Reisemagazin schwarzaufweiss

Mit dem Wohnmobil durch den Südwesten der USA

Text und Fotos: Dirk Schröder

Diese vierwöchige Reise im Südwesten der USA führt uns durch die "Four Corners", die vier Staaten der USA, die als einzige unmittelbar aneinander grenzen. Amerika offenbart uns auf dieser Rundreise nahezu all seine Kontraste, von der höchsten Paßstraße die uns auf rund 4000 Meter in die Rocky Mountains führt bis zur Marlboro-Landschaft im Monument-Valley, von der trockenen weiten Prärie im Norden Arizonas zu den Felsenwohnungen der Ureinwohner Amerikas. Mit unserem Wohnmobil genießen wir die Freiheit auf vier Rädern – und die vorbildliche Infrastruktur.

Eigentlich wollten wir uns die ersten Tage im Rocky Mountains Nationalpark nach der langen Reise und der beträchtlichen Zeitverschiebung akklimatisieren, doch selbst nachdem wir in die "Geheimnisse" des Wohnmobils eingewiesen wurden, unser rollendes Heim bezogen haben und uns für die Reise mit Wasser- und Lebensmittelvorräten versorgt haben, hängen die Regenwolken immer noch tief in den Bergen. So sparen wir uns die alpine Region für die letzten Tage unseres Besuchs auf und rauschen auf der Interstate 70 quer durch die Berge, vorbei an gewaltigen Schluchten durch die sich der Colorado-River zwängt und die Rafter wie bunte Pünktchen auf den Wellen tanzen, nach Westen.

Dort klart der Himmel tatsächlich auf und gegen Abend kommt im Colorado National Monument sogar die Sonne raus.

Der Nationalpark liegt etwas abseits der Fernverkehrsstraße und der Campground ist uns für heute ein willkommener Übernachtungsplatz. An der schönsten Stelle des Nationalparks finden wir zahlreiche Parzellen vor, die jeweils mit eigener Feuerstelle und Bänken ausgestattet sind. Gut, die Sanitäreinrichtungen verdienen keinen Stern und begrenzen sich auf Toiletten und Waschbecken mit kaltem Wasser. Doch all dies brauchen wir nicht, denn ein Luxusbad haben wir in unserem Wohnmobil schließlich mit gemietet. Die fällige Pauschale wird in einen Umschlag gelegt und am Eingang im Save eingeworfen. Wer nicht gezahlt hat, den erkennen die Ranger auf ihrem Rundgang am Abend an dem Kontrollzettel, der an jedem Platz hängen sollte.

Die Kinder sind schon am ersten Tag in den USA total fasziniert von den riesigen Trucks mit ihren verchromten Auspuffrohren, genießen Pommes mit Ketchup von Mc Donalds und sind erstaunt, daß die Pappbecher erst bis zum Rand mit Eis gefüllt werden und dann mit Coca Cola; sie können es nicht glauben wie lang hier die Wohnmobile sind und daß dann noch der PKW hinten dran hängt und stehen sprachlos vor den endlos langen Regalen mit Chips, die manchmal die Größe von Kartoffelsäcken haben. 

Als Fahrer ist man erstaunt, daß es keine Hektik auf den breiten, meist geraden Straßen gibt, keine Raser die mit Lichthupe hinten an der Stoßstange drängeln. Der Tempomat hält zuverlässig die Geschwindigkeit auf 75 Meilen oder weniger und unser Wohnmobil rollt mit einem dumpfen Dröhnen dahin, nur lenken muß man noch selbst.
Die riesigen Entfernungen und langen Fahrten gefallen den Kinder allerdings nicht, dann nämlich wird es ihnen schnell langweilig. Der Hit unter den Spielen ist das elektronische Wörterbuch von Franklin. Zum einen wegen der Aussprache der Worte über den kleinen Lautsprecher, zum anderen aber auch wegen die verschiedenen Lernspiele.

