aus Hongkong und Bangkok verkehren, hat bereits ein hervorragendes Resorthotel eröffnet.
Hoi An war schon im 17. Jh. als Handelshafen bekannt, später siedelten sich dort viele Japaner und Chinesen an. Die Chinesen fühlten sich ihrer Heimat sehr verbunden und errichteten je nach Herkunft einen eigenen Tempel. Mehrere von ihnen sind für Touristen zugänglich wie auch einige der großen Kaufmannshäuser, die zwar eine schmale Fassade haben, sich aber bis zu 60 m von der Straße in die Tiefe hinziehen. Auch Hoi An steht auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco, was angesichts der starken Einflüsse des Tourismus in den letzten Jahren nicht unumstritten ist.

Wenn man von Da Nang nach Süden fährt, kommt man durch das Land der Cham. Von ihrer Kultur, die meist hinduistisch geprägt war, vorübergehend aber auch buddhistisch, blieben einige Cham-Türme erhalten, Tempelanlagen für die Gottkönige, die ganz aus gebrannten Ziegelsteinen errichtet sind.
Viel mehr als der lokale Cham-Turm lockt heutige Besucher bei Phan Thiet der lange Sandstrand, der etwas weiter nördlich, bei Mui Ne, zu hohen Dünen aufgeworfen ist. Zwischen der Stadt Phan Thiet und den Dünen haben sich eine ganze Reihe recht unterschiedlicher Resorts angesiedelt, in denen man etwas Wassersport betreiben oder zu einer Runde Golf aufbrechen kann.
Ebenfalls mit Strandurlaub verbindet sich die Hafenstadt Nha Trang. Eine lange Promenade säumen ältere und neue Hotels, per Boot kann man vorgelagerte Inseln zum Tauchen und Schnorcheln erreichen. In der Stadt lohnen das Ozeanographische Institut und das Pasteur-Institut einen Besuch. Und keineswegs verpassen darf man natürlich den Cham-Tempel Po Nagar.
Mit Pasteur in Verbindung steht die auf einer Hochebene im Landesinnern gelegene Stadt Da Lat, die der französisch-schweizer Forscher Ende des 19. Jhs. "entdeckte" Er regte an, dort eine Siedlung für Europäer zu bauen, damit diese zur Erholung dem tropischen Klima des Südens entfliehen konnten. Und so fühlte sich schon mancher Besucher angesichts der in einem weiten Umfeld verstreuten Villen und Häuser an den Schwarzwald erinnert.

Die Metropole des Südens ist zweifellos Ho-Chi-Minh-Stadt, das aus Saigon und der "Chinesenstadt" Cho Lon besteht. Das erst im 17. Jh. gegründete Saigon wurde stark von den Franzosen, dann von den Amerikanern geprägt; heute ist es gerade dabei, eine eigene moderne Identität zu gewinnen. Schon ragen die ersten Hochhäuser in den Himmel, und schon werden die hier Cyclo genannten Fahrradrikschas von vielen Straßen durch den zunehmenden Autoverkehr verdrängt. Saigon besitzt zwar keine großen touristischen Höhepunkte, doch es gibt einige Tempel zu sehen, Märkte zu erleben und vor allem viele Einkaufsstraßen zu erbummeln. In den Cafés kann man den für asiatische Verhältnisse bemerkenswert guten Kaffee genießen und wie einst zu Zeiten Graham Greenes (so beschrieben in seinem Roman "Der stille Amerikaner") sich in Pose setzen und die Passanten beobachten.
Cho Lon hingegen ist fest in der Hand der chinesischen Händler. Der große Markt hat sich längst in die umliegenden Straßen ausgeweitet. Und in den Tempeln betet man genauso gut zur Thien Hau, der Göttin der Fischer und Seefahrer, wie zu Ong Bon, dem Gott des Wohlstands.


