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Karg und unwirtlich zeigt sich die Páramos

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In Merida treffen sich die Individualtouristen. Die angebotenen
Aktivitäten reichen von Moutainbiketouren bis hin zu
Gleitschirmfliegen im Tandem

Am Abend bekommen wir in unserer Unterkunft, der Posada Alemania, die von einem Schwaben geleitet wird und zum Insidertreff geworden ist, für unsere Tour durch die Anden noch einige wertvolle Tips. Auf der kurvenreichen Transanden-Route durchfahren wir bald die verschiedensten Klimazonen. In 3000 Metern Höhe dann die Baumgrenze, die Hänge werden karg, die Verkaufsstände der Indios mit bunten Teppichen, Körben und Kunsthandwerk sind kleinen Blechhütten gewichen, die Kinder am Straßenrand tragen warme Jacken, spielen mit Blechautos oder schießen mit ihren Plastikrevolvern auf uns. Wie in der Steinzeit ziehen Ochsen einen einfachen Holzflug über das Feld. Nebenan klauben Indios Kartoffeln auf. In dieser kargen Region ist das Pferd wichtigstes Transportmittel. Die Tiere sind an die dünne Luft gewöhnt, nicht aber unser Wagen, der immer schwerfälliger den Berg hinauf tuckert. Auch uns macht die Höhenluft zu schaffen, obwohl wir nur im Jeep sitzen. Kaum auszumalen, wie anstrengend eine Bergtour mit schwerem Rucksack fallen würde! Im Hochtal des Rio Chama liegt malerisch das Andendorf Mucuchies. Vor der Kirche der großen Plaza Bolivar dann die lang ersehnte Telefonzelle. Nicht um die Lieben daheim anzurufen, sondern die Autovermietung, denn seit einer Stunde schon schleichen wir ausschließlich im zweiten Gang über die Paßstraße, weil das Getriebe blockiert. Für die Zwangspause hätten wir uns keinen schöneren Ort auswählen können als Mucuchies. Die niedrigen Häuser entlang der Hauptstraße sind mit knalligen Farben bemalt, blau, gelb, orange - jedes anders. Von Wind und Sonne gezeichnete Indios verkaufen auf dem Bordstein schneeweiße Hemden, Sonnenbrillen und Büstenhalter - mehr ein geselliges Ereignis am Sonntag als ein Geschäft. Hier gehen die Uhren noch anders, man hat viel Zeit für ein Schwätzchen, für einen Eisdrink im Laden nebenan. Aus der Barockkirche dringen monotone Gesänge heraus. Ein ungewöhnliches Bild bietet sich uns in der letzten Reihe des Gotteshauses, wo der Colt gleich neben dem Strohhut auf der Bank liegt und ein zahnloser Alter im leicht schmuddeligen Anzug ein Gebet herunterleiert.

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