Tuvalu
schwarzaufweiss
Fotos: © Uwe Casper
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Kurzportrait
Gerade einmal achtzehn Deutsche machten sich 2007 auf ins ferne Tuvalu, einer Inselkette im westlichen Pazifik entlang der Datumsgrenze am 180. Längengrad, wo man von heute nach gestern (und umgekehrt) wechseln kann. Sie trafen dort auf 35 Briten, 16 Franzosen und weitere 18 Europäer. Das war alles, was der alte Kontinent entsandte, während Japaner gleich eine Zweihundertschaft stellten, die Nachbarn von den Fidji-Inseln nur unbedeutend weniger, gefolgt von Australiern und Neuseeländern. Tuvalus Besucherstatistik registrierte 2007 1.130 Touristen, nicht mehr und nicht weniger als vor zehn Jahren oder fünf Jahren und auch in naher Zukunft werden die Zahlen ähnlich lauten. Zu unbekannt ist das exotische Reiseziel. Seine touristische Infrastruktur steckt noch in den Anfängen und die Regierung legt sich dafür nicht ins Zeug, fürchtet sie doch um die kulturelle Identität ihrer Landsleute. Allein die Verkehrsanbindung ist so schlecht, dass der von manchen schon an die Wand gemalte „Massentourismus“ so bald nicht über die neun Inseln hereinbrechen wird.
Das bescheidene touristische Angebot Tuvalus genügt der konstant schwachen Nachfrage. Es gibt seit vielen Jahren nur ein einziges Hotel im Inselstaat, das von der Regierung geführte Vaiaku Lagi Hotel an der Lagune von Funafuti mit 16 Zimmern, die einen perfect sunset view versprechen. Eine Handvoll einfacher Lodges und Guesthouses vervollständigen das Angebot. Auf den outer islands, die zum Teil Hunderte von Kilometern vom Hauptatoll Funafuti entfernt in den Weiten Ozeaniens winzige Korallenatolle bilden, erwarten die seltenen Gäste noch einfachere, dafür preiswerte Unterkünfte in Guesthouses. Bis auf das Miniatoll Niulakita, wo man auf eine Privatunterkunft hoffen muss, verfügt jede Insel über ein Guesthouse. Flugverbindungen zu den Atollen gibt es nicht. Einzige Nabelschnur sind die beiden staatseigenen Kombischiffe „Nivaga II“ und „Manu Folau“, die jede Insel alle drei bis vier Wochen anlaufen – sofern das Wetter mitspielt und keine Reparaturen anstehen oder Sondertouren für VIPs den Fahrplan durcheinander bringen.

Eine Rundtour durch Tuvalus Inselwelt ist ein Erlebnis der besonderen Art. Man sollte auf Überraschungen gefasst sein, denn auch Schweine und Hühner reisen mit und in den seltensten Fällen sind die Passagiere seefest, die hygienischen Verhältnisse ungewohnt und die Mahlzeiten von frustrierender Eintönigkeit (ein Reisender hielt fest: Corned beef and rice, or rice and corned beef). Man sollte, so empfehlen erfahrene Inselhüpfer, lots of drinking water as well as your own food mit sich führen. Die Rundtour hat den Vorteil, dass man in der Regel nachts unterwegs ist, tagsüber Ladung und Passagiere ausgetauscht werden, also Zeit genug bleibt, die Inseln zu erkunden. Wer längere Zeit auf einem Eiland verbringen will, ist herzlich willkommen. Das Palaver mit dem island council regelt die Unterkunft im Guesthouse und sollten die Ankömmlinge auch noch jede Menge hochwertige Lebensmittel eingepackt haben und über ein üppiges Zeitpolster verfügen können, werden die Tage und Wochen fern aller Hetze und lästiger Zwänge unvergesslich bleiben. Ob die Rückfahrt wie vorgesehen stattfindet oder wetterbedingt mit etlichen Tagen Verspätung oder ob gar nichts passiert und irgendwann vielleicht ein Patrouillenboot die Handvoll Fremden aufpickt und zu einem Flieger bringt, der längst entschwunden ist – das ist alles nicht absehbar und so mancher freut sich insgeheim über die Verlängerung des Abenteuers Südsee.

