Doch basiert nicht nur Kentuckys Pferdezucht auf dem hervorragenden Wasser im Bluegrass Country, sondern auch die Qualität des Bourbon Whiskey, der lange Zeit als Amerikas Nationalgetränk galt, inzwischen jedoch keinen übermäßig guten Ruf mehr genießt.

Ein wenig Schuld an der Misere hat die Qualität des Whiskeys selber, der bis heute hauptsächlich nach industriellen Methoden des neunzehnten Jahrhunderts hergestellt wird und in Hallen lagert, die dem extremen Klima Kentuckys rücksichtslos ausgesetzt ist: Whiskeys, die in den heißen oberen Stockwerken liegen, reifen zu schnell, während die Flüssigkeit in den kühlen unteren Etagen dem Holz der Eichenfässer nicht genug Vanille- und Karamelaromen entziehen kann.

Um die Qualitätsunterschiede der einzelnen Fässer, in denen ein echter Kentucky Straight Bourbon Whiskey mindestens zwei Jahre lagern muß, auszugleichen, verschneiden die Distilleries am Ende der Reifezeit den Whiskey aus den verschiedenen Etagen. Doch trotz dieser Maßnahme schmeckt der durchschnittliche Bourbon in der Regel ein wenig rau und scharf.
Die Chancen für eine Renaissance des Bourbon stehen außerdem zur Zeit schlecht, weil die puritanischen Sittenwächter des "Bible Belt" und des Mittelwestens einen moralischen Bann über den "Teufel Bourbon" verhängt haben. Sogar in Kentucky selbst gibt es ganze Landkreise, in denen Whiskey nicht verkauft werden darf. Der Staat verbietet den Brennereien außerdem, ihren Besuchern nach der Betriebsbesichtigung einen Probeschluck zu servieren. In ihren Läden verkaufen die Distilleries die Whiskeyflaschen schamhaft in einer Ecke, versteckt hinter Baseballkappen, Holzfällerhemden, Büchern und Gläsern. Auch das Bourbon-Museum im verschlafenen Städtchen Bardstown, das mit Fotos der ersten Destillateure, alten Flaschen und Etiketten sowie Zeitungsausschnitten von den Debatten der Prohibitionszeit einen lebendigen Überblick über die Geschichte der Whiskeyherstellung vermittelt, kann sich nicht recht entscheiden, ob es ein genuin amerikanisches Produkt verherrlichen oder es wegen moralischer Bedenken verteufeln soll.
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