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Wie bei Disnókö, ist auch bei Tokaj Hetszölö eine Weinprobe nur in Verbindung mit einer Besichtigung möglich. In den 24 schier endlosen unterirdischen Gängen des siebenhundert Jahre alten Rákóczi-Kellers des Weinguts reifen Tokajer Aszú und Szamorodni in ihren Eichenfässern heran. Die Gänge münden in einen riesigen Saal, gut fünf Meter hoch, zehn Meter breit und 28 Meter lang. Hier wurde 1526 der ungarische König János Szapolyai gewählt. Noch heute ist die historische Halle besonderen Veranstaltungen vorbehalten. Draußen, vor dem Verkaufsraum des Kellers, hält eine Brunnenfigur trunken Trauben in der Hand. Auf dem Hauptplatz wird ein Schwein gegrillt: Auftakt zum alljährlichen Weinfest, das Tokaj mit Marjorettentanz, Musik und abendlichem Festschmaus drei Tage lang Anfang August feiert. Zum Abschluss des schweren Festmahls serviert die Kellnerin mehr als einmal den Rákóczi, einen milden, vollmundigen Weinbrand.

Ungarn Tokaj
Der Weinkeller von Hetszölö

Tokaj-Hegyalja ist Ungarns älteste Weinregion. Bis auf das Jahr 290 nach Christus geht ihre Geschichte zurück, belegt das Tokaj Museum mit Exponaten rund um den Wein und den Weinbau. Die Tokajer Weinstraße führt zu den bedeutendsten Weinorten. Nur 28 Gemeinden mit einer Anbaufläche von insgesamt 5.500 Hektar dürfen die Appellation „Tokaj“ benutzen. In Mád ist die Kellerei der Herrenweine mit dem Orczy-Keller ansässig; in Tarcal residiert die mehrfach international ausgezeichnete Királyudvar-Kellerei. Tolcsva ist die Heimat von Tokaj Oremus, mit 110 Hektar Anbaufläche in zwölf Weinbergen größtes Gut im Gebiet.

Kürbisse, Melonen und Sonnenblumen

Ungarn Tokaj MelonenImmer wieder säumen unterwegs Schilder mit der Aufschrift „Bor“ den Straßenrand: Hier gibt es Wein, direkt vom Erzeuger. Andere Winzer haben ihre Felsenkeller geöffnet und einige Flaschen auf einen Stuhl gestellt, der die Kellertür hält. Ein Zettel mit Bleistiftnotizen dient als Preisliste, ein Kästchen als Kasse. Der Winzer indes dreht seine Runden auf einem niedrigen Mini-Traktor, speziell für die Arbeit im Weinberg hergestellt, lockert den Boden, düngt und sprüht. Auf dem Nachbarfeld ruhen leuchtend orange Kürbisse im Grün; an den Alleebäumen entlang der Landstraße reifen Äpfel. Im Herbst gleicht die Weinroute einer Reise durch den Garten Eden, ist die ungeheure Fruchtbarkeit des Landes offensichtlich. Dort, wo die Weinberge die ungarische Tiefebene berühren, bedecken riesige Felder mit Sonnenblumen das flache Land. Auf der Ladefläche von Pferdegespannen stapeln sich Wassermelonen, die später am Rand der Nationalstraße 3 nach Budapest zum Verkauf angeboten werden.

Als das Gefährt eine breite Brücke überquert, springt ein Mädchen vom Bock, greift Handtuch und Leinentasche und läuft den Hang hinab. Denn nicht nur der Wein, auch das Wasser von Tokaj ist etwas besonderes: Wer den Strand der Stadt besucht, kann am Zusammenfluss von Theiss und Bodrog gleich in den Fluten von zwei Flüssen baden.



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