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Dünne Luft auf der höchsten Paßstraße Venezuelas,
die meist im Nebel liegt

Anden2.jpg (21469 Byte)
Auf dem höchsten Paß, dem Pico el Aguila, wird in über
4000 Metern Höhe die Luft dünn und die Vegetation spärlich.
Die Pflanzen speichern den feuchten Nebel durch ihre
vielen kleinen Haare an den Blättern

In unerwarteter Schnelligkeit ist der Schaden an unserem Fahrzeug behoben, und wir streben im zweiten Anlauf dem Pico el Aguila, dem höchsten Paß Venezuelas, entgegen - 4007 Meter sind unser Ziel. Höher als alle Gipfel Österreichs und in der Schweiz - dort wäre diese Höhe nur mit Eispickel und Bergführer zu erklimmen. Kalt wird es jetzt im Wagen, die Heizung funktioniert nicht und der prophezeite Nebel schlägt sich auf den Scheiben nieder. Die Landschaft wird immer rauher. Wir haben die Páramos erreicht, eine Vegetationszone, die nur in den Hochgebirgsregionen der Tropen anzutreffen ist, wo zwischen Tag und Nacht große Temperaturunterschiede herrschen. Auf den pelzigen Blättern der Frailejones-Espeltien, der Schopfbäume, hat der Nebel Tropfen gebildet. Die karge Berglandschaft ist übersät mit diesen eigenartigen Pflanzen, von denen einige in einem wunderschönen Gelb blühen. Jeder Schritt fällt uns schwer, als wir auf der Paßhöhe den Wagen verlassen und die wenigen Meter zum Denkmal mit dem Bronzeadler hochschleichen. Auch hier wieder Simon Bolivar, der 1813 an dieser Stelle die Anden überschritt, als er von Kolumbien nach Merida unterwegs war. Wir flüchten vor dem eisigen Wind in das Gipfelrestaurant, bestellen Kaffee mit heimischem Rum und wärmen uns die Finger daran. Der dichte Nebel versperrt uns ohnehin die erwartete Sicht. "...die besten Chancen, einen der faszinierenden Ausblicke zu genießen, besteht am frühen Morgen..." so steht es in unserem Reiseführer geschrieben. In der Hoffnung, daß der Schreiber gründlich recherchiert hat, beschließen wir eine Übernachtung in diesen himmlischen Höhen. So bleibt uns Zeit, die Pferde für einen Ausritt durch diese bizarre Nebellandschaft zur Laguna Negra zu satteln. Besser gesagt, wir lassen satteln, denn die Indios, die an der Straße ihre Pferde für den zweistündigen Ausflug anbieten, haben damit wesentlich mehr Erfahrung.

Nach dem Genuß schmackhafter Bergforellen und einigen Bieren lassen wir den Tag in dünner Luft ausklingen.
Am nächsten Morgen werden unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Bis auf 4118 Metern haben wir uns auf einer Nebenstraße vom stockenden Motor hinauffahren lassen, weiter geht es nun wirklich nur noch zu Fuß, und das fällt uns auch heute nach der kurzen Akklimatisierung schwer. Der großartige Blick reicht von der Paßstraße bis nahe zur Küste, wo weit entfernt in der Ebene der Lago de Maracaibo zu ahnen ist.

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