Reisemagazin schwarzaufweiss

War bisher in jedem Nationalpark ein Campingplatz zu finden, so haben wir im Petrified Forest unmittelbar an der Interstate 40 Pech. Doch schon wenige Ausfahrten weiter treffen wir auf einen KOA-RV-Park der sogar mit einem Swimmingpool aufwarten kann.

Kaum daß wir den Petrified Forest Nationalpark erreicht haben begegnen wir auf Schritt und Tritt den versteinerten Baumstämmen. Als wären sie gerade gefällt worden, liegen die uralten Fossile in der leicht welligen Graslandschaft. "200 Millionen Jahre sind die versteinerten Bäume alt" erzählt uns die Rangerin auf unserem kurzen Rundgang beim Visitercenter. "Damals war dies ein Sumpfgebiet mit Seen, Flüssen und tropischen Temperaturen. Gewaltige Wasserströme haben diese riesigen Bäume entwurzelt und Vulkanasche, die in großen Mengen vom heutigen Californien hier her geweht wurde, hat die Bäume luftdicht abgeschlossen". Klärt sie uns auf. Auch auf die Frage wieso es zu den Versteinerungen kommen konnte hat die resolute Dame eine Antwort: "Das in der Asche enthaltene Silizium drang im Laufe der Jahrhunderte mit dem Wasser in die Bäume ein, so daß sie langsam zu Stein wurden. Erdhebungen brachten die fossilen Baumstämme schließlich an die Oberfläche". Auf der Runde durch den Park folgt ein Aussichtspunkt dem anderen. Die Kinder reagieren bei jedem Stop genervter: "schon wieder diese alten Bäume" brummeln sie auf der Rückbank und lauschen wieder gespannt der Hörspielkassette zu.

Schneller als die Polizei erlaubt

Auch unser nächstes Ziel, die alte Siedlung der Hopi Indianer im Norden Arizonas kann die Kinder nur wenig begeistern. Der Weg dorthin ist von einer faszinierenden Weite geprägt. Der schnurgerade Highway 77 zieht sich darin wie eine Linie durch die karge Prärie. Hier und da ragen steile »Mesas« aus der Ebene auf - Tafelberge, die ockerfarben in der Abendsonne schimmern. Das Gebiet gehört heute zum Navajo-Reservat, wie uns ein Schild am Straßenrand signalisiert. Wir fahren auf der menschenleeren Straße und stellen uns vor, wie hier einst die Indianer auf ihren Ponys durchgeritten sind. Während laut die Blues Brothers die Langeweile übertönen bemerkt Christiane plötzlich im Rückspiegel ein weißes Auto, daß mit Blaulicht auf uns zu rast. "Gilt das wohl uns?" schaut sie fragend um sich und wirft einen flüchtigen Blick auf den Tacho "Schei...- ich war zu schnell!" Wenige Minuten später steht der Sheriff neben uns. "Mme, sie sind 78 Meilen pro Stunde gefahren, ihren Führerschein bitte!" Christiane stockt der Atem. 65 waren erlaubt, daß kann teuer werden. Der dunkelhäutige Navajo fordert sie auf sich das Meßgerät in seinem Wagen anzuschauen – leugnen ist also zwecklos. Das Formblatt füllt er mit Routine aus. "Die $128 fine können Sie bei der Post überweisen" sagt er knapp und drückt ihr zu dem Ticket den adressierten Umschlag in die Hand. Hoffentlich kommt das Geld auch den Indianern hier zu Gute denkt sich Christiane und versucht sich damit zu trösten.

Ich wollte es nicht glauben, doch es gibt sie noch, die alte Trading Post. Das Unikum finden wir am Rande von Ganado, einem winzigen Ort am Highway 264. Wie seit 1876 kommen die Navajo zur Hubbell Trading Post mit einem Webteppich, handgearbeitetem Silberschmuck oder einer geschnitzten Kachina und versuchen dafür einen guten Preis zu erzielen. Bis zu 40 Angestellte hatte der Kaufmann Hubbell, darunter ein Bäcker aus Deutschland, der zeitweise zwei Mal in der Woche 200 Brote backen mußte. So wie der Ranger bei dem Rundgang durch die alten Räume erzählt, hatte sich der Engländer genau zu der Zeit hier niedergelassen, als die Navajo mittellos wieder in ihre angestammten Gebiete zurückkehren durften. John Lorenzo Hubbell wird als Freund der Indianer beschrieben, der ihnen Kredite gab und sie beim Aufbau ihrer so wichtigen Schafzucht unterstützte. Sein Wohnhaus, das 1968 zum nationalhistorischen Gebäude erklärt wurde, hängt voll mit Bildern aus dieser Zeit. Darunter 300 Portraits berühmter Indianer.