Funafuti
Es ist eng geworden auf den 2,79 km² des Hauptatolls. Fast die Hälfte der Bevölkerung des kleinen Inselstaats drängt sich hier zusammen und immer mehr Tuvaluer verlassen ihre abgelegenen Inseln und versuchen einen Neuanfang. Das ist verständlich, ist hier doch die Versorgung einfach besser, es gibt ärztliche Betreuung und die Aussicht auf einen Job ist größer als irgendwo sonst auf den Inseln. Dass der Bevölkerungsdruck und die veränderten Lebensgewohnheiten, zu denen der Konsum von Unmengen in Plastik oder Blech verpackter Importlebensmittel gehört (mit alarmierenden Entsorgungsnöten!), den Lokalpolitikern aktuell mehr auf den Nägeln brennt als die Konsequenzen eines weiteren Anstiegs des Meeresspiegels, wird auf Funafuti überdeutlich.
Am besten leiht man sich ein Fahrrad oder Moped und tourt damit über Fogafale Islet, die mit 12 km Länge und 10 bis 400 m Breite größte Riffinsel Funafutis. Zentrum des Geschehens ist die geteerte Flugpiste, beliebte Flaniermeile und Ballspielplatz zugleich, Radler kurven durch vergnügte Menschengruppen, Jogger ziehen ihre Bahn, in heißen Nächten kampieren hier ganze Familien mit ihren Kleinkindern auf farbenfreudigen Schlafmatten und Kissen. Nähert sich ein Flugzeug, ertönt die Feuersirene und das Publikum räumt die Landebahn und rückt die Imbissbuden beiseite. Um die Piste herum gruppieren sich die wichtigsten Einrichtungen wie Post und Nationalbank, Lodges und Shopping Center, Bars und Motorradverleih.
Atemberaubend ist Funafutis Lagune. Sie ist 24 km lang und rund 18 km breit, besitzt zwei schmale und zwei breite Riffpassagen, die auch größere Schiffe passieren können, um an Funafutis Tiefseeanleger festzumachen. Eine halbstündige Motorbootfahrt bringt Neugierige zum westlichen Lagunenriff, wo sich fünf winzige Riffinseln (Fualopa, Fuafatu, Vasafua, Fuagea, Tefala, die sechste, Tepuka Savilivili, verschwand 2005, als eine Monsterbrandung über die Insel hinwegtobte) zusammen mit Teilen der Lagune und der offenen See zur 33 km² großen Funafuti Conservation Area vereinen. Das 1996 eingerichtete Schutzgebiet soll der arg strapazierten Natur des Atolls Raum und Zeit zur Regeneration gewähren (to conserve the marine and land based biodiversity -plants, animals, ecosystems- of Funafuti atoll based on the sustainable use of natural resources for the benefit of the community and their descendants). Jagen, Fischen und Sammeln sind strikt untersagt, nicht aber das Baden, Wandern, Schnorcheln oder Picknick. Diese Regelunghat sich offenbar bewährt, denn die Einheimischen stehen hinter dem Projekt und die Erholung der Natur macht sichtbare Fortschritte. Die geschützten Zonen sind die Kinderstube für farbenprächtige Rifffische und Zackenbarsche, für Snapper, Kaiserfische oder Seedrachen, auch für Seevögel wie die neugierige Australseeschwalbe und Schildkröten (green turtle), die an den schneeweißen Korallenstränden ihre Eier ablegen. Auf den fünf unbewohnten Inselchen grünt es üppig – 40 % der heimischen Breitblatt-Vegetation gedeihen hier. Auch die Bestände der Riesenmuscheln, der Hummer, Garnelen, Schnecken, Korallen und Algen haben sich erholt und die Kokosnusskrabbe macht ihrem Zweitnamen „Palmendieb“ wieder alle Ehre.
