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Das Bluegrass Country wurde zur Hochburg der amerikanischen Vollblutzucht, weil es auf einer massiven Kalksteinplatte liegt, die von Alabama bis zum Eriesee reicht, aber nur im nördlichen Kentucky so dicht unter der Oberfläche verläuft, dass sie das Regenwasser filtern kann, bevor es sich unterirdisch sammelt. Das Wasser ist stark kalziumhaltig und sorgt in dem kräftigen Futtergras für besonders viele Nährstoffe. Schon die ersten Siedler, die Richtung Westen zogen, merkten, dass sich ihre ausgemergelten Pferde in den Rolling Hills jenseits der Appalachen plötzlich wieder erholten.

Fast das ganze Jahr über finden auf einem der neun Hippodrome des Staates Renntage statt, die Höhepunkte der Saison jedoch liefern die Churchill Downs in Louisville und der Keeneland Racecourse in Lexington, die berühmtesten Galopprennbahnen der Vereinigten Staaten. Wenn auf den Churchill Downs alljährlich die besten Dreijährigen zum Kentucky Derby antreten, sind über hundertvierzigtausend Zuschauer anwesend, und das öffentliche Leben in Kentucky kommt vollständig zum Erliegen. Sitzplätze auf der Haupttribüne kosten fünfhundert Dollar, die meisten sind auf zehn Jahre ausgebucht, und nur ein kleines Kontingent wird jedes Jahr per Losverfahren vergeben. Während sich auf den Tribünen die feine Gesellschaft ein Stelldichein gibt, feiert die Besuchermasse im Innenraum der Rennbahn ein überschäumendes Fest.

Wer den Termin verpasst, kann im Derby Museum die Atmosphäre dieses großen Renntages in einer aufwendig gestalteten Multimedia-Show nacherleben, die regelmäßig an allen vier Wänden der Haupthalle abläuft. In der "Derby Time Machine" sind außerdem Videofilme von sämtlichen Rennen seit 1918 abrufbar - nicht nur für Pferdekenner eine spannende Derby-Geschichte: von den Musik untermalten Schwarzweiß-Filmen aus den zwanziger Jahren, über aufgeregt kommentierte Wochenschauaufnahmen der Nachkriegszeit bis hin zu den Fernsehübertragungen der Gegenwart. Legendäre Vollblüter wie Sir Barton, War Admiral, Whirlaway und Secretariat, Amerikas erfolgreichste Galopprennpferde des zwanzigsten Jahrhunderts, werden im Augenblick ihres größten Sieges noch einmal lebendig.

Nicht immer geht es beim Pferderennen in Kentucky um Prestige, hohe Preisgelder und immense Wettbörsen. Die Jagd- und Hindernisrennen auf dem Oxmoor Steeplechase Course in Louisville sind das provinzielle Gegenstück zum glanzvollen Derby, hier findet das bodenständige Kentucky wieder zu sich selbst. Der Familienausflug zum Jagdrennen gleicht einer sommerlichen Landpartie, bei der sich die Zuschauer mit Kindern, Autos, Zelten und Picknicktischen im riesigen Innenraum der Rennbahn einfinden. Es gibt kein Wettbüro und kein vornehmes Clubhaus, man braucht keine überdachte Tribüne, und die Damen verzichten auf modische Kleider und extravagante Hüte.

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