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Abu Dhabi am Abend, Foto: Pixabay

Vereinigte Arabische Emirate im Überblick

„Wir müssen unser Weltbild ändern! Im heißen Wüstensand der Emirate wird ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben.“
Was wie eine stürmische Huldigung klingt, verrät doch leichtes Erschrecken. So empfinden viele Reisende, die am Golf bei den Schrittmachern der arabischen Welt zu Gast waren und nun in ihr deutsches Jammertal zurückkehren.

Vereinigte Arabische Emirate

Dubai Creek
Foto: © Emirates Airline

Der atemberaubende Aufstieg der Emirate, allen voran Dubai und Abu Dhabi, versetzt so manchen Europäer in die melancholische Stimmung eines, der sich eingestehen muß, den Anschluß verloren zu haben. Den Zug der Zeit verpaßt zu haben, der jetzt am Arabischen Golf dahinrast – diese Erfahrung müssen vor allem traditionsreiche arabische Metropolen wie Beirut, Kairo und Damaskus machen. Der Aufstieg der Scheichtümer beschleunigt ihren Abstieg.

Reisen in die Emirate hinterlassen zwiespältige Eindrücke. Man denke nur an die urbanen Zentren mit ihren extravaganten Bauprojekten, regelrechten Wunderwelten, fulminanten Stadtlandschaften mit hypermodernen Businesspalästen und Shoppinggalerien, First-Class-Gastronomie und futuristischen Hotels, wo sich`s im angenehmen Winterklima gut leben läßt und, gemessen an anderen islamischen Staaten, ein liberaler Geist herrscht, Europäerinnen sich frei und ohne aufgezwungene Kleiderordnung bewegen können und selbst Alkohol ausgeschenkt wird – nur im Emirat Sharjah ist kein Tropfen aufzutreiben. Und jenseits der Glitzerpaläste die Kehrseite: Die stille Weite der Wüste, wo der „arabische Traum“ in Erfüllung geht und das Abenteuer lockt, wo die bizarre Hajar-Berglandschaft in den Himmel ragt, in deren Schatten sich ein verwirrendes Nebeneinander von Emirat-Exklaven und -Enklaven wie ein territorialer Flickenteppich hinzieht, palmenbestandene Oasen die Unwirtlichkeit mildern und die Sandstrände bis zum Horizont reichen.
Beginnen wir unsere Rundreise im Süden, im Emirat . Einen Großteil seines Territoriums bedeckt die riesige, sinnigerweise „Leeres Viertel“ genannte Arabische Sandwüste Rub al-Khali. Unter seinem dünenbestückten Sandmeer verbirgt sich der größte Schatz des Landes. Man spricht von zehn Prozent der bekannten Weltölvorkommen und den weltweit viertgrößten Erdgaslagern.

Abu Dhabi

Während man dem benachbarten Dubai beim Wachsen förmlich zusehen kann, achtet Abu Dhabi auf die Bewahrung seiner Geschichte und setzt nicht bedingungslos auf Fortschritt – so jedenfalls lautete die Maxime bis im Sommer 2005 “Emirates Palace“ seine Pforten öffnete und Abu Dhabi mit einem Paukenschlag seinen Einstieg in das lukrative Tourismusgeschäft feierte. Vorausgegangen war die Gründung einer Tourismusbehörde, eigener Hotelketten und der Fluglinie „Etihad“. Der „Palast der Emirate“ in Abu Dhabi City ist schon jetzt das Wahrzeichen des Emirats, ein gigantischer Bau mit landestypischen Architekturelementen, der als Regierungsgästehaus, Kongreßzentrum, Hotel und Touristenattraktion Furore machen wird. Allein seine schiere Größe übersteigt jedes Vorstellungsvermögen, ganz zu schweigen von seiner kostbaren Ausstattung, die in Gold, Marmor, Kristall, Edelhölzern und ausgefallener Technik schwelgt.