Ein Tagesausflug von Saigon führt zu den Tunneln von Cu Chi, in denen sich zur Zeit des amerikanischen Krieges die lokale Bevölkerung und die Kämpfer des Viet Minh vor den Bomben versteckten. Heute ist alles touristengerecht aufbereitet, bis hin zu einem Schießstand, an dem man sich einmal am Maschinengewehr versuchen kann. Grotesk.
Skurril ist das zweite Ziel des Ausflugs: der Dom der Caodai in Tay Ninh. Diese Sekte entstand in den 1930er Jahren und vermischt die verschiedensten Religionen miteinander. Die Kirche ist schön bunt, und wenn man mittags um 12 Uhr dort ist, kann man einen Gottesdienst miterleben.
Mehrere Tage Zeit sollte man sich für einen Ausflug ins Mekong-Delta nehmen. Die Städte im Delta sind zwar keine besonderen Schönheiten, doch sie sind Ausgangspunkte für Bootsfahrten auf dem gewaltigen Fluss und in die stillen Seitenarme hinein. Man kann Fischzuchtfarmen und Obstplantagen besuchen, köstliche Früchte probieren oder sich über den Schwimmenden Markt von Phung Hiep treiben lassen.

Im Delta sind noch eine ganze Reihe von Khmer-Pagoden zu finden. Da sich die Beziehungen zwischen Vietnam und dem Herzland der Khmer, Kambodscha, weiter verbessert haben, sind auch die Verkehrsverbindungen wieder einfacher. Mit vorhandenem Visum kann der Grenzübergang bei Chau Doc in beiden Richtungen genutzt werden. Auf dem Landweg sind die Straßenverhältnisse auf kambodschanischer Seite noch nicht besonders komfortabel. Auch der Wasserweg auf dem Mekong ist wieder geöffnet, so dass sich die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh auch auf diese bequeme, wenngleich langsame Art erreichen lässt. Mit mehrmaligem Umsteigen kann man heute von Saigon bis nach Siem Reap, der Stadt bei den Ruinen von Angkor im Norden Kambodschas, per Boot reisen.

Die größte Insel Vietnams heißt Phu Quoc und liegt im Golf von Siam vor der kambodschanischen Küste. Sie ist noch ziemlich ursprünglich, entwickelt sich aber in jüngster Zeit zu einem tropischen Stranddomizil für reiche Familien aus Saigon sowie Touristen. Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, aber man kann wandern, Ausflüge in den Urwald unternehmen und Mountainbikes leihen. Vor allem stehen aber die schönen Sandstrände im Vordergrund, und unweit der Insel gibt es die besten Tauchgründe des Landes neben Nha Trang.


Franz-Josef Krücker

Adressen, Links und Bücher

Reiseinfos

Eine einheitliche beste Reisezeit für das gesamte Land gibt es nicht. Der Norden bis zum Wolkenpass zwischen Da Nang und Hue liegt in den Subtropen, der Süden in den Tropen. Zudem spielen die Höhenunterschiede eine Rolle, in den Bergen kann es wesentlich kälter sein, schnell ziehen Unwetter und Nebelfronten auf.
Wegen der Gefahr von Taifunen (tropische Wirbelstürme) sind die Monate August und September am wenigsten für eine Reise geeignet; die Sommermonate Juni und Juli sind ebenfalls sehr heiß und feucht. Im Süden ist das Wetter ab November nicht schlecht, im Dezember und Januar kann man es bei 25 bis 30 Grad und geringerer Luftfeuchtigkeit gut aushalten, danach wird es immer heißer. Im Norden geht die Reisezeit ab Januar los und reicht bis Mai/Juni.

Für die Einreise benötigt man ein gültiges Visum. Man erhält dieses im Heimatland von den diplomatischen Vertretungen und in manchen vietnamesischen Orten auch direkt bei der Einreise. Die Möglichkeiten, Vorschriften und Preise ändern sich derzeit so schnell, dass man rechtzeitig Informationen einholen sollte.

Die ärztliche Versorgung kann nicht immer als ausreichend angesehen werden. In Notfällen wendet man sich zunächst an sein Hotel, das in der Regel einen der westlichen Medizin und Sprache kundigen Arzt auftreiben kann. Bei schweren Fällen sollte man möglichst eine Ausreise nach Hause oder zumindest nach Hongkong, Bangkok oder Singapur anstreben, was weniger in den Fähigkeiten der Ärzte als in der Versorgung mit hygienischen Geräten und wichtigen Medikamenten begründet ist. Alle ständig benötigten Medikamente sollte man in ausreichender Menge mitbringen.
Schutzimpfungen sind nur bei der Einreise aus Gelbfiebergebieten vorgeschrieben. Die oft diskutierte Prophylaxe für Malaria ist ein schwieriges Kapitel, da die Erreger durch die Anwesenheit der Amerikaner gegen fast alle Mittel resistent sind. Kontaktieren Sie rechtzeitig einen in der Region erfahrenen Tropenarzt.

