Reisemagazin schwarzaufweiss

Grandiose Berge und wilde Schluchten

Mit dem Wohnmobil auf Entdeckungsreise in Oregon und Idaho

Text und Fotos: Axel Scheibe

Mit dem Wohnmobil auf Entdeckungsreise in Oregon und Idaho

Eine Reise nach Oregon gehört sicher nicht unbedingt zu den Traumzielen deutscher Urlauber auf amerikanischen Pfaden. Der nördlichere Washington State und das südlich angrenzende Kalifornien sind viel bekannter, doch Oregon ist mindestens genauso schön und geizt ebenso nicht mit spektakulären Naturkulissen. Seit einigen Jahren fliegt Lufthansa auf direktem Weg nach Portland. Das schafft eine schnelle Flugbrücke über den großen Teich und spart eine, sonst oft nötige, Zwischenlandung auf einem der Drehkreuze der großen US-Fluggesellschaften. „Das bringt uns schon kontinuierlich wachsende Touristenzahlen“, unterstreicht Oetra Nahr, PR-Chefin von Oregon Tourismus. Die junge Frau freut sich, dass dadurch mehr Gäste den Weg nach Oregon finden und oft, nach einer ersten kurzen Stippvisite, für einen längeren Aufenthalt wieder kommen. „Früher war es so, dass Gäste unseren Staat meist nur kurz für ein bis zwei Tage zum Transit nutzten. Heute kommen immer mehr direkt mit dem Ziel Oregon. Besonders in Verbindung mit unserem Nachbarstaat Idaho können wir selbst für drei oder vier Wochen spannende Urlaubsabenteuer anbieten.“ Genau das haben wir vor. Ehe wir unseren RV bei El Monte in Empfang nehmen, planen wir einen Tag in Portland. Die moderne Großstadt am Willamette River steht zwar im Schatten ihrer berühmten Schwester Seattle rund 300 Meilen nördlich, doch sind ihre Sehenswürdigkeiten von der Altstadt über den Zoo und den Japanischen Garten bis hin zum Rosengarten hoch über der Stadt einen Stopp wert.

USA - Oregon - Innenstadtimpressionen aus Portland

Innenstadtimpressionen aus Portland

Geisterstädte und grandiose Landschaften

Ein kräftiger Wind bläst große Staubwolken über die vertrockneten Grasflächen. Am Horizont versprechen grüne Wälder und Berge Besseres. Hier sieht alles etwas trostlos aus, als habe sich die Natur an die zerfallenden Reste des Dörfchens Whitney angepasst. Geisterstädte gibt es in der Region einige. Die Zeiten des Oregon Trails sind vorüber. Damals, vor 150 Jahren kamen tausende Siedler mit ihren Familien vom Osten in den Westen und hofften auf einen neuen Anfang und etwas persönliches Glück. Für viele von Ihnen ging dieser Traum in Erfüllung, doch zahlreiche der damals gegründeten Siedlungen haben heute, wo keiner mehr von einer kleinen Landwirtschaft leben kann, ihre Bewohner verloren und fristen ein düsteres Dasein als „Ghost Town“. Wie wir erfahren, führte durch das kleine Whitney früher sogar eine Eisenbahnlinie.

Wir nutzen einen windgeschützten Platz im Schatten eines der Häuser zu einer verdienten Mittagpause. Die Sonne sendet uns einen letzten Schuss Sommerwärme. Nun sind wir bereits einige Tage unterwegs. Nach unserer kurzen Stippvisite in Oregons kleiner Hauptstadt Salem (1), die übrigens nichts mit den berüchtigten Hexen von Salem zu tun hat, dieses Salem liegt im Osten, fuhren wir hinaus in die beeindruckende Landschaft. Über den West Cascades Scenic Byway ging ist in Richtung Osten durch die beeindruckende Bergwelt der West Cascades. Eine Region, die geprägt wird vom Tourismus, der für Brot und Lohn sorgt. Besonders kleine Städtchen wie Sisters (2) und Bend (3) fühlen sich auch optisch der Tradition historischer „Western Towns“ verpflichtet. Bummeln und Shoppen macht Spaß. Dutzende Souvenirgeschäfte haben sich auf ihre touristischen Kunden, die fast ausschließlich aus den Staaten kommen, eingestellt. Die Nacht auf dem RV-Platz im Prineville Reservoir State Park gehört zu den schönsten, die wir bisher erlebt haben. Die Landschaftskulisse war überwältigend. Gern wären wir einige Tage geblieben, doch auf uns warteten die legendären Painted Hills bei John Day und das Kam Wah Chung Museum, das bildhaft und eindrucksvoll über das Leben der chinesischen Einwanderer erzählt.

