Frühstück im Salonwaggon
Am nächsten
Morgen bekommen wir ein kräftiges Frühstück
im Salonwaggon serviert. Kaffee, Toast, Spiegeleier, Schinken, Speck
und Melone. Mit Barbara und Mike aus Houston vom Nachbartisch sind
wir schnell im Gespräch. Sie haben sich für mehrere Tage
bei Susan eingemietet, um die Gegend zu erkunden. „Bärenfleisch
schmeckt übrigens nur“, ruft Susan, während sie in
der Waggon-Küche für Collin aus Kalifornien Rührei
macht, „wenn sie keinen Lachs fressen, sondern Blaubären.“ Das
herzliche Lachen der rauchigen Stimme schallt aus der Küche
und alle schauen sich schmunzelnd-fragend an. Ein Susan-Witz.
Goldrauschnostalgie inklusive
Beim Frühstück erfahren wir, dass weiter oben am Chena River der alte Raddampfer Discovery III vor Anker liegt. Ganze Busladungen von Touristen werden am Riverboat Discovery Terminal von Fairbanks ausgeladen, sie haben die Tour auf dem Chena River und flussabwärts dem Tanana River, dem größten Nebenfluss des Yukon, gebucht. Ein Programmpunkt ist die Goldrauschnostalgie, denn der erste Besitzer Charles Binkley hatte die Fährlinie 1898 in Betrieb genommen. Die Schiffssirene ertönt schrill, der Raddampfer setzt sich in Bewegung. Phil, ein Journalist, weist auf Bieberburgen und die typischen Blockhäuser am Ufer hin. Beim „Pump House“ erzählt er, dass das heutige Restaurant einst ein Pumpengebäude war, wo das Wasser vom Chena River in die Goldfelder am Cripple Creek gepumpt wurde.
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Auf dem
Raddampfer Discovery III |
Und dann liegt er vor uns: Der von Jack London beschriebene Cripple Creek, damals eines der goldreichsten Gewässer Alaskas. Ein unscheinbares Bächlein, wenn man bedenkt, dass es einmal 100 Millionen Dollar in purem Gold hergegeben hat.
Huskeys und Rentiere
Wenig später legt der Raddampfer am linken
Ufer bei Susan Butcher, der bekannten Hundesportlerin, an. „Hi
Susan“,
grüßt Phil über das Mikrophon, damit alle mithören.
Susan, die mit ihren Schlittenhunden viermal das
hochkarätige
Iditarod Rennen von Anchorage nach Nome über 1760 Kilometer
gewann, sitzt lässig auf einem Baumstamm und tätschelt
ihre jungen Alaska-Huskeys. „Hi Phil“, hören wir
Susan über die Lautsprecher sagen. Man kennt sich. Susan erzählt
von ihren siebzehn Iditarod Rennen, ihrer Hundezucht und dem Training
auf dem zugefrorenen Fluss im Winter. Zum Schluss öffnet ihr
Mann Dave Monson einen Zwinger und die Huskys führen ein paar
Sprünge vor. Die Dampfpfeife wird gezogen, die Passagiere
klatschen, die Show ist beendet.
Nächster Halt am rechten Ufer, ein Zwinger mit Rentieren. „Rentiere
sind gezähmte Karibus“, erklärt Phil. Mit Wolf
und Grizzly gehört das Karibu (Foto rechts) zu den berühmtesten
Bewohnern Alaskas. Gut, dass die Natur keine Schönheitswettbewerbe
kennt: Mit seinen staksigen Beinen, dem irgendwie plumpen Körper
und der übergroßen Nase wäre das Karibu sicher
chancenlos. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb? – findet
man sein Konterfei auf allen T-Shirts, Trinkbechern und Postkarten.
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