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Tunesien

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Fotos:
© Anita Ericson





 

Kurzportrait

Unter den vielen Urlaubern, die es jedes Jahr an Europas "Badewanne" zieht, sind die weitläufigen Strände und komfortablen Hotels des kleinen gastfreundlichen Landes am südlichen Mittelmeer zu einem begehrten Reiseziel geworden. In erstaunlich kurzer Zeit haben einheimische Tourismusplaner in enger Abstimmung mit großen europäischen Reiseunternehmen hier ein Ferienparadies entstehen lassen, das kaum Wünsche offen läßt. Der boomende Strandtourismus zog nicht nur kleinere Reiseveranstalter mit Spezialprogrammen nach, auch die staatlichen Stellen gaben dem Tourismussektor mit qualitativ hochwertigen Angeboten neue Impulse. So gesellt sich zu den unbeschwerten Sonnen- und Badefreuden an den Küsten ein breites Spektrum fesselnder Unternehmungen im Binnenland, wie etwa archäologische Stippvisiten und Begegnungen mit der Welt des Islam oder abenteuerliche Wandersafaris und Trekkingkarawanen.

Hammamet

Im gleißenden Licht Hammamets


Badetouristen werden wohl stets das Gros der Auslandsgäste ausmachen. Für sie wurde vor nicht langer Zeit mit Tabarka eine neue Urlaubsregion erschlossen. Sie liegt im grünen Nordwesten nahe der algerischen Grenze und zeichnet sich durch schöne Sandstrände aus, eingerahmt von den Pinien- und Korkeichenwäldern des bergigen Hinterlands. Anders als in den bekannten Badeorten geht es hier noch recht geruhsam zu. Folgt man der Küste zunächst nach Osten, dann nach Süden, ist Nabeul das nächste Urlaubsdomizil, ein quirliger Ort mit viel Ambiente, wo man noch auf traditionelles Handwerk stößt und wöchentlich sogar ein Kamelmarkt stattfindet. Nur 12 km südlich liegt das berühmte Hammamet mit seinen langen, feinen Sandstränden und üppiger Vegetation. Tunesiens ältestes, noch immer stark expandierendes Urlaubszentrum bietet seinen Besuchern außer Strand- und Hotelleben auch eine sehenswerte Médina (Altstadt) mit unzähligen Basargassen. Auch Sousse kann mit einem prächtigen Sandstrand aufwarten. Orientalische Atmosphäre entfaltet sich in den engen, mittelalterlichen Souks, den Straßen der Händler und Handwerker in der Altstadt. Hier läßt sich so manch` hübsches, kunsthandwerkliches Souvenir mit ein wenig Feilschen günstig erstehen. In der Verlängerung des Strandes von Sousse wurde das moderne Ferienzentrum Port el Kantaoui errichtet. Ein malerisch im maurischen Stil angelegter internationaler Jachthafen ist der Glanzpunkt des aufstrebenden Städtchens. Die nächste Perle im Kranz der Seebäder ist Monastir mit dem Vorort Skanes, 15 km südlich von Sousse. Phönizier gründeten diese pittoreske Hafenstadt, die in ihrem restaurierten alten Stadtviertel Chraga mit dem 796 erbauten Ribat eine der ältesten arabischen Festungsanlagen Nordafrikas bewahrt. Folgt noch Mahdia am Cap Africa, einer felsigen Halbinsel, darauf alte Stadtquartiere und die Festung Bordj el Kebir zu erkunden sind. Zu Füßen liegt der bedeutende, auf Sardinenfang spezialisierte Fischereihafen und vor dem Städtchen erstreckt sich bis zum Horizont der wohl schönste und feinsandigste Strand Tunesiens. Einen weiten Sprung die Küste hinunter liegt - mit dem nahen Festland durch einen Damm aus der Römerzeit verbunden - die Insel Djerba. Kilometerlange Sandstrände, eine gute Hotellerie, zahllose Sportangebote und lohnende Ausflugsziele lassen bei Bade- wie Aktivurlaubern dieser Hochburg des Tourismus keine Langeweile aufkommen.

