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USA - Outer Banks

Die Outer Banks sind
Nordamerikas Wellenbrecher im Atlantik

Text und Fotos: Volker Mehnert

Die gute Nachricht kam kurz vor Mitternacht: Das Tiefdruckgebiet zog nach Nordosten ab, der Sturm ließ nach, die Inseln brauchten nicht evakuiert zu werden. Die wenigen Besucher, die in diesen Herbsttagen noch auf den Outer Banks ausgeharrt hatten, konnten sich beruhigt in ihr Hotelzimmer zurückziehen, die Segler mussten nicht mehr um ihre Boote bangen, und die Einheimischen konnten auf die routinemäßigen Vorkehrungen für das Verlassen ihrer Häuser zumindest diesmal verzichten.

Der erste steife Nordost, der typische Sturm der Wintermonate, hatte sich verzogen, ohne größeren Schaden anzurichten. Nur ein paar vergessene Sonnenschirme und Liegestühle waren durch die Luft gewirbelt worden, und der Wind hatte sämtliche Mülltonnen umgeworfen. Weggefegt hatte der Sturm auch die Überreste der sommerlichen Touristensaison: Besucher, die noch ein letztes Mal für ein Wochenende zum Angeln oder Surfen herausgekommen waren und sich nun vor dem drohenden Unwetter zurückgezogen hatten. Die Parkplätze vor den Motels waren leer, die Ferienhäuser verlassen, und selbst die meisten Kirchen ließen ihre sonntäglichen Gottesdienste ausfallen. Und niemand mochte sich in diesen Tagen für die überall noch ausliegenden Werbebroschüren der Grundstücksmakler erwärmen, die von neuen Ferienkolonien, Schwimmbädern und Golfplätzen sprachen.

USA / Outer Banks / Leuchtturm
Ocracoke Leuchtturm

Kein Grund zur Aufregung also - zumindest auf den ersten Blick. Doch einmal mehr hatten die Elemente auf den Outer Banks gedroht und kurz angedeutet, wer an dieser Küste letztendlich die Oberhand behält. Selbst in dieser eher undramatischen Sturmnacht hatte die Brandung an vielen Strandabschnitten wieder tonnenweise Sand ins Meer zurückgeholt und damit die Inseln an ihrer Ostseite ein Stück verkleinert - nicht spektakulär, aber immerhin deutlich genug für jeden, der Dünen und Strand am Vorabend gesehen hatte. Wie lange würde das siebenstöckige Hotel direkt auf der Düne wohl noch durchhalten, bei dem der aufkommende Sturm bereits an den Fundamenten des Swimming Pools nagte? Deutet der leicht heruntergekommene Zustand des einstigen Komforthotels bereits darauf hin, dass sich Investitionen nicht mehr lohnen, dass das Ende naht? - "Oh, Sie würden sich wundern, wie widerstandsfähig unsere Dünen sind", ist die zuversichtliche Antwort derjenigen, die hier am Tourismus verdienen und deshalb jeden Kratzer am makellosen Bild des Urlaubsgebiets vermeiden möchten. Und dazu zählt inzwischen die überwiegende Mehrzahl der dreißigtausend Menschen, die ganzjährig auf den Outer Banks wohnen.

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