Aus einem winzigen Nest mit einem Fort und einfachen Palmholzhütten entwickelte sich Abu Dhabi mit dem Ölboom seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in rasendem Tempo zu einem glanzvollen Zeugnis des neuen Reichtums, zu einer modernen, weitläufig angelegten Metropole, deren beeindruckende Skyline aus bis zu vierzigstöckigen, spiegelverglasten Hochhäusern sich nicht hinter Dubai verstecken muß. Wer erfahren will, wie die Bewohner dieser ursprünglich flachen Sandinsel, die man mit dem Festland durch Brücken verband, früher lebten, dem werden im „Heritage Village“ Vergangenheit und dramatischer Wandel anschaulich vermittelt. Doch die größten Attraktionen des Emirats liegen weit außerhalb der Stadt. Dazu zählt ein Ausflug zu den Liwa-Oasen, einer der größten natürlichen Oasenlandschaften der arabischen Halbinsel, traditionelles Siedlungsgebiet des Beduinenstamms der Bani Yas. Seine Fruchtbarkeit bezieht es aus dem bis nahe an die Oberfläche tretenden Grundwasser. Sanddünenfelder, die Höhen von über 100 m erreichen, umgeben die Oase und laden zu abenteuerlichen Kameltouren ein und wohlorganisierte Campinglager versprechen hautnahes Wüstenerlebnis. Die Oase Al-Ain ist ein anderer Höhepunkt. Sie liegt im Osten des Emirats, an der Grenze zu Oman. Zu Recht nennt man die fruchtbarste Region des Landes und einst bedeutenden Karawanenstützpunkt an der Route nach Oman „Gartenstadt“. Auch wenn das traditionelle Bewässerungssystem schon lange nicht mehr ausreicht und Süßwasser aus küstennahen Meerwasserentsalzungsanlagen in die langsam austrocknende Oase geleitet werden muß, gedeihen hier Zehntausende von Dattelpalmen, arbeiten erfolgreich Versuchsfarmen, gibt es Parks und Gärten. Und der Ort boomt. Längst ist aus dem kleinen Oasendorf eine Stadt geworden mit Universität, Museen und Zoo und liebevoll gepflegten Relikten der Vergangenheit, darunter Forts, Türme, prähistorische Grabstätten. Nicht zu vergessen der Kamelmarkt, der letzte seiner Art im Emirat, und wer Oasenlandschaft, Wüste und Wadis bis weit in den Oman hinein aus der Vogelperspektive genießen möchte, fährt die kurvenreiche Bergstraße zum nahen Jebel Hafeet hinauf, dem höchsten Gipfel der VAE (1.340 m).

Vereinigte Arabische Emirate

Sheik-Zayed Road (Dubai)
Foto: © Emirates Airline

Dubai

„Boomtown“ ist eigentlich eine Untertreibung. Was hier an spektakulären Projekten aus dem Boden gestampft wird, erregt inzwischen weltweites Aufsehen. Dabei geben sich die Emiratis ganz „cool“: Sie verfolgen eben, so wiegeln sie ab, nur zielstrebig und risikobereit ihr Ziel, Dubai (Emirat und gleichnamige Hauptstadt) zum nahöstlichen Dienstleistungs- und auszubauen. Wie ein Symbol ihrer unbändigen Schaffenskraft erscheint dem Betrachter der Burj al Arab, das einem geblähten Segel nachempfundene und mit 321 m höchste Hotel der Welt. Die weltweit einzige Sieben-Sterne-Herberge war der Einstieg Dubais in die Champions League der Weltenbauer. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Scheich Rachid bin Said al-Maktum, der erfindungsreiche Förderer des Höhenflugs, gab den Startschuß zum Bau der Palmeninsel Palm Jumeirah. Der Silhouette einer Dattelpalme gleich, wurde die künstliche Insel mit komfortablen Quartieren versehen, die im Handumdrehen Abnehmer fanden, so daß zwei weitere Palmeninseln in Auftrag gegeben wurden (Palm Jebel Ali und Palm Deira), mit bis zu 14 km Länge und über 8 km Durchmesser größer als die erstgebaute und wie diese mit Tausenden von Villen und Wohnungen und kilometerlangen Stränden ausgestattet.

Skyline von Dubai, Foto: Pixabay

Skyline von Dubai (Foto: Pixabay)

Unter dem Dach einer Riesenhalle kann man bei 40 Grad Außentemperatur Ski laufen und im „Hydropolis“, dem ersten Unterwasserhotel der Welt, Quartier nehmen. Derweil wurde der erste Spatenstich zum Bau des größten Freizeitparks der Welt getan. Dubailand auf 200 Mio. Quadratmetern wird doppelt so groß sein wie Disneyland in Florida und in naher Zukunft täglich 200.000 Besucher empfangen.
Und draußen, vor den siebzehn mit Villen und Hotels bebauten Palmwedeln von „Palm Jumeirah“ entsteht mit „The Dive Experience“ ein orientalisches Unterwassermärchen, das als weltgrößter von Menschenhand geformter „Tauchpark“ Repliken der bekanntesten Tauchreviere der Weltmeere zu einem Vergnügungspark am Meeresboden vereinen wird. The World, eine Gruppe von 300 künstlichen Inseln, die sich aus der Vogelperspektive zu einer Weltkarte formen, wird schlicht als „achtes Weltwunder“ bezeichnet und als neuntes gilt Dubai Waterfront, eine künstliche Insel in Sichelform, auf der in naher Zukunft 750.000 Menschen leben werden. Und mit dem 800 m hohen Burj Dubai gibt es Weltwunder Nr. 10 zu bestaunen, der Welt höchstes Gebäude.

