Der Herbst ist anders

An einem sonnigen Herbsttag freilich braucht man viel Fantasie, um sich den sommerlichen Massenauflauf vorzustellen. Dann nämlich herrscht am Strand die beschauliche Atmosphäre eines Seebades in der Nebensaison. Die metallischen Rollläden der meisten Imbissstände sind heruntergelassen, das Riesenrad und die Achterbahn stehen still, und ihre Gerüste sehen aus wie das Skelett einer abgewrackten Fabrik. Vereinzelt machen Familien ein Picknick im Sand, ein paar junge Frauen sonnen sich auf ihren ausgebreiteten Handtüchern, Großväter führen ihre Enkel spazieren, Jugendliche treffen sich nach der Schule zum Radfahren, und wer sonst nichts zu tun hat, promeniert über den hölzernen Boardwalk.

Eine für New Yorker Verhältnisse fast erschreckende Stille und Langsamkeit hat sich breitgemacht. Man hört nur das unaufdringliche Rauschen der Wellen und sieht in der Ferne die Flugzeuge zum Kennedy Airport hinunterschweben.
Man ist unter sich
Die „Brooklynites“ aus den unmittelbar benachbarten Stadtvierteln sind an solchen Tagen unter sich, von Manhattan, Queens oder der Bronx kommt niemand herüber. Auch Touristen verschlägt es kaum nach Coney Island, denn der Strand gehört längst nicht mehr zu den großen New Yorker Sehenswürdigkeiten. Außerdem ist die Fahrt mit der Subway quer durch Brooklyn nicht jedermanns Geschmack, denn der Zug bleibt nicht unterirdisch, sondern fährt lange Zeit als Hochbahn an tristen Häuserzeilen, verwahrlosten Wohnblocks und stillgelegten Fabrikanlagen vorbei. Wenn man dazu noch die „local trains“ der Linie D erwischt, die an jeder Station halten, dann dauert die aufschlussreiche, aber wenig amüsante Fahrt von Manhattan aus beinahe eine volle Stunde.

Früher eine Sehenswürdigkeit: Das Dreamland Pier auf
Coney Island. Historische Postkarte von 1910
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