Mitten im Navajo Reservat schneidet sich der Canyon de Chelly in die weite Prärie ein. In warmen Pastellfarben aus Rot, Ocker und Braun fallen die Sandsteinfelsen hier steil ab. Das trockene Flußbett zeigt sich erstaunlich grün. Ebenso wie in Mesa Verde hatten sich auch die Anasazi hier niedergelassen. Ihre Siedlungen in den überhängenden Felsen waren nur mit Leitern zugänglich und somit vor Feinden gut geschützt. Die letzten Strahlen der Abendsonne dringen in den Canyon und leuchten "the white house" an, die fotogenste Ruine in der gut 300 Meter senkrechten Felswand. Die Wanderung dort hin heben wir uns für die kühlen Morgenstunden auf.

Auch die Indianer sind begeisterte Rodeo-Reiter

Die Kinder haben inzwischen "null Bock auf Nationalparks". Deshalb sind wir nach unserem morgendlichen Fußmarsch in den Canyon jetzt auf dem Weg nach Bluff. Es hat lange gedauert bis wir den unscheinbaren Punkt an der Nordgrenze des Reservats auf der Landkarte gefunden haben. Rodeo, Pauwau und andere Aktivitäten verspricht die Anzeige in der Navajo Times.

Pauwau

Pauwau

Wir haben mit dem Programmpunkt voll ins Schwarze getroffen. Schon nach dem ersten Abend mit "Bullriding" waren die Kinder nicht davon abzubringen das ganze Wochenende in Bluff beim Rodeo zu verbringen.

Zu unserer Überraschung waren es überwiegend Navajo, die auf ihren Pferden mit schwingendem Lasso den Rindern nachjagten und sich auf wild gemachten Pferden so lange wie möglich zu halten versuchten. Unser Stellplatz am Rande des Geschehens gehört zu den besten der gesamten Reise – so jedenfalls die Meinung der Kinder. Es war nicht die Ausstattung, die nur aus einem Plumpsklo bestand, sondern die direkte Lage am Fluß mit Bademöglichkeit unmittelbar vor der Haustüre. Bei Temperaturen von über 30 Grad im Schatten konnte es wirklich nichts schöneres geben.

Wir Älteren haben von der faszinierenden Landschaft noch lange nicht genug bekommen. Während unsere Sprößlinge beim Rodeo bereits Freunde gefunden haben und das werfen mit dem Lasso üben, können wir in aller Ruhe zum Monument Valley fahren. Der Navajo Tribal Park liegt nur 1 ½ Stunden von unserem Standquartier entfernt.

Monument Valley

Schon bei der Zufahrt in den Park kommt "Marlboro-feeling" auf, da erheben sich die rotbraunen Felsen aus der kargen Landschaft, da galoppieren Pferde über die Prärie und holpern Jeeps über ausgewaschene Trails. Für unser Wohnmobil ist beim Infocenter die Fahrt zu Ende. Die Wege sind zu schlecht. Wir schließen uns einer geführten Tour an, um dichter an die Felsformationen heran zu kommen. Anders als bei den meisten Parks auf unserer Reise wird Monument Valley von den Indianern selbst verwaltet. Sie begleiten uns auf der Tour und haben einige Anekdoten zu berichten.

Auf der Interstate 70 schließt sich unsere Rundreise wieder. Bei Glenwood Springs bauen wir zum Abschluß noch den Schlenker über Aspen und hinauf zum höchsten Paß der USA ein. Mit knapp 30 Meilen pro Stunde (M.P.H.) windet sich unser Schlachtschiff Kehre für Kehre bis auf 12095 feet hinauf. In einer Höhe, die mit den höchsten Gipfeln der Alpen vergleichbar sind, breiten sich die Berge wie ein Amphitheater aus. Es kommt Abschiedsstimmung auf. Vieles fällt uns ein, was wir noch nicht gesehen haben. Auch einen Besuch des Rocky Mountains Nationalpark müssen wir uns für das nächste Mal aufheben. Nur den versprochenen Bummel durch Denver mit seinen eleganten Hochhäusern in der City und den Schmetterlingspark, den dürfen wir nicht auf die nächste Reise verschieben.

 

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