Das winzige Funafala nahe der Südspitze des Atolls gibt in seiner Abgeschiedenheit und traditionellen Lebensweise einen Vorgeschmack auf die „outer islands“.

Zu den äußeren Inseln
Nochmals: Die beiden staatseigenen Versorgungsschiffe geben ihr Bestes, kein Zivilisationsflüchtling auf Zeit wurde jemals auf seiner Insel vergessen. Ein Schiff wird kommen, nur wann genau, lässt sich nicht sicher vorhersagen.
Nicht weit von Funafuti, nur rund 100 km nordwestlich, liegt das Nukufetau-Atoll, 2,99 km² groß, neben Funafuti einziges Atoll mit breiter Durchfahrt in die Lagune, was von Yachtkapitänen gerne genutzt wird. Die Bevölkerung ist gastfreundlich und die Lagune ein Erlebnis. Acht bis neun Stunden dauert die Überfahrt von Funafuti nach Vaitupu. Vor dem Anlanden müssen die Passagiere in kleine Boote umsteigen („transfers can be tricky“). Die überraschend dicht bewachsene Insel (5,63 km²) mit zwei Lagunen bietet interessante Wanderpfade. Im Dorf südlich des Hafens stößt man auf einen Grabstein, der an Heinrich Nitz aus Stralsund erinnert. Er starb hier 1906 nach einer langen Karriere als Händler und Stammvater vieler Vaitupuer.

Elf Inseln, eine kleiner als die andere, reihen sich auf dem Korallenrund des Nui-Atolls (2,83 km²) auf. Bei Niedrigwasser kann man von einer Insel zur nächsten wandern und sich den schönsten palmenbestandenen Strand aussuchen. Tuvalus südlichste und kleinste Insel Niulakita (0,42 km²) hat den anderen Eilanden fruchtbaren Boden und dichte Vegetation voraus und ihre weißen Strände sind ein wahrer Südseetraum. Sie wird erst seit 1949 vom überbevölkerten Niutao aus besiedelt. Vorher war das ellipsenförmige, nur einen Kilometer lange Inselchen Lieferant von Guano und später von Kokosnüssen, trug imposante Namen wie La Solitaria (so taufte sie der spanische Entdecker) und Indipendence, nach dem Willen eines amerikanischen Walfängers, dann Sophia, schließlich Rocky. Am anderen, nördlichen Ende der Inselkette schwimmt das Nanumea-Atoll (3,87 km²) fast 500 km von Funafuti entfernt einsam in den Fluten des Pazifischen Ozeans. Wie kaum auf einer anderen Insel des Archipels wird hier noch traditionelles Familien- und Dorfleben gepflegt. Fünf Inseln bilden die „Landmasse“ des sichelförmigen Atolls. Es erstreckt sich über 11,5 km und erreicht eine Breite von nahezu 2,4 km. Zwei Lagunen weist es auf und einen Süßwasserteich, eine absolute Rarität auf Atollen.
