Reisemagazin schwarzaufweiss

Von der Urzeit bis zur Harley Davidson

Rockford überzeugt mit Vielfalt

Text und Fotos: Axel Scheibe

Rockford Illinois - Saurierskelett

Eine Stadt wirbt mit Jane? Ungewöhnlich, besonders dann wenn man erfährt, das Jane nichts weiter ist, als das Skelett eines Dinosauriers. Davon gibt es ja mittlerweile, nach dem enormen Saurier-Boom durch Jurrasic Park, einige. Doch das, mit dem das Städtchen Rockford rund 100 Meilen westlich von Chicago wirbt, ist ein ganz besonders Exemplar. Es ist das besterhaltene und kompletteste Exemplar eines T-Rex. Aus diesem Grund hat das mächtige Raubtier aus früheren Jahrtausenden den liebevollen Namen „Jane“ verliehen bekommen. Und so sind Jane und deren Geschichte nicht nur Anziehungspunkt Nummer 1 im örtlichen Burpee Museum of Natural History, sondern die Überreste des lieben Tierchens sind mittlerweile zu einer Art ausgefallenem Wahrzeichen von Rockford geworden. Zu einem außergewöhnlichen allemal.

Rockford - Illinois - Stockholm Inn

Sicher, seine Aufwartung sollte man Jane auf jeden Fall machen, wenn Rockford auf der Reiseroute liegt. Doch das Städtchen hat noch einiges mehr zu bieten und gilt durch seine wunderschöne Lage entlang des Rock Rivers auch als guter Platz zum Wohnen. Mit typisch amerikanischem Kleinstadtflair vergangener Jahrzehnte spielt Rockford gern. So verführt bereits ein gemütliches Frühstück im Stockholm Inn (1) zurück in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit viel Liebe zum Detail versuchen die Inhaber immer wieder an die Zeit anzuknüpfen, in der das Haus entstand. Das Interieur und die Atmosphäre sind beliebt. Das, was auf den Frühstücktellern landet, sorgt dafür, dass im Stockholm Inn fast immer Betrieb herrscht.

Rockford - Illinois - Coronado Theatre

Ebenfalls in diese Epoche zurück reicht die Geschichte des Coronado Theaters (2). Einer Kombination aus Kino und Theater, das 1927 erbaut wurde und heute, perfekt restauriert, den Geschmack damaliger Zeit widerspiegelt. Manche mögen es kitschig finden. Gut, der Architekt hat den Jugendstil vielleicht etwas weit getrieben, doch wer sich darauf einlässt, ist begeistert von der verspielten Innenarchitektur und manch technischen Raffinessen, die damals fast revolutionär war. Das Prachtstück des Hauses ist die originale Grand Barton Orgel. Sie ist eine von nur zwei erhaltenen Exemplaren, die zu jener Zeit in zahlreichen Theatern für die Begleitmusik auch und nicht zuletzt zu Stummfilmen sorgten. Optisch opulent und nicht minder klangvoll verzaubert sie bis heute die Besucher. Bei einer der angebotenen Theaterführungen kann man zumindest einen kleinen akustischen „Testhappen“ mitnehmen.

Rockford - Illinois - Coronado Theatre

Um Jugendstil geht es nicht, wenn man sich Zeit für einen Besuch im Kenneth Laurent House nimmt. In einer kleinen Wohnsiedlung gelegen, wird es gern übersehen. Nicht jedoch von Architekturfans. Dieses von außen wunderbar in die Landschaft eingepasste und nicht zuletzt deshalb eher unscheinbare Gebäude, gehört zu den Meisterwerken des Stararchitekten Frank Lloyd Wright. Vielfältige Zeugnisse seiner Arbeit laden in den Vereinigten Staaten als Museen zum Besuch ein. Das Laurent Hause in Rockford jedoch ist etwas Besonders. Es ist das einzige Wohnhaus, das er für einen Behinderten entworfen hat. 1952 fertig gestellt, lebte das Ehepaar Laurent bis 2012 in seinem Domizil. Aufwendige Restaurierungsarbeiten versetzten das architektonische Kleinod in seinen ursprünglichen Zustand zurück. So begeistert die schlichte Meisterschaft Wright´s seit 2014 Besucher aus aller Welt.