Tunis

Unterwegs in den Gassen von Tunis

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Das großstädtische Tunis, hoch im Norden des Landes, Metropole der Republik und Sitz der Arabischen Liga, zeigt in seinem Stadtbild europäische und orientalische Züge. Es sind begreiflicherweise die weitläufigen Souks und mittelalterlichen arabischen Paläste, vielleicht auch die barocken Fassaden aus dem Novecento, weniger die modernen Bürotürme, die Besucher in Entzücken versetzen. Einer der alten Paläste aus dem 19. Jahrhundert beherbergt das Bardo-Nationalmuseum mit einer großartigen Sammlung von Statuen und Mosaiken aus römischer und frühchristlicher Zeit.
Als Farbenfest in Blau und Weiß präsentiert sich das nahegelegene mittelalterliche Dorf Sidi Bou Said, das der Expressionist August Macke 1914 in seinen Aquarellen verewigt hat ("Die Tunisreise"). Noch in guter Erinnerung aus dem Geschichtsunterricht ist die heutige Ruinenstadt Karthago am Rande von Tunis. Von hier aus beherrschten die Phönizier das westliche Mittelmeer, ehe sie 146 v. Chr. der römischen Übermacht weichen mußten. An diesem Ort in der römischen Provinz "Africa" verfaßte Jahrhunderte später der große Kirchenlehrer Augustinus viele seiner Schriften. Hier und nicht in Rom wurden die Fundamente für die lateinische Gestalt des westlichen Christentums gelegt. Die historische Bedeutung der Provinz "Africa" als Teil des römischen Imperiums und als Schauplatz der frühchristlichen Bewegung belegen zahllose hochinteressante Fundorte und Ausgrabungsstätten im bergigen Norden Tunesiens.


Bevor wir in die südlichen Wüstenzonen aufbrechen, führt uns ein Abstecher nach Kairouan, in die älteste islamische Stadt Nordafrikas, verehrt von den Muslimen als viertheiligste Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem. An ihre frühmittelalterliche Blütezeit erinnert die zum Weltkulturerbe zählende ehrwürdige Altstadt mit der schon 672 errichteten Sidi Oqba-Moschee.

Tunesien


Die Oasenstadt Gafsa gilt als Eingangtor zu den Wüsten in Tunesiens Süden. Doch ehe man in die schneeweiße Dünenlandschaft eintauchen kann, schiebt sich im gleißenden Sonnenlicht die endlos erscheinende, glitzernde Fläche einer Salzpfanne ins Bild. Der teilweise ausgetrocknete, an anderen Stellen morastige Salzsee Chott el Djerid, eines der interessantesten Naturphänomene der Sahara, erstreckt sich auf einer Fläche von 5.600 km² (gut zehn Mal so groß wie der Bodensee!) quer durch das mittlere Tunesien. Tozeur, inmitten einer Palmenoase an seinem nördlichen Ufer, ist bekannt für die Lehmziegelarchitektur seiner Médina. Von hier führt eine 37 km lange Teerpiste über den Chott nach Kebili und weiter nach Douz, Ausgangspunkt für Kamelsafaris durch das Sandmeer bis hinunter zur Oase Ksar Ghilane im "Grand Erg Oriental", der großen östlichen Sandwüste.


In reizvollem Kontrast zur Weite des wüstenhaften Südens legt sich das mächtige Kalksteinplateau des Dahar-Berglandes zwischen Wüste und Küstenregion. Seine Bergdörfer und Erdhöhlensiedlungen sind das Rückzugsgebiet der Berber. Dicht an die ockerfarbenen Felswände gedrängt und in sie als Wohngrotten hineingebaut, sind die Bergdörfer kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden.
"Übersät mit Kratern, eine Erde, die dem Mondboden gleicht", so wird das Gebiet der sog. "troglodytischen" Dörfer um Matmata beschrieben. (Troglodyt = Höhlenmensch). In die Kraterwände sind kunstvoll Hohlräume als Wohnungen, als Vorrats- und Gemeinschaftsräume hineingetrieben - ganze Dorfgemeinschaften lebten früher in diesen unterirdischen, angenehm klimatisierten Verließen, heute sind nur noch wenige bewohnt.

