Dixie ist nun Vergangenheit
South Carolina: Skizzen aus dem amerikanischen Süden
Text und Fotos: Volker Mehnert

Vermutlich ist im Staat South Carolina vor einigen Jahren der amerikanische Bürgerkrieg ein für allemal zu Ende gegangen. Am 1. Juli 2000 wurde in der Hauptstadt Columbia die Flagge der Konföderation von der Kuppel des Parlaments eingeholt. Aus Trotz gegenüber der Bürgerrechtsbewegung und den nachfolgenden Gesetzen aus Washington hatte man sie in den sechziger Jahren wieder gehisst, und sie blieb - umstritten zwar - als einzige offizielle und exponierte Südstaatenfahne noch bis ins einundzwanzigste Jahrhundert hinein hängen. Jetzt ist auch dieses Kapitel des Old South abgeschlossen.
Es gibt sie zwar noch, die betagten Herren in ihren Schaukelstühlen, die den alten Süden verkörpern und in der schwülen Abenddämmerung auf der Veranda Geschichten erzählen, die unweigerlich auf die Konföderation zusteuern und mit der Kapitulation ihres verehrten Generals Lee bei Appomattox enden. Immer seltener jedoch hört man die Rede von der „northern aggression“, statt dessen wird der Bürgerkrieg gern als „late great unpleasantness“ umschrieben - als eine zurückliegende große Unerfreulichkeit. Auch an Autos und Nummernschildern entdeckt man kaum noch jene provokanten Südstaatenembleme, die vor Jahren gang und gäbe waren. Und wenn man sich die Lebensgeschichte von Strauss Moore Shiple anhört, dann wird offensichtlich, wie viel sich trotz mancher Spannungen zwischen Schwarz und Weiß inzwischen geändert hat: Nach bitteren Jugendjahren auf den Baumwollfeldern arbeitet die Tochter von schwarzen Tagelöhnern heute als anerkannte Projektplanerin beim Olde English District im Nordwesten South Carolinas. „Alles in allem sind die Verhältnisse jetzt okay“, sagt sie abschließend.

"Hot boiled peanuts" - Straßenverkauf
Der gestandene Südstaatler steht zwar weiterhin zu klassischen Speisen wie den notorischen „hot boiled peanuts“, gekochten Erdnüssen, die als „South Carolina State Snack“ überall am Straßenrand verkauft werden, und er ißt vom Frühstück bis zum Abendessen leidenschaftlich gern „grits“, einen Maisbrei, der für jeden Fremden erst einmal gewöhnungsbedürftig ist. Aber diese Vorlieben gelten inzwischen als regionale Traditionen und Marotten und nicht mehr von vornherein als kulinarische Kampfansage gegen die Yankees.

Auch ein Stück "Old South"
Ein Mann wie Tom Webb aus dem Provinzstädtchen Camden zum Beispiel,
der sich als „southern patriot“ versteht, praktiziert seine Überzeugung
in der Pflege und im Betrieb der Boykin Mill, einer Maismühle aus
dem achtzehnten Jahrhundert. Dort mahlt er mit uralten Gerätschaften
auf traditionell schonende Art das beste Maismehl in ganz South Carolina. „Ein
dringend notwendiges Engagement für die Werte der Südstaaten“,
nennt er das.
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