
Der Wein als Wegweiser
Eine Genießerreise durch den Norden von Ungarn
Text und Fotos: Hilke Maunder
Eine halbe Autostunde östlich von Budapest beginnt Ungarns Weinviertel. In keiner anderen Landschaft des Landes findet der Gourmet eine solche Auswahl an Kostbarkeiten aus Küche und Keller. Unsere Autorin Hilke Maunder hat sich dort umgesehen.

Bei der Weinlese im Norden Ungarns
Wolkenberge ballen sich über einem Hügelland in Grün: Weißwein, wohin das Auge blickt. Siebentausend Hektar Reben bedecken seit Jahrhunderten die Hänge des Mátragebirges. Kleine Holztafeln, sorgfältig mit Kreide beschriftet, verraten vor jeder Rebenreihe die Sorte: Hier wächst ein Welschriesling, dort ein Rieslingsilvaner, weiter drüben werden Sauvignon Blanc und Chardonnay angebaut. Nachhilfe beim Traubenraten in Ungarns größtem historischen Weingebiet bietet der Weintraubengarten von Nagyréde. Die späte Lese der weißen Trauben bescherte der Region das wohl schönste Dessert: Traubenpudding mit Muskatsoße.
Barockkirche und Minarett
Hinter Mátrafüred wird die Straße schattig, weichen Sonnenblumen und Wein Eichen- und Buchenwäldern. In weiten Kehren führt sie hinauf zu Ungarns höchstem Berg, dem 1.015 Meter hohen Kékestetö. Seine Panoramasicht reicht gen Süden weit in die ungarische Tiefebene, gen Norden bis zu den Bergen der Slowakei. Gut markierte Wanderwege durchziehen die Wälder und Wiesen ringsum. Einige Frauen haben Körbe mitgebracht und sammeln Pilze. Mitten durch das Mátragebirge führt die Nationalstraße nach Eger.

Über den Dächern von Eger
Das einstige Erlau gilt als schönste Barockstadt Ungarns. Seit dem elften Jahrhundert Bischofssitz, sollte ihre ehemalige Kathedrale im fünfzehnten Jahrhundert zur größten Hallenkirche Mitteleuropas ausgebaut werden – ein Projekt, das nie verwirklicht wurde. So entstand schließlich nicht das größte, sondern schönste barocke Gotteshaus: die Minoritenkirche am Dóbo-István-Platz.
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