Aurora borealis
Den
Staub noch auf den Händen kommen wir in Chena
Hot Springs an. Der Ort hat seinen Namen von den heißen Quellen
erhalten, die in den Tundra-Wäldern des Chena River Schutzgebietes
nordöstlich
von Fairbanks verborgen liegen. Da zieht uns auch schon der Schwerfelgeruch
der Therme in die Nase. „Das Wasser hat 40 Grad“, sagt
Nicholas. „Das muss sehr gesund sein!“ Schnell fügt
er hinzu, dass man länger als zehn Minuten auf keinen Fall
im Wasser bleiben soll. Das Resort selbst ist allerdings kein Wellnesshotel
europäischen Zuschnitts, sondern eher sehr rustikal. Die Unterbringung
ist in Holzhäusern oder dem eigenen Campingwagen. Am Fluss
werden wir sofort von Mücken angefallen. Wie halten die Leute
das aus, die wegen der unberührten Natur hierher kommen? Die
auf dem Fluss raften, in den Seen fischen, durch die Wälder
reiten oder einfach nur wandern. Für uns unverständlich,
knattern da noch ATV’s, All-Terrain-Vehicle und rasante,
benzinfressende Snowdoes (die Sommervariante des Snowmobil) durch
die Wälder – das
ist hier kein Öko-Problem.
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Kanufahren auf dem Chena-River und ATV |
Die Hauptattraktion von Chena Hot Springs ist jedoch das Polarlicht, aurora borealis, wie dieses Naturphänomen wissenschaftlich korrekt heißt. Es ist eine wunderbare Laune der Natur, doch leider im Sommer nie zu sehen.
Aufbruch zum Denali Nationalpark
Der berühmteste und drittgrößte Nationalpark Alaskas umfasst eine subarktische Landschaft von einem enormen Wildreichtum. Er ist durch eine Parkstraße erschlossen, individuelles Fahren hingegen ist verboten. „Hier bekommt Ihr alle Wildtiere zu Gesicht“, verspricht Nicholas. „Grizzlys, Elche, Karibus, Dallschafe und mit Glück auch Steinadler.“ Doch zunächst fahren wir auf der Parkstraße durch den Wald aus Fichten, Pappeln und Birken, links und rechts gesäumt von Lodges, Hotels, Souvenir- und Sportgeschäften.
Dann der nächste Tag. Wir steigen wir in einen klapprigen Ex-Schulbus ein. Er wird uns ins Schutzgebiet bringen. Alle sind mit Kamera und Fernglas gerüstet. Fortan müssen wir uns an strenge Verhaltensregeln halten. Aussteigen ist nur noch an den vorgesehenen Plätzen möglich. Kevin, Fahrer und Guide in einer Person, drückt kräftig auf das Gaspedal und hinterlässt eine riesige Staubwolke. Kaum haben wir die Baumgrenze überschritten, sind wir in der Tundra. Man merkt es ihr an: Sie ist eine notleidende Landschaft. Sieben Monate unter Schnee und Temperaturen von minus 40 Grad, und das nicht selten. Welche Landschaft könnte da noch lieblich ausschauen?

Tundra im Denali
Park
Der Boden ist karg und von einem eintönigen Pflanzenteppich bedeckt. Die wenigen hervorstechenden Schwarzfichten sehen aus wie abgenutzte Flaschenbürsten. Selbst im Sommer bleibt der Untergrund kalt. Denn der Permafrost, aus dem 80 Prozent der Fläche Alaskas besteht und der ständig bis zu 300 Meter tief gefroren bleibt, konserviert die Temperatur nahezu gleichbleibend.
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