Die Drachen aus der Tiefe
Wasserpuppenspiel in Vietnams Hauptstadt Hanoi
Text:
Franz-Josef Krücker
Fotos: Dirk
Trommeln und Gongs erreichen einen grandiosen Höhepunkt, Knallfrösche fliegen durch die Luft, Nebelwände steigen auf - endlich erheben sich die Drachen aus dem Wasser. Sie haben Rauchkerzen zwischen den Zähnen, schwingen die Körper hin und her und durchpflügen mit ihren Schwänzen das trübe Naß. Als die Rauchkerzen ausgebrannt sind, tauchen die Drachen mit ihren Köpfen ins Wasser, wenden sich Richtung Publikum, entsteigen wieder den Fluten und spritzen einen langen Strahl in den Zuschauerraum. Die Kinder in der ersten Reihe jauchzen vor Freude.

Das
Wasserpuppenspiel ist in Hanoi wieder beliebt geworden, nachdem man
ihm lange als "feudalistische Belustigung" skeptisch gegenüber
gestanden hatte. Seine Wurzeln sind nicht mehr genau zu ergründen, vermutlich
reichen sie bis nach Indien. Darauf
weisen auch Vergleiche mit dem indonesischen Schattenspiel hin, das
seine Inspiration aus dieser Quelle bezog. Doch das alles ist schon
sehr lange her, denn chinesische Besucher berichteten, daß sich das
Puppenspiel wohl schon im 11. Jahrhundert des Wohlwollens des Herrscherhofes
erfreute.
Im 17. und 18. Jahrhundert verband sich das Spiel mit den stabgeführten Puppen vor allem mit den Tempelfesten, bei denen es zur Erbauung und Belustigung der zahlreichen Besucher aufgeführt wurde. Besondere Berühmtheit erlangten damals die Thay-Pagode außerhalb Hanois und die Giong-Pagode in der Provinz Ha Bac. Sie besaßen Teiche mit einem kleinen Tempel für den Schutzgeist der Puppenspieler, von denen aus die Puppen geführt wurden. Die Spieler waren in Gilden unter Vorsitz eines Meisters organisiert, der die Stoffe und Texte weitergab. Auch die bis zu 70 Zentimeter großen Puppen durften nur von erfahrenen Handwerkern geschnitzt werden. Themen waren historische Parabeln, Löwen- und Drachentänze, die Beschreibung des Lebens auf dem Lande.
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