Faszinierende Kunstwerke der Natur

Im nahen Arches Nationalpark steuern wir sofort wieder den Campground am nördlichsten Ende des Parks an, denn wer zu erst kommt kann sich den schönsten Platz auswählen. Die Anlage liegt traumhaft inmitten der roten Felsen und die Kinder klettern schon nach wenigen Minuten auf ihnen herum. Für den Abend laden uns die Ranger zum kostenlosen Vortrag ins Amphitheater ein. Dort erhalten wir "Nachhilfeunterricht" und erfahren einiges über das empfindliche Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Tieren, werden auf die Bakterien im Sandboden aufmerksam gemacht und wissen nun, daß die Tiere in den Trockengebieten die langen Ohren nicht haben um besser hören zu können, sondern zur Regulierung ihrer Körpertemperatur. Am kühlen Morgen, bei bestem Fotolicht machen wir uns dann auf den Weg durch den "Devils Garden". Unser Blick hat sich verändert. Wir wissen nun warum der Sand so eigenartig aufgetürmt ist und daß jeder Fußabdruck abseits der Wege die Mikrowelt zerstört, verstehen warum niedrige Pflanzen hier wachsen und höhere Sträucher zwischen den Felsen. Grandios ist der Blick auf den Landscape Arch, der sich vom Aussichtspunkt wie eine filigrane Brücke zeigt. Durch andere Bögen können wir sogar hindurch laufen.

Der Delicate Arche ist zum Aushängeschild des Staates Utah geworden und ziert die Nummernschilder vieler Autos. Hierhin, wie auch zum "Windows" müssen wir etwas laufen, um sie aus nächster Nähe zu betrachten. Die Wasserflasche hängt dabei immer griffbereit, denn die Hitze ist zur Hochsaison im August lähmend.

Auf der anderen Seite der Fernstraße 191 erstreckt sich der Canyonlands National Park mit ähnlich faszinierenden Bögen wie im Arches. Am südlichen Zugang fasziniert uns der "Newspaper Rock". Ein Felsen, der wegen seiner zahlreichen Zeichnungen so benannt wird.

Auf den Spuren der Ureinwohner

Cortez im Südosten Colorados nahe dem »Four Courner Monument« ist für heute unser Ziel. Von weitem schon ist uns der markante Bergrücken in der weiten Ebene aufgefallen. Nun erzählt uns der Campingwart, daß es der Grandfather Ute sei, der dort schon seit Jahrtausenden schläft. "Am Kopf sozusagen liegt Cortez und seine Füße berühren schon New Mexico". "Für die Ute-Indianer ist es ein heiliger Berg" fügt er noch hinzu "ihr Reservat grenzt direkt an den Berg. Nur mit einer Führung könnt Ihr dort rein. Ich kann das für euch arrangieren" reagiert er schnell auf unser Interesse...
Cortez ist eine typisch amerikanische Kleinstadt. Die Geschäfte reihen sich über Kilometer entlang der Hauptstraße. Fast jeder dritte Store preist indianisches Kunsthandwerk an: Trading Post, Indian Art Galerie und wie sie alle heißen – die Versuchungen sind groß. Gleich zu Beginn der West Main Street finden wir unter der riesigen Auswahl ausgefallene Handarbeiten der Navajo Indianer, die für ihren Silberschmuck mit Türkis bekannt sind.

Navajo-Frau mit Silberschmuck mit Türkis

Unser RV-Park, wie die Campingplätze für Wohnmobile und Trailer genannt werden, liegt nahe dem Freibad. Als die Kinder die lange Rutsche sehen, sind sie nicht mehr zu halten und drängen uns solange, bis wir die Badehose einpacken und mitkommen. Bei 95 Grad Fahrenheit zur Mittagshitze ein berechtigter Wunsch.

Meza Verde, die berühmten Höhlenwohnungen der Anasazi, Vorfahren der heutigen Pueblo Indianer, liegen gerade mal 10 Meilen von Cortez entfernt – ein Katzensprung für amerikanische Verhältnisse.