Geld: Die vietnamesische Währung ist der Dong. Er hält sich seit einigen Jahren relativ stabil zum US-Dollar und ist gegenüber den Euro-Währungen entsprechenden Schwankungen unterworfen. Etwa 14.000 Dong entsprechen einem US-Dollar. Unterwegs sollte man neben Dong auch Dollar in bar und in Reiseschecks dabei haben, obwohl man offiziell alle Leistungen auch in Dong bezahlen kann. Vor allem Fluggesellschaften und einzelne Hotels nehmen aber lieber Dollar.
In den internationalen Hotels und teureren Restaurants kann man inzwischen mit Kreditkarte zahlen, wobei American Express und Diner's Club aus historischen Gründen nicht überall akzeptiert werden.

 

Statistik

Einwohner: ca. 79 Mio., relativ stark wachsend

Lage: am südöstlichen Ende des eurasischen Kontinents, im Osten flankiert vom Südchinesischen Meer, im Norden gibt es in den Berggebieten eine Grenze mit China, im Nordwesten mit Laos., im Südwesten mit Kambodscha. Zum Land gehört noch die große Insel Phu Quoc, die vor der kambodschanischen Küste im Golf von Thailand liegt, im Südchinesischen Meer sind die Hoheitsrechte über die Spratly- und die Paracel-Inseln zwischen mehreren Anrainerstaaten umstritten.

Hauptstadt: Hanoi, ca. 4 Mio. Einwohner

Politisches System: Vietnam ist ein sozialistischer Staat unter Vorherrschaft der Kommunistischen Partei (KP). Staatsoberhaupt ist ein Präsident mit mehr repräsentativen Funktionen. Die Regierung mit zahlreichen Ministern führt der Ministerpräsident. Im Parlament sitzen vor allem Abgeordnete der KP und der großen Massenorganisationen wie Gewerkschaften, Veteranen- und Frauenverband, es werden jedoch auch zunehmend einzelne unabhängige Kandidaten zugelassen.
Die KP besitzt einen parallelen Verwaltungsaufbau, der meist die Entscheidungen fällt, die der Regierungsapparat dann ausführt. Allerdings war die Partei nie so orthodox ausgerichtet wie andere Parteien in der Region. Die internen Reformen sind in den letzten Jahren nur sehr langsam vorangegangen.

Wirtschaft: Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam (1975) versuchte die KP zunächst, das Wirtschaftssystem des Nordens auch im Süden zu etablieren. Private Unternehmen wurden verstaatlicht, was vor allem viele chinesische Händler aus dem Land trieb. Doch schon bald stellte sich heraus, dass dies nicht funktionierte und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und einfachen Industrieprodukten nicht mehr sichergestellt werden konnte. Als dann auch noch die auseinanderbrechende Sowjetunion unter Gorbatschow die Hilfe für den Comecon-Partner Vietnam einstellte, war die Notwendigkeit von Wirtschaftsreformen unausweichlich. So beschloss die KP 1986 die Politik des "Doi Moi", die Reprivatisierung von Teilen der Landwirtschaft und der Kleinindustrie. Zudem wurden ausländische Investitionen zugelassen.
Seitdem läuft die Entwicklung ziemlich ungleichmäßig. Einige Joint-venture-Betriebe sind recht erfolgreich (die meisten Schuhe, auf denen "Made in Italy" steht, kommen aus Vietnam), andere krebsen vor sich hin. Im Süden ging die Privatisierung weiter als im Norden, in den Städten ist der Wohlstand schneller gewachsen als in den meisten Gebieten auf dem Land (Ausnahmen sind etwa die auf den Export ausgerichteten Fischzuchtfarmen im Mekong). So ziehen allerdings die Städte immer mehr Menschen an, was wiederum zu Schwierigkeiten in der Wohnsituation und der Versorgung führt.
Hauptproblem sind weiterhin die überbordende Bürokratie und die dort weit verbreitete Korruption. So liegt z.B. die allseits bemängelte Unzuverlässigkeit von Produzenten nicht immer in den Fabriken begründet, sondern oft einfach beim Zoll.

Tourismus: Die Zahlen der letzten Jahre schwanken zwischen 1,5 und 2 Mio. Besucher, wobei zwischen Geschäftsleuten und Touristen nicht zuverlässig unterschieden werden kann. Etwa ein Drittel der Besucher kommt aus China.