Eckart Fiene
Adressen,
Links und Bücher

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Reiseinfos
Naturraum: Die neun kleinen Inseln Tuvalus liegen im westlichen Pazifik ungefähr auf halbem Wege zwischen Hawaii und Australien. In Nordwest-Südost-Ausrichtung reihen sie sich zwischen 5 und 11 Grad südlicher Breite sowie 176 und 180 Grad östlicher Länge auf – unmittelbar westlich der Datumsgrenze. Von Tuvalus Hauptinsel Funafuti sind es 3.600 km nach Brisbane an der Ostküste Australiens, dem nächstgelegen Festland. Die Entfernung zum Hauptatoll Tarawa des nördlichen Nachbarstaats Kiribati beträgt 1.300 km und zur Hauptstadt Suva des südlichen Nachbarn Fidji sind es 1.200 km. Sechs der neun Inseln (Nanumea, Nui, Vaitupu, Nukufetau, Funafuti, Nukulaelae) sind typische Korallenatolle. Ein Kilometer langes Korallenriff (rund oder oval, auch nahezu quadratisch mit Durchflussrinnen zum offenen Meer) umschließt eine Lagune. Auf den Riffflächen haben sich langgestreckte, flachgründige Inseln (Korallensand auf Korallenkalk) gebildet, die von genügsamen Kokospalmen besiedelt werden. Die Inseln Nanumanga, Niutao und Niulakita haben sich auf flächigen Tafelriffen entwickelt und dabei Salzwasserteiche ohne direkte Verbindung zum Meer mit ihrer „Landmasse“ umschlossen. Auf keiner Insel gibt es oberirdische Süßwasservorkommen. Die reichen Niederschläge versickern sofort im porösen korallinen Untergrund. Deshalb sind überall Tanks und Auffangbecken aufgestellt.
Als größtes Problem könnte sich für Tuvalu ein signifikanter Anstieg des Meeresspiegels erweisen, reichen doch die höchsten Erhebungen nicht über 5 m hinaus, im Landesdurchschnitt sind es 4 m. Die Situation wird zusätzlich verschärft durch den Abbau von Korallenkalk, die umfangreiche Entnahme von Sand an den Stränden als Baumaterial und die Verwendung von Unterholz als Brennmaterial. Während des Pazifikkrieges legten die amerikanischen Truppen auf Funafuti einen Flugplatz an. Das dafür benötigte Baumaterial entnahmen sie dem fragilen Riff und zerstörten auf diese Weise ein Drittel des kultivierbaren Landes, wovon zahlreiche „künstliche Lagunen“ noch heute Zeugnis ablegen. Sie sind zu Müllhalden und Brutstätten von Ungeziefer verkommen.
Tuvalu weist ein tropisch-feuchtes Klima auf mit durchschnittlich 3.000 mm Niederschlag jährlich und nur minimalen jahreszeitlichen Temperaturschwankungen bei Höchsttemperaturen zwischen 27 und 32 Grad. In den Monaten März bis Oktober weht der Nordostpassat. Wenn der Wind auf West dreht, besonders im Zeitraum November bis Februar, nehmen die Regenfälle stark zu, häufig in Verbindung mit tropischen Wirbelstürmen. Die relative Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 74 und 81 %.
Die nährstoffarmen Böden bringen keine üppige Vegetation hervor. Kokospalmen dominieren, gut gedeihen auch der Pandanusbaum, Taro, Bananen und Brotfruchtbäume. Ähnlich artenarm ist die Tierwelt. Als einziges „wildes“ Säugetier lebt die polynesische Ratte gut von dem reichen Abfallangebot. Ganz anders die Unterwasserwelt Tuvalus mit einer großartigen Formen- und Artenvielfalt.
Geld/Währung: Landeswährung ist der australische Dollar. Bezahlung mit Kreditkarten ist nicht möglich, auch gibt es keine Geldautomaten. Daher sollte man genügend Bargeld für die Dauer des Aufenthalts mit sich führen.
Einreisebestimmungen: Benötigt wird ein noch mindestens 6 Monate über den beabsichtigten Aufenthalt hinaus gültiger Reisepass. Bei der Einreise wird ein kostenloses Visum erteilt. Der deutsche Kinderausweis wird nicht anerkannt. Kinder müssen entweder mit eigenem Reisepass reisen oder in den Reisepass eines Elternteils (mit Lichtbild!) eingetragen werden.