Oregon - Sumpter - Historische Goldwaschanlage am Powder River. Ein schwimmender Gigant aus Stahl

Historische Goldwaschanlage am Powder River. Ein schwimmender Gigant aus Stahl

Jetzt sind wir auf dem Time Scenic Byway unterwegs. Unser nächstes Ziel ist der Sumpter Valley Dredge State Park (4) am Fuße der Granitfelsen der Elkhorn Mountain Range. Hier kann man den Dredge, einen riesigen Goldschürfbagger besichtigen: Ein schwimmender Gigant aus Stahl, der über die Jahrzehnte Gold im Wert von einigen Millionen Dollar aus dem Flussbett gegraben hat. Im Bauch dieses Riesen kann man nachvollziehen, wie das Gold gewaschen und vom tauben Gestein getrennt wurde.

Auf den Spuren der Siedler

Oregon - Anschaulichen Geschichtsunterricht bietet das moderne Trail-Museum bei Baker City

Anschaulichen Geschichtsunterricht bietet das moderne Trail-Museum bei Baker City

Schon im Vorfeld unserer Reise hatten wir viel über den Oregon Trail gelesen. Über die vielleicht erste große „Caravan-Welle“, die durch die USA zog. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts gingen die Siedlertrecks von Independence im Staat Missouri mit ihren Ochsenkarren auf die beschwerliche Reise Richtung Westen. Im Osten waren das Farmland bereits verteilt und die Chancen zum Neuanfang schlecht geworden. Aus dem Westen drangen über verschiedene Wege Gerüchte, dass dort grünes und saftiges Weideland wartet. So zogen in den nächsten Jahrzehnten insgesamt 350.000 Siedler mit ihren Familien nach Oregon und ein kleinerer Teil von ihnen weiter nach Kalifornien. Rund 10 Prozent der Aufgebrochenen überlebten die Strapazen der rund 6 Monate und 2000 Meilen langen Reise nicht. So wurde der Oregon Trail zum längsten Friedhof der Welt, wie manche Historiker sagen. Über all das erzählt uns das Oregon Trail Center auf dem Flagstaff Hill unweit von Baker (5). Wir sind tief beeindruckt von den dramatischen persönlichen Schicksalen, die in den modernen Ausstellungshallen am Leben erhalten werden. Es sind gerade diese, teils erschütternden Trailberichte einfacher Siedler, die einem manchmal fast das Blut in den Adern erstarren lassen.

Mit dem Raft übers wilde Wasser

Oregon - Rafting im Wildlife Canyon

Rafting im Wildlife Canyon

Der Traditionszug hat sich gefüllt. Der Schaffner gibt dass Abfahrtsignal und ab geht es auf eine gemütliche Tour endlang des Payette Rivers. Wir sind in Idaho angekommen. Während in Oregon alles noch relativ ruhig ablief, erwarten uns in den nächsten Tagen neben der grandiosen Landschaft auch manch sportliche Herausforderungen. Die erste fließt neben uns, während die Thunder Mountain Line uns flussaufwärts transportiert. Loks und Wagen haben gleichermaßen an die 50 Jahre auf dem Buckel. Ein Regelzugbetrieb wird hier nicht mehr aufrecht erhalten, umso beliebter sind nicht nur bei Eisenbahnfans die Sonderzugfahrten mit offenen Waggons. Zügig zieht der Zug seine Bahn und wir beobachten auf dem Fluss zahlreiche Rafts, die über die weißen Kronen der Stromschnellen elegant an uns vorüber ziehen. Nach einer reichlichen Stunde hält der Zug in Banks, die Reisenden werden zurück nach Horseshoe Bend (6) fahren, wo die Tour begann. Hier trennen sich unsere Wege. Am Fluss wartet unser Schlauchboot von der Cascade Raft Company und damit eine etwas andere Art der Rückfahrt. Wir erhalten Schwimmwesten und gut gemeinte Ratschläge. Debbie unsere Begleiterin ist Fachfrau in Fragen White Water Rafting. Sie versteht ihr Handwerk. Da kann uns nichts passieren. Außerdem konnten wir bereits vom Zug aus beobachten, dass es so „schlimm“ nicht werden wird. Touren auf dem Sambesi und im Grand Canyon haben uns abgehärtet.

Auf dem Rücken stolzer Pferde

Unser Tagesziel ist erreicht. Schnell schließen wir unseren RV ans Stromnetz und schon sind unterwegs auf einer ersten Erkundungstour am Redfish Lake (7), einem der schönsten Plätze, das wir je besucht haben. Hohe Berge, dichte Wälder und das tiefe Blau des in der Abendsonne schimmerten Sees sowie eine Luft, wie man sie eigentlich nur noch aus den Erzählungen der Alten kennt. Sicher ist das alles nicht wirklich einmalig, doch wir sind überwältigt. Neben den großzügigen Caravan-Parks ist es nur noch die Redfish Lake Lodge, die den Erholungssuchenden Übernachtungsmöglichkeiten anbietet. So bleibt dieses märchenhafte Fleckchen Erde wohl selbst in der Hochsaison von zu großen Touristenströmen verschont. Wir lassen uns in der Lodge ein leckeres Fischdinner schmecken. Damit ist der Abend am See richtig perfekt.