Eckart Fiene

Links, Adressen, Musik und Bücher



Reiseinfos

Klima und Reisezeit Tunesiens Norden unterliegt den Einflüssen des für den gesamten Mittelmeerraum so charakteristischen Wechsels zwischen sommerlicher Trockenzeit (etwa Mai bis September) und winterlicher Regenzeit (Okt./Nov. bis März/April). Die lauen Sommer und milden Winter dieses Landesteils erklären sich aus der Nähe des Meeres, das im Winter wie ein gigantischer "Wärmespeicher" wirkt und im Hochsommer die Temperaturspitzen mildert. Südlich des bergigen Hinterlands der Küstenregion läßt der mediterran-maritime Klimaeinfluß deutlich nach. Steppenlandschaften bestimmen das Bild Zentraltunesiens. Die Temperaturen nehmen zu, während die Niederschläge nur noch 200-400 mm im Jahr erreichen. Südlich der Linie Sfax - Gafsa stößt man schon auf Wüstensteppe und in Höhe des Salzsees "Chott el Djerid" beginnt die saharische Wüstenzone mit extremen Temperaturen und nur noch sporadisch auftretenden geringen Niederschlägen.
Tunesiens Klima lockt zu jeder Jahreszeit. Für Kulturinteressierte, Wanderer und Naturfreunde sind die kühleren Monate ideal, von Mai bis Oktober reicht die Badesaison und Touren in die Saharagebiete unternimmt man vorwiegend im Frühjahr und Herbst oder auch in den Wintermonaten.

Preise
Das Preisniveau der sog. Nebenkosten - hier ein Getränk, dort ein Imbiß, Souvenirs, Taxifahrten, die Unterkunft unterwegs - liegt spürbar niedriger als daheim.

Einreisebestimmungen
Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepaß. Das gilt auch für Jugendliche ab 15 Jahren. Kinder unter diesem Alter müssen entweder im Reisepaß eines Elternteils eingetragen sein oder brauchen einen Kinderausweis mit Lichtbild. Für deutsche Pauschalreisende wurden die Einreiseformalitäten vereinfacht. Es reicht aus, wenn sie sich bei der Ankunft mit ihrem Personalausweis und den Buchungsunterlagen (Ticket, Hotelvoucher) ausweisen. Alle Besucher erhalten einen Einreisenachweis („Carte de visiteur non-résident“), der im Flugzeug ausgestellt wird und bei Ein- und Ausreise vorzulegen ist.


Medizinische Versorgung
Der Abschluß einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung, die ausdrücklich einen Krankenrücktransport einschließt, ist dringend zu empfehlen. Der medizinische Standard Tunesiens entspricht nicht ganz dem Europäischen. Eine ausreichend bestückte, individuelle Reiseapotheke sollte deshalb unbedingt zu Ihrer Ausrüstung gehören. Auch wird vom Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts zu einem Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A geraten.

Statistik

Lage: In Nordafrika am Mittelmeer, im Westen begrenzt von Algerien, im Südosten von Libyen. Tunesien gehört neben Algerien und Marokko zu den Maghreb-Ländern. Häufig sprechen nordafrikanische Politiker von einem "großem Maghreb", zu dem sie auch Libyen und Mauretanien zählen. Maghreb = Der Westen der arabisch-muslimischen Welt.

Fläche: 163.610 km²

Küstenlänge: ca. 1.150 km

Höchste Erhebung: Djebel Chambi (1.544 m) im tunesischen Atlas-Gebirge

Tiefster Punkt: Chott el Gharsa ( - 17 m), eine Salzpfanne im mittleren Tunesien

Staat: Das frühere französische Protektorat wurde 1956 unabhängig. 1957 Ausrufung der Republik. Form: Präsidialrepublik

Hauptstadt: Tunis mit 694 000 Einwohnern(2007), Großraum ca. 2 Millionen Einwohner

Bevölkerung: 10,225 Millionen (Schätzung Juli 2007), davon leben 80 % in den küstennahen Gebieten. Tunesien gilt als das am stärksten arabisierte Land des Maghreb mit einer sehr homogenen Bevölkerungszusammensetzung. Tunesische Araber und arabisierte Berber machen etwa 97 % der Bevölkerung aus, nicht assimilierte Berber dagegen nur noch etwa zwei Prozent. Europäer (überwiegend Franzosen und Italiener) stellten zum Ende der Kolonialzeit noch 7 % der Gesamtbevölkerung. Heute liegt ihr Anteil bei weniger als einem Prozent.
Mehr als 98 % der Tunesier sind sunnitische Muslime, außerdem gibt es kleine Glaubensgemeinschaften von Christen und Juden.