Medizinische Hinweise: Medizinische und zahnärztliche Versorgung ist außerhalb der Hauptinsel nicht gewährleistet. Die persönliche Reiseapotheke sollte gut gefüllt sein und es sollte Impfschutz gegen Typhus, Polio, Tetanus und Hepatitis A bestehen. Wirkungsvolle Mittel gegen Mücken sind angebracht. Der Abschluss einer Auslandsreise-Krankenversicherung, die auch einen Rücktransport im Notfall garantiert, ist dringend zu empfehlen.
Statistik
Landesfläche: Die zum polynesischen Kulturkreis gehörende Inselgruppe Tuvalu im Westpazifik zählt mit 25,63 km² (so groß wie Norderney) zu den kleinsten Staaten der Erde. Mit 5,63 km² und 1.590 Einwohnern ist das Atoll Vaitupu fast schon ein Gigant im Vergleich zu dem Riffinselchen Niulakita mit gerade einmal 0,42 km² und 35 Einwohnern. Die Inseln verteilen sich laut der von Tuvalu beanspruchten 200-Meilen-Zone über ein Meeresgebiet von ca. 1,3 Mio. km². Zwischen Tuvalus nördlichstem Atoll Nanumea und Niulakita weit im Süden liegen etwa 670 km, was der Luftlinie Berlin-Klagenfurt oder Paris-Marseille entspricht.
Geschichte und Staat: Polynesier besiedelten vor mehr als 2.000 Jahren die Atolle Tuvalus. Als erster Europäer ging der Spanier Alvaro de Mendaña auf der Suche nach Gold 1568 in Nui und 1595 in Niulakita an Land. Später benannte man die Inseln nach dem im Schiffsfrachtgeschäft tätigen Briten Edward Ellice. „Blackbirders“, brutale Menschenhändler, verschleppten ab 1850 Hunderte Insulaner als Zwangsarbeiter nach Südamerika. Um sich gegen die Menschenjäger zu schützen, plädierten die Bewohner der Ellice-Islands für den Status eines britischen Protektorats. 1916 wurde daraus eine Kolonie. In den 40er Jahren geriet die Inselwelt in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Japan und den USA. 1974 sprachen sich die Tuvaluer mit großer Mehrheit für die Selbständigkeit aus. Seit dem 1. Oktober 1978 ist Tuvalu ein unabhängiger Staat, eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations. Königin Elisabeth II. ist mithin offizielles Staatsoberhaupt, vertreten durch einen einheimischen Generalgouverneur.
Die politischen Geschäfte betreibt der Premierminister, der dem Einkammerparlament mit 15 gewählten Mitgliedern vorsteht. Jedes Atoll hat einen gewählten Inselrat, der für die örtlichen Belange zuständig ist.
Verwaltungssitz: Vaiaku (ca. 600 Einwohner) mit allen Regierungsgebäuden liegt auf der zum Hauptatoll Funafuti (ca. 5.000 Einwohner) gehörenden Riffinsel Fongafale. Als Hauptstadt wird jedoch das Atoll Funafuti bezeichnet.
Bevölkerung: Schätzungen aus 2008 sprechen von 11.000 Einwohnern. Die zunehmende Überbevölkerung vor allem auf dem Hauptatoll Funafuti, wohin immer mehr Bewohner der „outer islands“ auswandern, zwang die Regierung Tuvalus zu ungewöhnlichen Schritten. So bat sie Australien und Neuseeland, jährlich ein bestimmtes Kontingent als Gastarbeiter aufzunehmen. Neuseeland war sofort bereit, so dass bereits 2006 2.625 Tuvaluer in Neuseeland lebten.
Die Bevölkerung des Inselstaats besteht zu 96% aus Polynesiern. Angehörige der beiden anderen großen Kulturkreise Ozeaniens, Melanesien und Mikronesien, sowie eine Handvoll Europäer teilen sich die restlichen 4%.