Zum Atemholen nach Sharjah! Hier gehen die Uhren langsamer. Zwar boomt die Industrie und die Hauptstadt spart auch nicht mit Wolkenkratzern, doch das Entwicklungstempo ist gemächlicher, Traditionen werden hochgehalten. So ist Sharjah auch das Sittenstrengste der Emirate mit eigens für Touristen entworfenen verbindlichen Anstandsregeln. 1998 hat die UNESCO dieses Emirat in Anerkennung seiner Verdienste um die gewissenhafte Pflege des reichen kulturellen Erbes zur „Kulturhauptstadt der Arabischen Welt“ ernannt. Das hier anzutreffende Engagement für Kunst, Kultur und die Erhaltung historischer Stätten ist in der Tat beeindruckend und findet seinen Ausdruck in den mehr als zwanzig Museen, den Kunstgalerien und hervorragend restaurierten kulturhistorischen Örtlichkeiten.
Für Stadtbummler ist die City von Sharjah genau das richtige! Die Suqs warten schon, darunter der traditionelle Sharjah-Suq mit einem atemberaubenden Angebot an Gold, Schmuck und anderen Kostbarkeiten oder Sharjahs alter Markt Suq al-Arsah, der Antiquitäten anbietet, schließlich der im neoislamischen Stil erbaute und dekorierte Suq al-Markazi, das Wahrzeichen des Emirats, wo nicht weniger als 600 Geschäfte auf Käufer warten. Um mehr vom Land zu sehen, sollten Abenteuerlustige die pittoresken Hajar-Berge überqueren und hinunter in die am Golf von Oman auf einem spektakulären Küstenstreifen gelegenen Exklaven Sharjahs fahren.

Cargo

(Foto: Pixabay)

Ajman

Vergleichsweise ruhig und beschaulich gibt sich das kleinste Scheichtum der Föderation. Umgeben vom Territorium des zehn Mal größeren Emirats Sharjah, liegt sein Hauptgebiet an der alten „Piratenküste“, die winzige Exklave Manama, eine Dattelpalmenoase, an der Westabdachung der Djabal al-Akhdar-Berge und das dritte Besitztum, Masfut, in der schönen Landschaft der Hajar-Berge. In Ajman sprudeln keine Ölquellen, so bemüht man sich um die Ansiedlung von Industriebetrieben, doch herkömmlicher Fischfang und Bootsbau haben nichts an Bedeutung eingebüßt. Der Bau des ersten Kempinski-Hotels der Arabischen Halbinsel signalisiert den Einstieg des kleinen Emirats in das Tourismusgeschäft. Sehenswert ist in der gleichnamigen Hauptstadt die Dhau-Werft gegenüber dem Hafen, wo man die Entstehung dieses traditionsreichen Bootstyps in jeder Phase mitverfolgen kann. Und das im alten Naim-Fort eingerichtete volkskundliche Museum vermittelt einen Einblick in das Familienleben und die Arbeitswelt der Handwerker und Kaufleute vergangener Zeiten.

Umm Al-Qaiwain

Auch das nördlich von Sharjah gelegene zweitkleinste und bevölkerungsärmste Emirat der Föderation öffnet sich dem Tourismus. „Dreamland“, der Welt größter Aquapark soll hier entstehen. Noch aber sind seine kilometerlangen Sandstrände unverbaut und die Mehrheit der Bevölkerung geht wie schon ihre Vorfahren dem Fischfang an der Küste nach oder kultiviert Datteln, betreibt Viehwirtschaft und in begünstigten Lagen Ackerbau. Falaj al-Muallah heißt das bedeutendste landwirtschaftliche Zentrum des Scheichtums rund 50 km südöstlich der Hauptstadt, die von hier über eine Pipeline mit Wasser versorgt wird. Umm al-Quaiwain, wie auch die Kapitale heißt, liegt auf einer flachen, 12 km langen Landzunge vor der Küste. Die kleinen Inseln, Sandbänke und Lagunen in der Umgebung sind ein Paradies für Seevögel. Vielleicht 25.000 Einwohner beherbergt die Stadt, die noch einige alte Häuser im traditionellen Stil und ein aus Korallengestein und Lehmziegeln errichtetes Fort bewahren konnte. Zu einem Museum umgewidmet, erfährt man jetzt in den alten Mauern viel über die Geschichte, die Archäologie und die Alltagskultur des kleinen Emirats.

