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Rote Rosen, roter Mohn - und dahinter schimmert in mattem Gelb die Perle des Islam, das Samaniden-Mausoleum in Buchara. Erbaut um die vorletzte Jahrtausendwende ist es eines der wenigen Gebäude, die den Ansturm Dschingis Khans im 12. Jahrhundert überdauert haben. Ein Kubus aus ungebrannten Ziegeln, die zu Kreisen, Gittern, Spitzbögen oder Rauten geformt sind. Perfekte Proportionen, vier ungeheuer plastische Fassaden, deren Farbe im Lauf des Tages nacheinander ins Beige, Rötliche, Blaue spielt - es ist einfach nur schön. In einer Nische davor brennen Kerzen. Der Feuergott vertreibt böse Geister, also sprach Zarathustra. Der Prophet stammt weitläufig aus der Region und gilt immer noch ein wenig im eigenen Land.

Usbekistan Seidenstraße timurTimur schreitet voran, kraftvollen Schrittes, acht Meter hoch, in wehendem Mantel. Golden leuchtet er vor den Ruinentrümmern des von ihm erbauten Weißen Palastes in seiner Geburtststadt Sharisabz (Foto rechts). Amir Timur, Tamerlan, Timur Lenk, der Lahme wird seit ein paar Jahren zum Nationalhelden zurechtgebürstet. Während der Sowjetzeit galt er als Usurpator, der im 14. Jahrhundert ein Reich von Indien bis zum Mittelmeer zusammenraubte und bei seinen Beutezügen schon mal eine Pyramide aus Schädeln der Besiegten errichten ließ. Aus heutiger Sicht strahlt er als der große Reformator, der Bauherr prächtiger Moscheen, der Förderer des Handels und der Kultur. Vor allem aber als Stammvater der Nation, der es verstand, den Laden zusammenzuhalten. Usbekistan braucht einen, der den Laden zusammenhält, ist die Botschaft. Lenin übrigens, der in Sharizabs zuvor Timurs Stelle eingenommen hatte, ist verschwunden. Spurlos, war ja nur aus Gips. Auch Timur, der Goldene, ist nur aus Gips, vernünftigerweise.

Es gibt Samarkand wirklich. Es ist nicht nur ein Versatzstück aus Goethes "West-östlichem Diwan" oder ein Mythos aus 1001er Nacht. Sondern eine Stadt mit breiten Straßen, über denen abends bunte Lichter in Form von Ranken oder Blumen leuchten und einem grünen Boulevard mit mächtigen Bäumen. Frösche quaken, vor einer Teestube blinzelt ein angeketteter Geier müde ins Licht.

Usbekistan Seidenstraße Friedhof in Khorezme
Der Friedhof in Khorezme

"Decoration" sagt der junge Mann, der die Fremden gern ein wenig herumführen würde und hinterher weder Trinkgeld noch die Einladung zum "Baltica"-Bier annimmt. Im Biergarten "Prag" donnert eine CD mit amerikanischen Weihnachtsliedern aus den Boxen und Semena, die zurückhaltende Kellnerein amüsiert sich köstlich, als sie hört, welches Ereignis "Stille Nacht" beschwört.






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