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Der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einer einigen uruguayischen Nation geschah erst sehr spät und auf einem besonderen Schlachtfeld: dem Fußballplatz. Im Estadio Centenario von Montevideo, errichtet zum hundertjährigen Jubiläum der uruguayischen Verfassung, fand 1930 ein sporthistorisches Ereignis statt: die erste Fußballweltmeisterschaft. Das Stadion, das hunderttausend Zuschauern Platz bietet, ist inzwischen ein Monument der Fußballgeschichte. Es weckt Erinnerungen an die Zeiten, als auf dem Spielfeld noch bedingungslos gestürmt wurde, als ein halbes Dutzend Tore keine Seltenheit waren, als während des ganzen Weltmeisterschaftsturniers auch ohne Verlängerung und Regeltricks kein einziges Spiel unentschieden ausging, und als der belgische Schiedsrichter des Finales von den Organisatoren den Abschluss einer Lebensversicherung verlangte. Erinnerungen werden wach an den Endspielsieg gegen Argentinien, mit dem die Gastgeber die weltweite Überlegenheit des uruguayischen Fußballs bestätigten, die sie durch ihre vorhergegangenen Olympiasiege in Paris und Amsterdam bereits angedeutet hatten.

Die sportlichen Helden waren damals Héctor Scarone, der Ballzauberer, der als Carlos Gardel des Fußballs galt, weil er die Emotionen des Tangos auf den grünen Rasen brachte, ein Artist und Tänzer auf dem Spielfeld, und neben ihm José Nasazzi, der Kapitän der Mannschaft, der als Caudillo des uruguayischen Fußballs angesehen wurde und mehr Respekt genoss als der Staatspräsident. Diese ersten Stars des modernen Fußballsports wurden zu Nationalhelden, weil sie durch ihren Triumph im Estadio Centenario nicht nur ein sportliches Ziel erreichten, sondern gleichzeitig die Einigung der uruguayischen Nation zum Abschluss brachten: Nach einem Jahrhundert Krieg, wechselnden Caudillos und innerer Zerrissenheit gab der Endspielsieg von Montevideo den Menschen das Gefühl, dass ihr Staat mehr als nur ein Zufallsprodukt der Geschichte war, mehr als ein künstliches Gebilde in Folge der Rangelei zwischen Großmächten, mehr als ein bedeutungsloser Fleck auf der Landkarte.

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