Meza Verde

Unter großen überhängenden Wänden haben diese Indianer im 13. Jahrhundert ihre Wohnungen in den weichen Fels gebaut, kleine Zimmer in zwei bis vier Stockwerken dicht beieinander und eine große runde Kiva. In die Erde eingelassen diente sie mehreren Familien als Raum für Zeremonien. Viel wird darüber gerätselt, warum die Ureinwohner sich gerade hier eingerichtet hatten. Mußten sie sich schützen? Wohnten sie hier ständig? Die Archäologen wissen auch nicht genau, warum die Anlage nur wenige Generationen lang bewohnt war. Bis dahin lebten über Jahrhunderte die Anasazi auf der Hochfläche der Meza, bauten dort Mais an und gingen auf die Jagd, bis dann diese Siedlungen entstanden. Mit großem Respekt besuchen wir den Cliff Palace und Balkony House, zwei der am besten erhaltenen Höhlensiedlungen. Beim Zugang über die 10 Meter hohe Leiter wird uns etwas mulmig, doch im Vergleich zu den schmalen Tritten im Fels, die die Bewohner benutzten sind die Holzsprossen ein geradezu komfortabler Zugang.

Mit der Eisenbahn durch den "Wilden Westen"

Richtung Durango wechselt die "high desert" wie die Amerikaner diese weiten Gebiete um Cortez bezeichnen, gegen grüne hügelige Landschaft. Die berühmte Schmalspurbahn nach Silverton in den Rocky Mountains steht bereits unter Dampf, als wir in die Main Avenue einbiegen. Die gelben Waggons sind schon gut besetzt. Mit $50 pro Person ist die Fahrt im Oldtimer kein billiges Vergnügen, trotzdem sind ohne frühzeitige Reservierung selten noch Tickets zu bekommen. Die Fahrt erweist sich als ein einzigartiges Erlebnis: teilweise kleben die Gleise förmlich am Abgrund oder werden über abenteuerliche Brückenkonstruktionen geführt. "Isn’t it beautifull!", "Spitze!", "magnificent!"... ertönen immer wieder die Ausrufe der Begeisterung durch den Waagen der zweiten Klasse. Die Schmalspurbahn wurde 1882 zum Abtransport der Silbervorkommen gebaut. In Durango stand das Schmelzwerk, um das Edelmetall heraus zu bekommen. Im Eisenbahnmuseum erzählt uns ein älterer Herr, daß im Zweiten Weltkrieg das Schmelzwerk noch einmal benutzt wurde. Dieses Mal um Uran zu gewinnen. "Angereichert mit Plutonium haben sie daraus die Atombomben gebaut" ergänzte er die Beschreibung der beiden Fotos an der Wand. "Alles Weitere ist Geschichte" schloß er seine Ausführungen. Johann interessiert viel mehr die Funktion der Dampflok, will wissen wofür die roten Hebel sind und wieviel Kohle die Maschine verbraucht. Im Lockschuppen stehen weitete Raritäten etwas geschützt vor den interessierten Blicken der Besucher.

Entlang der Hauptstraße reiht sich ein Giftshop an den nächsten. In einem wird Handarbeit der Navajo-Indiander angeboten, der andere verkauft Mokassins und Trommeln. Wer echte Cowboyhüte haben möchte, der findet auch diese in großer Auswahl.

Holperstrecke in die Vergangenheit

Auf dem Weg zum Chaco Canyon queren wir unmerklich die Grenze nach New Mexico. Die Szenerie, die hinter unserem großen Wohnmobilfenster vorbei zieht, wird mit jeder Meile karger.

