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Leuchten durch die Nacht

Auf den Spuren historischer Leuchttürme in den USA

Text und Fotos: Axel Scheibe

„Einen Leuchtturm gefällig?“, Mike Richards, der Kapitän des schmucken Motorbootes, strahlt mit der Sonne um die Wette, während er seine schnittige Yacht starklar macht. Er weiß, was die meisten seiner Passagiere erwarten. Dabei ist sein Angebot freilich nicht so ganz wörtlich zu nehmen, denn kaufen kann man die historischen Wahrzeichen natürlich nur in den zahlreichen Souvenirshops in den hübschen kleinen Städten und Dörfern auf der Halbinsel Delmarva im Osten der USA. Es gibt zahlreiche gute Gründe, diesem Eiland einen Besuch abzustatten. Zu den wichtigsten gehören jedoch die letzten von dutzenden Leuchttürmen, die über Jahrhunderte für die Sicherheit der Schifffahrt auf der Chesapeake Bay und der Eastern Shore sorgten, der malerischen und sandstrandreichen Küste Virginias.

USA - Mit Mike Richards unterwegs zu den Leuchttürmen

Mit Mike Richards unterwegs zu den Leuchttürmen

So wie manche Leute historische Eisenbahnen „sammeln“ oder ihre Freizeit alten Autos widmen, gibt es immer mehr Liebhaber alter Leuchttürme. Anlass für zahlreiche Kreuzfahrtreedereien, spezielle Routen dazu in ihr Programm aufzunehmen. Ein Grund aber auch für so manchen Skipper, sein Fahrzeug mit dem Ziel Leuchtturm auf die Reise zu schicken. Und wo bietet sich das mehr an als in der Chesapeake Bay nur eine gute Fahrstunde östlich von Washington DC? 22 Leuchttürme ganz verschiedener Bauart sind allein in der Cheseapeake Bay noch mehr oder minder gut zu besichtigen. Manche von ihnen haben ihren Platz an Land als Museum gefunden, so das Hooper Strait Lighthouse, das im Chesapeake Bay Maritim Museum seinen letzten Ruheplatz gefunden hat.

USA - Das Hooper Strait Lighthouse hat seinen letzten „Ruheplatz“ im Chesapeake Bay Maritime in St. Michaels

Hooper Strait Lighthouse

Das Motorboot hat den kleinen Hafen von Tilghman Island (1) verlassen und Nordkurs eingeschlagen. Seeadlerhorste links und rechts auf den Lichtzeichen der Hafenzufahrt haben für erste Abwechslung gesorgt und nun bleibt etwas Zeit. Erstens natürlich zum Genießen der flotten Fahrt über die weißen Gischtkronen der blauen See und auch für manch Wissenswertes rund um die Leuchttürme der Region. Kate Richards, die Tochter des Skippers, hat eine große Seekarte ausgebreitet. „Sicher haben viele von Euch schon das Maritim Museum in St. Michaels (2) besucht. Ihr seid ja auf der Fahrt zu uns daran vorbei gekommen. Wenn nicht, solltet Ihr auf der Rückfahrt auf jeden Fall einen Stopp einlegen“, so die junge Frau. „Das Hooper Strait Lighthouse in ein ganz typischer Vertreter der Leuchttürme, die mit stählernen Stützen auf dem Meeresboden verankert sind. Doch auch wir werden auf unserer kleinen Kreuzfahrt zwei ganz interessante besuchen.“

USA - Kate Richards, die Tochter des Skippers, erläutert auf der Seekarte, wo die interessantesten Leuchttürme zu finden sind

Kate Richards erläutert auf der Seekarte, wo die interessantesten Leuchttürme zu finden sind