Sprache: Arabisch ist die Amts- und Umgangssprache. Berbersprachen werden nur noch von einer Minderheit gesprochen. Das Französische hat auch lange nach der Kolonialzeit noch seine Bedeutung als Handels- und Bildungssprache. In den Touristenzentren kann man sich auch zunehmend in englischer und deutscher Sprache verständigen.

Verkehr: Das Straßennetz umfaßt ca. 30.000 km, von denen etwa 18.000 km geteert sind. Überlandbusse, Stadtbusse und Sammeltaxis bestreiten im wesentlichen den Personenverkehr. Die staatliche Eisenbahngesellschaft verfügt über ein ca. 2.250 km langes Streckennetz, das die Küstenstädte und die größeren Orte im Binnenland miteinander verbindet. Auch für den Transport des wichtigen Exportguts Phosphat ist das Schienennetz von erheblicher Bedeutung.

Wirtschaft:
Unter den Maghreb-Staaten weist allein Tunesien eine anhaltend positive ökonomische Bilanz auf. Es hat sich eine Spitzenposition unter den Schwellenländern Afrikas erarbeitet. Tunesien besitzt einen traditionsreichen produktiven Mittelstand. Auch betreibt es zielstrebig den Aufbau einer Wissensgesellschaft (mehr als 20 % des Staatshaushalts fließen in den Bildungssektor) bei gleichzeitiger Festigung der wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften. Bei der Entwicklung seiner menschlichen Ressourcen und der Emanzipation der Frauen ist Tunesien allen Ländern der arabischen Welt weit voraus. Mit 2.400 Euro (2007) hat die tunesische Bevölkerung das höchste pro-Kopf-Einkommen in Nordafrika nach Libyen und eines der höchsten Gesamtafrikas.
Im Hinblick auf die fest eingeplante Verwirklichung der Zollunion mit der EU in 2008 wurden durchgreifende Reformen zur Verbesserung der Wettbewerbs- und Exportfähigkeit der tunesischen Wirtschaft auf den Weg gebracht. Die wirtschaftliche Verflechtung mit der EU ist ohnehin schon weit fortgeschritten. So hat die EU am tunesischen Handelsvolumen einen Anteil von fast 80 %.    
Tunesiens Textilindustrie mit vielen exportbezogenen Lohnveredelungsbetrieben (in hartem Konkurrenzkampf mit Billigherstellern wie China und Indien), der Bergbau (Phosphate und Phosphatprodukte z. B. Düngemittel / Tunesien ist viertgrößter Weltproduzent von Phosphaten und zweitgrößter Exporteur von Phosphatdünger), die Erdölprodukte und die elektromechanischen Güter sind die Säulen des Exports. Von Bedeutung sind auch die landwirtschaftlichen Ausfuhrgüter (Datteln, Zitrusfrüchte, Oliven, Olivenöl / Tunesien ist weltweit drittgrößter Olivenöl-Exporteur).
 

Tourismus: Neben seiner exportorientierten Industrie und dem Landwirtschaftssektor (Landwirtschaft wird auf 32 % der Landesfläche betrieben / Anteil am Bruttoinlandsprodukt 11,8 %) ist der Fremdenverkehr für Tunesien eine wichtige Devisenquelle. Die touristische Infrastruktur gilt als beispielhaft für ein Schwellenland. Der in Tunesien traditionell vorherrschende Badetourismus wird durch Investitionen im Bereich des „gehobenen Tourismus“ wie Golf- und Bildungsurlaub, Kultur- und Wellnessreisen sowie Langzeitwinterurlaub um eine finanzkräftige Klientel erweitert. Allerdings ist die Zahl der Urlauber aus Mittel- und Nordeuropa zurückgegangen, während die der Kurzurlauber aus Algerien und Libyen signifikant angestiegen ist.