Ein ödes Wüstengebiet von unwirtlicher Schönheit. 3 ½ Stunden sind wir seit Durango unterwegs. Wir holpern nun abseits der schnurgeraden Landstraße über die Sandpiste. In den Schränken klappert das Geschirr und auf den Ablagen wandern die Gegenstände langsam aber sicher Richtung Boden - 20 Meilen wie in einem Cocktailshaker. "Chaco ist nicht so überlaufen wie Mesa Verde", hatte Peggy, die wir in Cortez kennengelernt hatten, uns mit auf den Weg gegeben. Bei der Anfahrt kann ich sie jetzt verstehen. Mitten in der Einöde taucht das obligatorische Infozentrum mit der einzigen Trinkwasserstelle im Park auf. In dem wohl klimatisierten Gebäude müssen wir auch den Obolus für den Campground entrichten. Er liegt traumhaft am Fuße der ockergelben Felswände mit kleinen kuscheligen Nischen für Zelte und genügend Platz für große Reisemobile. Die Kinder finden es "geil hier" und schwärmen sofort aus um die Felsen zu erklimmen.

Mitten in der Wüste treffen wir auf Ruinen von Großhäusern, sogenannte Pueblos, die teilweise bis zum zweiten und dritten Stock erhalten sind. Nach letzten Erkenntnissen stammen die einmaligen Konstruktionen aus der Zeit um 1000 und waren Mittelpunkt eines riesigen Verkehrssystems. Wissenschaftler behaupten, daß das San-Juan Becken damals bewaldet war und sehr fruchtbar, was ein ganz anderes Bild für das Leben in den Siedlungen gibt. Schätzungen zu Folge waren für den Bau der Fußböden und Dächer über 200.000 Bäume nötig, die über eine Entfernung von 80 Kilometer aus der Umgebung herangeschafft werden mußten. Wie, daß bleibt ein Rätsel. 

Die vielen Kivas für Zeremonien und andere Fakten veranlassen die Forscher zu der Vermutung, daß es sich um einen Ort handelt an dem sich zu bestimmten Zeiten viele Menschen versammelten um gemeinsam Rituale durchzuführen. Untermauert wird diese Theorie durch die Entdeckung einer Sonnenuhr im Felsen, die exakt die Sonnenwende und Mondlaufbahn anzeigt.

Kakteen und Lavagestein in New Mexico

Über die Sandpiste verlassen wir wieder den Nationalpark. Dieses mal nach Süden um direkt den empfohlenen Campingplatz am Bluewater Lake anzusteuern und den erloschenen Vulkan im El Malpais National Monument zu sehen. Kakteen zwischen Lavagestein erinnern uns daran, daß wir im südlichsten Staat der USA angelangt sind, die Temperaturen außerhalb unseres klimatisierten Reisemobils sind entsprechend. An der Grenze zu Arizona passieren wir kaum merklich das Reservat der Zuni-Indianer. Förmlich aus dem Nichts tauchen plötzlich die einfachen flachen Bauten auf, eine Tankstelle, Schule, einige Shops und ein Taco Schnellimbis, der Treffpunkt der Stadt Zuni zu sein scheint. Hier weichen auch unsere letzten Klischees von Indianerromantik den Cola-Dosen, Chips und Pommes.

Gerade als wir einsteigen wollen, spricht uns ein zahnloser Alter an, um uns Ohrringe zu verkaufen. Über den kleinen Stecker in Herzform, eingelegt mit einem Türkis kommen wir ins Gespräch und erfahren, daß der Grüne Stein in Santa Fe abgebaut und in der Cooperative verkauft wird. Bekannter aber noch sind die Fetische, die von den Zuni aus verschiedenen Steinsorten angefertigt werden. Es sind kleine Tiere mit Pfeilspitzen aus Türkis auf dem Rücken, die als Glücksbringer gehandelt werden. Der Indianer in Jeans und kariertem Hemd wechselt plötzlich das Thema: "Heute Abend treffen wir uns wieder zum Regentanz oben auf der Plaza" nuschelt er in einem undeutlichen Englisch. "Gestern schon haben wir getanzt und es hat die Nacht geregnet". Als er unser Interesse bemerkt, lädt er uns ein auch zu kommen. "Doch kommt bitte ohne Kamera, denn es sind heilige Tänze und sie verlangen großen Respekt.".

 

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