Rockford - Illinois - Midway Village

Noch ein Stück weiter zurück in die Geschichte reichen die Gebäude, die im Midway Village (3) auf Touristen warten. Ein typisches Dorf aus dem späten 19. Jahrhundert wurde zu Leben erweckt. Von der Schmiede über die Schule bis hin zum Krämerladen – alles ist vorhanden. An Wochenenden zieht wahrhaft Leben ein. Dann sind es nicht nur die Besucher, die die Dorfstraße bevölkern, sondern der Schmied greift zum Hammer, der Lehrer zur Kreide und der Krämer zur Waage…

Rockford - Illinois - Midway Village

So mancher Besucher der Stadt lässt sich einen Radausflug auf gepflegten Wegen entlang des Rock Rivers nicht entgehen. Abschalten vom Stadtleben, die Lunge frei bekommen vom Abgas der Autos und dabei, mehr oder minder geplant, in Andersons Japanese Garden (4) ein Stück fernöstlicher Gartenbaukunst bewundern. Wer daran gefallen findet kann einen Abstecher in den Botanischen Garten anschließen. Im großen Park Rockfords gelegen, wird er vom Radweg direkt tangiert.

Rockford - Illinois - Andersons Japanese Garden

Weg von der Natur kommen PS-Liebhaber im Automobilmuseum Roscoe (5) vor den Toren der Stadt zu ihrem Recht. So manches Prachtstück aus den Glanzzeiten des Automobilbaus hat hier seine „letzte Ruhestätte“ gefunden. Eingebettet in ihr historisches Umfeld, mit viel Blick fürs Detail, erzählen die automobilen Schätze Geschichten aus dem vorigen Jahrhundert. Da trifft man auf mächtige Karossen großer Gangsterbosse ebenso wie auf die PS-starken Spielzeuge bekannter Stars der Leinwand.

Rockford - Illinois - im kleinen Städtchen Roscoe bieten das Automobilmuseum eine tolle Kollektion historischer Fahrzeuge

Wenn man sich damit einmal ein Stück PS-Fieber eingefangen hat, sollte zum Abschluss einer Stippvisite bei Kegel´s Harley Davidson (6) ein Muss sein.

Sicher gibt es Motorradmarken, die die Harley-Davidson an Stückzahl und auch an Leistungsfähigkeit in den Schatten stellen. An ihren Ruf unter Zweiradfreaks kommt keine heran. Woran das liegen mag? Eine Frage, die auch alteingesessene Harley-Dealern wie Mark Kegel immer mal wieder gestellt wird und die nicht so einfach zu beantworten ist. Mark Kegel verweist dabei auf die Historie. Immerhin bauten William S. „Bill“ Harley und Arthur Davidson bereits 1903 ihr erstes Motorrad. 1907 gründeten sie ihr gemeinsames Unternehmen. Das ist nun weit über 100 Jahre alt. Sicher gab es auch schwierige Zeiten. Gerade in der Wende zu den 80er Jahren, als der Motorradmarkt weltweit so richtig zum Boomen kam, war Harley-Davidson zum Sanierungsfall geworden. Als aber die Produzenten gemeinsam mit ihren Kunden 2003 den 100. Geburtstag feierten, hatte sich Harley-Davidson endgültig als Kultmarke im (preislichen) Premium-Sektor etabliert. Keiner weiß zu sagen, in wie vielen heimlichen (und auch weniger heimlichen) Männerträumen ein bulliges Bike aus der Werkstatt von Harley-Davidson eine Hauptrolle spielt. „Wir verkaufen einen Lebensstil – das Motorrad gibt es gratis dazu“ so das Motto, das auch Mark Kegel mit Begeisterung unterstreicht. Seine Familiengeschichte ist auf engste mit der des Hauses Harley-Davidson verbunden. Er ist heute nicht nur einer der größten, sondern gleichzeitig der älteste Händler, der sich dieser Kultmarke verschrieben hat. In seinem Unternehmen werden die tollen, chromblitzenden Maschinen nicht nur verkauft oder repariert, hier kann man sich auch ein gutes Stück für den Urlaubstrip ausleihen. Oder, was vielen leider bereits reichen muss, einfach mal Probesitzen. Aber Vorsicht! Ein Besuch bei Kegel hält gewisse Risiken bereit. Bei Kegel gibt es alles, was rund um das eigentliche Motorrad für Glücksgefühle beim Harley-Fahrer sorgt. Vom Bierdeckel bis zur Sparbüchse, vom Schlips bis zum Brauthut, vom Weinservice bis hin zum Bikerstiefel. Doch wenn die Urlaubskasse streikt und die Koffer mit Übergepäck drohen, kann man sich am angeschlossenen Harley-Cafe zumindest mit einem „Biker Dude“ oder einem „Biker Babe“ als Urlaubsabschluss noch einmal eine zünftige Biker-Mahlzeit gönnen und feststellen, die Reise nach Rockford hat sich gelohnt.

Rockford - Illinois - Kegel´s Harley Davidson

Informationen

Fremdenverkehrsbüro Rockford/Illinois
c/o Wiechmann Tourism
Scheidwaldstraße 73
60385 Frankfurt am Main
Tel.: 069/25538280
www.gorockford.de

 

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