Alles wie ein großes Theater
Im Saal des Deutschen Hauses hängt die deutsche neben der österreichischen Fahne. Ein alter Czernowitzer bekennt: „Für uns spielt das keine Rolle. Es ist doch egal, ob Österreicher oder Deutscher. Wir sprechen deutsch und halten es noch immer so wie früher. Es gibt Polen, Rumänen, Ukrainer, Juden. Wir respektieren einander und reden miteinander. Manche eben auf Deutsch.“ Wie im Wiener Kaffeehaus in der Herrengasse. Es scheint der Treffpunkt aller deutschsprachigen Touristen zu sein. Sie genießen den Kaffee und das südliche Flair der Altstadt, das verfliegt, je weiter man sich von seinem Zentrum entfernt.

Der Ringplatz von Czernowitz
Die klassischen Fassaden weichen grauem Beton und dem Hotelklotz „Czeremosch“. An diesem Tag ist es bunt geschmückt und streng bewacht, denn der Hotelbesitzer, der gleichzeitig Parlamentsabgeordneter ist, lädt ein zur Geburtstagsparty. Alles gleicht einem „bolschoi Teatr“ - einem großen Theater. Gegeben wird das Stück „Macht“. Eine glitzernde Show mit Champanskoe, jungen Frauen und einem kleinem Hund auf einem Geschenkberg, umringt von Bodygards in goldbetressten pinkfarbenen Uniformen und jungen Milizionären.
Auf der Straße warten mein Bus und ein anderer Teil der Wirklichkeit. Vor den Toren der Stadt breiten die Kartoffelfeuer ihren wärmenden Schein über den Feldern aus. Der brandige Geruch erinnert an den nahenden Herbst. Eine Alte treibt gemächlich zwei Kühe die Straße entlang. Pferdewagen rollen in der Abenddämmerung zurück in die Dörfer. Vollbeladen. Für den nächsten Winter ist gesorgt.
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