Mehr als 90% der Einwohner gehören der Christian Church of Tuvalu an. Außerdem gibt es kleine Glaubensgemeinschaften von Katholiken, Mormonen, Bahais u. a. Muttersprache fast aller Tuvaluer ist das mit dem Samoanischen verwandte polynesische Tuvaluisch, das in zwei Dialekten (Nord-T. und Süd-T.) gesprochen wird. Auf dem Atoll Nui ist Kiribatisch, die Sprache des nördlichen Nachbarstaats Kiribati, gebräuchlich. Englisch ist weit verbreitet und gilt als zweite offizielle Sprache.
Verkehr/Transport: Die kurze Piste auf Funafuti, die ein Fünftel der Atollfläche einnimmt, verkraftet keine großen Jets. In jedem Fall ist Suva, die Hauptstadt der Fidji-Inseln, Zwischenstation für Flugreisende. Sie müssen hier in kleinere Turbopropmaschinen der Air Fidji (2 mal wöchentlich) oder der Air Pacific (1 mal wöchentlich) umsteigen für die letzte 2 Stunden-20 Minuten-Etappe nach Tuvalu. Seit kurzem bemüht sich Ellice Islands International Airways, mit 4 geleasten Embraer 170LR-Jets (bis zu 70 Passagiere) weiter entfernte regionale Ziele mit Funafuti zu verbinden. Auf dem Hauptatoll kann man sich mit Taxis kutschieren lassen, die schönste Art, die Insel zu erkunden, ist aber eine Tour mit dem Leih-Motorrad (10 A$ pro Tag) oder dem Leih-Moped. In Tuvalu wird links gefahren. Seit 2002 gibt es einen 8 km langen geteerten Straßenabschnitt.
Wirtschaft: Tuvalu hat abgesehen vom Fischreichtum in seinen Hoheitsgewässern keine nennenswerten natürlichen Ressourcen. Der größte Teil der Bevölkerung ist traditionell in der Fischerei und in der wegen flachgründiger und nährstoffarmer Böden wenig ertragreichen Garten- und Landwirtschaft tätig, vorwiegend zur Eigenversorgung. Die Importe (Nahrungsmittel, Maschinen, Brennstoffe, Fahrzeuge) steigen kontinuierlich, während die Exporte (Kopra, Fische, Sammler-Briefmarken, einfache Holzprodukte) zurückgehen. Die Handelsbilanz konnte bisher mit Mühe ausgeglichen werden dank der Verpachtung von Fischereirechten und der millionenschweren Veräußerung der Vermarktungsrechte für das Internet-Adressensuffix „tv“ sowie Transferzahlungen von im Ausland arbeitenden Tuvaluern und von auf ausländischen Frachtern angeheuerten tuvaluischen Seeleuten (2001 waren es 455 auf 54 Schiffen, 2007 noch 342 auf 39 Schiffen, Überweisungen: 2,5 Mio. Austr. Dollar in 2007).
Neben der isolierten geographischen Lage und den beträchtlichen Entfernungen zwischen den einzelnen Inseln, die Transporte schwierig und teuer machen und zu einem spürbaren Wirtschaftsgefälle zwischen der Hauptinsel und den „outer islands“ beitragen, beeinträchtigen auch Probleme mit der Abwasser- und Abfallentsorgung und die zunehmende Versalzung der Böden die Entwicklung des Inselstaats. Die EU leistet auf diesem Feld massive finanzielle und fachkundige Hilfe, wie ihrem „Country Strategy Paper for Tuvalu 2008-2013“ zu entnehmen ist. Entwicklungshilfegelder stützen in erheblichem Umfang den Staatshaushalt.
Ob der Tourismus Zukunftschancen hat, ist fraglich. Schlechte Verkehrsanbindungen verhindern dies jedenfalls zur Zeit. Überdies lehnt die Regierung „Massentourismus“ grundsätzlich ab. Davon kann bis auf weiteres ohnehin keine Rede sein bei durchschnittlich 1.100 Besuchern jährlich. Die touristische Infrastruktur ist nur schwach entwickelt, genügt aber der derzeitigen geringen Nachfrage. |