Ras Al-Khaimah

Das nördlichste der Arabischen Emirate überrascht durch seine landschaftliche Vielfalt und eine hier kaum vermutete Fruchtbarkeit. Man stößt auf weite Strände, erlebt farbenprächtige Sanddünen und im bizarren Bergland herrscht ein fast frisches Klima – eigentlich ideale Voraussetzungen für den Tourismus, doch der will nicht so recht Fuß fassen. Landwirtschaft dominiert nach wie vor, wo Gebirgsbäche und Niederschlag günstige Bedingungen schaffen. Die reichen Überschüsse aus dem Anbau von Getreide, Obst und Gemüse wandern auf die Märkte überall in den Emiraten. Fischerei ist ein anderer Erwerbszweig und auch einige Industriebetriebe haben sich angesiedelt. Ras al-Kaimah-City, die kleine, überschaubare Hauptstadt des Scheichtums, hieß früher Julfar und war ein berüchtigtes Piratennest bis die Briten 1819 die Flotte versenkten und die Festungsanlagen zerstörten, was dem alten Stadtbild nicht guttat. Im eher traditionellen Viertel locken die Auslagen der Suqs und das alte Fort aus dem 19. Jahrhundert mit dem sehenswerten Nationalmuseum, das die Geschichte der Region lebendig werden läßt. Im Nakheel-Quartier auf der rechten Seite des „Al-Khor“ genannten Meeresarms, der die Stadt in zwei Teile trennt, entstanden moderne Wohn- und Geschäftszeilen.

Fujairah und der Osten

Das siebte in der Kette der Emirate liegt am Golf von Oman. Es ist das einzige Scheichtum ohne Zugang zur „Piratenküste“ am Arabischen Golf. Dank schöner Strände und hinreißender Gebirgszüge, einer fruchtbaren Küstenebene und vieler kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten hat sich in jüngster Zeit der Tourismus fest etabliert. Die Infrastruktur ist gut: Hotels aller Kategorien haben sich angesiedelt, internationale Linien fliegen den östlichen Landesteil an, schnelle Autobahnverbindungen führen in die anderen Emirate. Im Mittelpunkt des touristischen Interesses steht die feinsandige Küstenebene, die „Batinah“, die sich aus dem Oman bis in die Fujairah-Region erstreckt und nicht nur den Hotels viel Raum läßt, auch Dattelpalmen und Feigen gedeihen hier und romantische Lehmsteinburgen, frühere Herrschersitze, bewachen das Gebiet. Fujairah-City ist eine großzügig angelegte, moderne Stadt mit breiten Avenuen und Hochhäusern, einem Altstadtviertel, das sich um eine sehenswerte Burg aus dem 17. Jahrhundert gruppiert. Wenige Kilometer südwestlich der Stadt erhebt sich ein früherer Regierungssitz, die tonfarbene Al-Heil-Burg, aus der verdorrten Erde und weit im Norden des Scheichtums lohnt ein Besuch der Al-Bidiyah-Moschee. Das gedrungene, schneeweiße Bauwerk stammt aus der Zeit um 1600. Es gilt als ältester Sakralbau in den Emiraten. Ausflüge in das pittoreske Hajar-Gebirge, hinab in die oft üppig bewachsenen Wadis, zu den Al-Wurrayah-Wasserfällen oder hinauf zum kleinen, bei den Emiratis wegen seiner „kühlen“ Sommertemperaturen so beliebten Dörfchen Hatta in 1000 m Höhe, zählen zu den Höhepunkten einer Rundreise durch den östlichen Landesteil. Dabei wird man häufig, ohne es zu merken, die Exklaven anderer Emirate berühren, beispielsweise bei einer Fahrt nach Khor Fakkan, einem wichtigen Hafen wie schon vor Zeiten, als von hier der Dhau-Handel nach Afrika und Asien seinen Ausgang nahm, oder bei einem Besuch der Oase Dibba, die zu je einem Drittel zu Fujairah, Sharjah und zum Sultanat Oman gehört.

Eckart Fiene

 

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