Auf der Karte erläutert sie die Fahrtroute und wenige Minuten später taucht es auf, das Bloody Point Bar Light (3), ein stählernes Monument auf einem mächtigen Betonsockel. Seit 1868 gehört es zu den wichtigen Seezeichen vor der zerklüfteten Küste. Fast 100 Jahre war es von zwei Leuchtturmwärtern besetzt, dann brannte es 1960 komplett aus. „Nur die äußere Hülle und das eigentliche Leuchtfeuer wurden wieder instand gesetzt“, ergänzt Kate Richards den kurzen geschichtlichen Exkurs. „Seither arbeitet es automatisch.“

USA - Das Bloody Point Bar Light

Das Bloody Point Bar Light

Nur eine halber Stunde später kommt der Höhepunkt in Sicht. Das Thomas Point Shoal Light (4) ist das wohl meist fotografierte in Maryland und das einzige seiner Art, das noch an seinem ursprünglichen Platz steht. Alle anderen sind irgendwann durch Eisgang und schwere Stürme zerstört oder auch nur zu ihrem Schutz ans Land gebracht wurden.

USA - Thomas Point Shoal Light

Thomas Point Shoal Light

Bereits 1825 entstand hier an der Einfahrt in den South River vor den Toren von Annapolis ein erstes Leuchtfeuer, das die Zufahrt zur Hauptstadt Marylands sicherer gestalten sollte. Der jetzige Leuchtturm, oder sollte man besser von Leuchthaus sprechen, nahm am 27. November 1875 seinen Dienst auf. „Es ist sicher das attraktivste Leuchtfeuer, das wir unseren Gästen zeigen können“, so Kapitän Richards. Er selbst darf mit seinem Boot nicht anlegen, doch von Annapolis aus gibt es ab und an Ausflüge zum Lighthouse, die einen Besuch des historischen Gebäudes einschließen. „Wenn es um Thomas Point geht, ist Jeff Holland, der Chef des Maritim Museums in Annapolis die richtige Adresse“, ergänzt Kate. „Der kennt jede Schraube und in seinem Museum gibt es dazu sogar eine spezielle Ausstellung.“ Ein guter Tipp für die Weiterreise.

Doch nicht weniger empfehlenswert ist es, die Reise von St. Michaels auf Delmarva in Richtung Süden fortzusetzen. Der Name Delmarva, wahrscheinlich nur Insidern bekannt, setzt sich aus Delaware, Maryland und Virginia zusammen. Das sind die drei Bundesstaaten, die sich das Territorium der Halbinsel teilen.

Leuchttürme besichtigen kann man auch an der Eastern Shore, der Ostküste der Halbinsel. So im Chincoteague National Wildlife Refuge (5), wo auch die wilden Ponys, einer der besonderen Anziehungspunkte der Region, beobachtet werden können.

USA - Die wilden Ponys, für die das Chincoteague Wildlife Refuge bekannt ist

Die wilden Ponys, für die das Chincoteague Wildlife Refuge bekannt ist

„Der absolute Höhepunkt einer Reise auf Leuchtturmspuren wartet zurück auf dem Festland auf Euch“, gibt Kapitän Richards seinen Gästen zum Abschied mit auf den Weg. „Am Ufer des Jamesriver gegenüber Newport News könnt ihr im Hotelkomplex von Smithfield Station (6) in einem historischen Leuchthaus aus dem 19. Jahrhundert wohnen, in dem zwei luxuriöse Suiten das ultimative Leuchtturmerlebnis bereit halten.“ 

Reiseinformationen

Touristische Informationen 

Washington, DC & The Capital Region USA
c/o Claasen Communication
Hindenburgstraße 2
64665 Alsbach
E-Mail: crusa@claasen.de
www.capitalregionusa.de
Kostenlose Hotline: 00800-96534264

Fluganreise

von Frankfurt/München nach Washington DC, zum Beispiel mit United Airlines.

Übernachtung

Es gibt entlang der Route zahlreiche hübsche kleine Hotels oder B&B Unterkünfte.

Zum Beispiel: The Garden&The Sea Inn, New Church, www.gardenandseainn.com unter deutscher Leitung, Smithfield Station, www.smithfieldstation.com

 

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