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Wein der Könige

Ungarn Tokaj WinzerinVorbei an Jahrhunderte alten Trassen mit Pfahlweinstöcken geht es hinauf zu einem Hügel, bekrönt von einem weißen Pavillon. Weit reicht der Blick über die 150 Hektar Anbaufläche. Im Tale schimmert die Theiß, gen Osten markiert eine riesige Antenne den Kahlenberg, das 515 Meter hohe Herz der Weinregion Tokaj-Hegyalja. Im Gras liegt ein schwarzgrauer Fels. „Dies ist unser Namensgeber „Disnókö“, der Schweinefelsen, erzählt Andros, den Sommer über als deutschsprachiger Führer engagiert. So mancher, dessen Wahrnehmung vom Wein ein wenig getrübt war, habe bereits auf die vermeintliche Sau geschossen, fährt er fort und zeigt auf die Einschusslöcher.

Die Region lebt und liebt Legenden wie diese – ist doch der Tokajer angeblich der älteste Weinname der Welt. Und ein königlicher zugleich: Im Jahre 1703 hatte Fürst Ferenc Rákóczi II. dem französischen König Ludwig XIV. zahlreiche Flaschen von seinem Weingut geschenkt. Voller Lobes soll der Sonnenkönig gesagt haben: Vinum Regnum, Rex Vinorum (Wein der Könige, König der Weine). Um dem Wein, im Sozialismus zum häufig gepanschten Devisenbringer verkommen, wieder zu Weltruhm zu verhelfen, schlossen sich 1995 die besten Tokajer Prädikats-Weingüter zur Vereinigung „Tokaj Renaissance“ zusammen. Mit neuem Kapital – fast alle Güter sind in der Hand französischer, spanischer oder italienischer Gesellschaften – wird jetzt Masse, meist mit Klasse, produziert.

Ungarn Tokaj Gasthaus
Schlichte Gastlichkeit in Tokaj

Tokajer nach der arbeitsaufwendigen Originalprozedur stellen nur noch wenige Kleinbetriebe her. Dabei werden die edelfaulen Trockenbeeren der Rebsorte Furmint per Hand ausgelesen und in gegärtem Most oder Grundwein zwölf bis 60 Stunden mazeriert. Nach der Maischestandzeit werden die mit Wein oder Most gefüllten Beeren gepresst, ohne die Kerne zu beschädigen, und der Saft abgelassen. In Fässer gefüllt, reift der Wein mindestens vier Jahre in Tuff-Felsenkellern. Abhängig davon, wie viele „Puttonyos“, die mit Trockenbeeren gefüllten Holzbutten, auf ein 136-Liter-Fass Grundwein gegeben wurden, sind zwei- bis sechsbuttige Aszú im Handel. Je mehr „Puttonyos“ das Etikett der Flasche zieren, desto höher ist die Restsüße des Weines – und umso geringer der Alkoholgehalt. Nur fünf bis sechs Prozent Alkoholgehalt enthält der Aszú-Escenzia, der reine, über mehrere Jahre vergorene Nektar der Beeren. „Von den Weinen der besten Jahrgänge bewahren wir stets ein paar hundert Flaschen Essenz für Sammler auf“, sagt Laszló Mészáros, seit 1995 Direktor von Disnókö.

Auch die Brunnenfigur ist trunken

Die guten, reifen Trauben des Furmint, die nicht von der Edelfäule des Botrytis-Pilzes überzogen sind, werden zu fruchtig-frischem Weißwein verarbeitet. Ungewöhnlich große Blätter sind das Erkennungszeichen vom Hárslevelü, einer ungarischen Rebsorte mit großen und lockeren Fruchttrauben, die dem Wein einen duftigen und sanften Charakter verleihen. Früh reifender Gelber Muskatteller ist nur auf zwei Prozent der Anbauflächen zu finden. Zurückgekehrt ist auch der Fedörwein: 1999 pflanzte András Kanczler, Kellermeister von Tokaj Hetszölö, auf dem vulkanisch durchsetzten Lößboden erstmals wieder neue Köveszölo-Rebstöcke, die zuvor der Reblaus zum Opfer gefallen waren. Rotwein darf in dieser Weinregion nur zu Versuchszwecken angebaut werden.



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