Oregon - Reitausflug am Little Redfish Lake

Reitausflug am Little Redfish Lake

So schön wie die Abendstimung war, der Sonnenaufgang steht dem in nichts nach. Auf uns wartet einer der Höhepunkte der Reise. Ein Ausflug hoch zu Ross durch die umgebenden Wälder und hinauf auf die Berge. Schwerstarbeit für die Fotoapparate. Erstens müssen wir sie möglichst gut vor dem aufwirbelnden Staub der anderen Pferde schützen und zweitens gibt es viel zu fotografieren. Nach zwei Stunden sind wir zurück und die Speicherkarten der elektronischen Kameras voll. Doch noch bleibt uns ein Tag am Redfish Lake. Eine gute Gelegenheit, das Lenkrad des RV mit der Wanderkarte zu tauschen und auf Schusters Rappen einen der ausgeschilderten Wanderwege in Angriff zu nehmen.

Mit reichlich PS übers Wasser

Oregon - Mit dem Jetboat auf dem Snake River im Hells Canyon unterwegs

Mit dem Jetboat auf dem Snake River im Hells Canyon unterwegs

Nachdem wir in einem schmucken Motorboot mit 150 PS den Payette Lake (8) bei McCall erkunden konnten, sind wir jetzt mit fast doppelt so viel PS unterwegs. Heather, Chefin von Killgore Adventures, hat uns zu einem „Tiefflug“ durch den Hells Canyon (9) eingeladen. Ihr Sohn sitzt am Steuer des fast 300 PS-starken Speedbootes und zeigt uns, was in der Maschine steckt. Eine weiße Gischtwolke hinter uns her ziehend jagen wir durch die bizarre Schluchtenwelt des Canyons. Mit seinem großen, bekannteren Bruder, dem Grand Canyon will er sich nicht messen, doch in seiner Schönheit steht er ihm kaum nach. In vielen Jahrtausenden hat der Snake River eine tiefe Schlucht in die uralten Gesteinformationen gefräst. Namen wie „Sieben Teufels Berge“ unterstreichen die höllische Szenerie. Neben Landschaft gibt es einige markante Felszeichnungen der Ureinwohner, der Indianer zu sehen. Zwei Häuser, in denen über Jahrzehnte Schäfer gelebt haben, die auf saftigen Wiesen am Fuße der Felsen ihre Herden weideten, werden als kleine Museen offen gehalten. Mit einem Schmunzeln registriert Heather unsere Begeisterung: „Es ist fast immer dasselbe, viele hatten vorher nie von unserem Canyon gehört und sind dann überwältigt von dieser Kulisse“.

In Oregon City schließt sich der Kreis

Oregon - Im End of the Oregon Trail Interpretive Center von Oregon City

Im End of the Oregon Trail Interpretive Center von Oregon City

Das sonnige Wetter hat uns verlassen. So stehen wir Regenschirm bewaffnet vor der letzten Station unserer Rundreise, vor dem End of the Oregon Trail Interpretive Center in dem kleinen Städtchen Oregon City (10) unweit von Portland. Hier wo unsere Reise enden wird, war auch für einen Großteil der Siedler auf dem Oregon Trail die lange Reise endlich vorbei. Wie schon das Museum in Baker gibt auch diese Exposition interessante Einblicke in das Leben der ersten Bewohner des wilden Westens. Wobei „erste Bewohner“ in mehrfacher Hinsicht nicht exakt ist. Zum einen waren es Lewis & Clark, die mit ihrer großen Expedition bereits 50 Jahre früher den Landweg an die Westküste erkundeten haben und zum anderen natürlich die Ureinwohner der Region, die Indianer. Aber Beide gehörten in den letzten Tagen auch zu unserem Routenplan, so dass wir uns nicht vorwerfen müssen, Wichtiges vergessen zu haben. Über die Geschichte der Indianer erfuhren wir viel Wissenswertes im Tamastslikt Cultural Center in Pendleton (11). Einem Museum, das über Vergangenheit und Gegenwart der Cayuse, Umatilla und Walla Walla erzählt. Lewis und Clark kamen dann im Columbia Gorge Discovery Center am mächtigen Columbia Strom in The Dalles zu ihrem Recht. Die perfekte Präsentation bietet umfangreiche Einblicke in die Erlebnisse und Entdeckungen dieser Expedition. Die Reise von Lewis & Clark endete an der Westküste, wo heute mit dem Fort Clatsop National Memorial ebenfalls ein Museum über ihr Leben berichtet.

Oregon - RV-Stellplätze am Ufer des Columbia Rivers

RV-Stellplätze am Ufer des Columbia Rivers

Touristische Informationen

Das Informationsangebot zu Reisen nach Oregon und Idaho ist recht umfassend. Prospektanforderungen und alle Anfragen potentieller Touristen beantwortet: Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt am Main, Tel.: 069/446002, E-Mail: info@wiechmann.de.

 

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