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Tunesien im Überblick

Unter den vielen Urlaubern, die es jedes Jahr an Europas "Badewanne" zieht, sind die weitläufigen Strände und komfortablen Hotels des kleinen gastfreundlichen Landes am südlichen Mittelmeer zu einem begehrten Reiseziel geworden. In erstaunlich kurzer Zeit haben einheimische Tourismusplaner in enger Abstimmung mit großen europäischen Reiseunternehmen hier ein Ferienparadies entstehen lassen, das kaum Wünsche offen läßt.

Der boomende Strandtourismus zog nicht nur kleinere Reiseveranstalter mit Spezialprogrammen nach, auch die staatlichen Stellen gaben dem Tourismussektor mit qualitativ hochwertigen Angeboten neue Impulse. So gesellt sich zu den unbeschwerten Sonnen- und Badefreuden an den Küsten ein breites Spektrum fesselnder Unternehmungen im Binnenland, wie etwa archäologische Stippvisiten und Begegnungen mit der Welt des Islam oder abenteuerliche Wandersafaris und Trekkingkarawanen.

Hammamet

Im gleißenden Licht Hammamets

Badetouristen werden wohl stets das Gros der Auslandsgäste ausmachen. Für sie wurde vor nicht langer Zeit mit Tabarka eine neue Urlaubsregion erschlossen. Sie liegt im grünen Nordwesten nahe der algerischen Grenze und zeichnet sich durch schöne Sandstrände aus, eingerahmt von den Pinien- und Korkeichenwäldern des bergigen Hinterlands. Anders als in den bekannten Badeorten geht es hier noch recht geruhsam zu. Folgt man der Küste zunächst nach Osten, dann nach Süden, ist Nabeul das nächste Urlaubsdomizil, ein quirliger Ort mit viel Ambiente, wo man noch auf traditionelles Handwerk stößt und wöchentlich sogar ein Kamelmarkt stattfindet. Nur 12 km südlich liegt das berühmte Hammamet mit seinen langen, feinen Sandstränden und üppiger Vegetation. Tunesiens ältestes, noch immer stark expandierendes Urlaubszentrum bietet seinen Besuchern außer Strand- und Hotelleben auch eine sehenswerte Médina (Altstadt) mit unzähligen Basargassen. Auch Sousse kann mit einem prächtigen Sandstrand aufwarten. Orientalische Atmosphäre entfaltet sich in den engen, mittelalterlichen Souks, den Straßen der Händler und Handwerker in der Altstadt. Hier läßt sich so manch` hübsches, kunsthandwerkliches Souvenir mit ein wenig Feilschen günstig erstehen. In der Verlängerung des Strandes von Sousse wurde das moderne Ferienzentrum Port el Kantaoui errichtet. Ein malerisch im maurischen Stil angelegter internationaler Jachthafen ist der Glanzpunkt des aufstrebenden Städtchens. Die nächste Perle im Kranz der Seebäder ist Monastir mit dem Vorort Skanes, 15 km südlich von Sousse. Phönizier gründeten diese pittoreske Hafenstadt, die in ihrem restaurierten alten Stadtviertel Chraga mit dem 796 erbauten Ribat eine der ältesten arabischen Festungsanlagen Nordafrikas bewahrt. Folgt noch Mahdia am Cap Africa, einer felsigen Halbinsel, darauf alte Stadtquartiere und die Festung Bordj el Kebir zu erkunden sind. Zu Füßen liegt der bedeutende, auf Sardinenfang spezialisierte Fischereihafen und vor dem Städtchen erstreckt sich bis zum Horizont der wohl schönste und feinsandigste Strand Tunesiens. Einen weiten Sprung die Küste hinunter liegt - mit dem nahen Festland durch einen Damm aus der Römerzeit verbunden - die Insel Djerba. Kilometerlange Sandstrände, eine gute Hotellerie, zahllose Sportangebote und lohnende Ausflugsziele lassen bei Bade- wie Aktivurlaubern dieser Hochburg des Tourismus keine Langeweile aufkommen.

Tunis

Unterwegs in den Gassen von Tunis

Das großstädtische Tunis, hoch im Norden des Landes, Metropole der Republik und Sitz der Arabischen Liga, zeigt in seinem Stadtbild europäische und orientalische Züge. Es sind begreiflicherweise die weitläufigen Souks und mittelalterlichen arabischen Paläste, vielleicht auch die barocken Fassaden aus dem Novecento, weniger die modernen Bürotürme, die Besucher in Entzücken versetzen. Einer der alten Paläste aus dem 19. Jahrhundert beherbergt das Bardo-Nationalmuseum mit einer großartigen Sammlung von Statuen und Mosaiken aus römischer und frühchristlicher Zeit.

Als Farbenfest in Blau und Weiß präsentiert sich das nahegelegene mittelalterliche Dorf Sidi Bou Said, das der Expressionist August Macke 1914 in seinen Aquarellen verewigt hat ("Die Tunisreise"). Noch in guter Erinnerung aus dem Geschichtsunterricht ist die heutige Ruinenstadt Karthago am Rande von Tunis. Von hier aus beherrschten die Phönizier das westliche Mittelmeer, ehe sie 146 v. Chr. der römischen Übermacht weichen mußten. An diesem Ort in der römischen Provinz "Africa" verfaßte Jahrhunderte später der große Kirchenlehrer Augustinus viele seiner Schriften. Hier und nicht in Rom wurden die Fundamente für die lateinische Gestalt des westlichen Christentums gelegt. Die historische Bedeutung der Provinz "Africa" als Teil des römischen Imperiums und als Schauplatz der frühchristlichen Bewegung belegen zahllose hochinteressante Fundorte und Ausgrabungsstätten im bergigen Norden Tunesiens.

Bevor wir in die südlichen Wüstenzonen aufbrechen, führt uns ein Abstecher nach Kairouan, in die älteste islamische Stadt Nordafrikas, verehrt von den Muslimen als viertheiligste Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem. An ihre frühmittelalterliche Blütezeit erinnert die zum Weltkulturerbe zählende ehrwürdige Altstadt mit der schon 672 errichteten Sidi Oqba-Moschee.

Tunesien

Die Oasenstadt Gafsa gilt als Eingangtor zu den Wüsten in Tunesiens Süden. Doch ehe man in die schneeweiße Dünenlandschaft eintauchen kann, schiebt sich im gleißenden Sonnenlicht die endlos erscheinende, glitzernde Fläche einer Salzpfanne ins Bild. Der teilweise ausgetrocknete, an anderen Stellen morastige Salzsee Chott el Djerid, eines der interessantesten Naturphänomene der Sahara, erstreckt sich auf einer Fläche von 5.600 km² (gut zehn Mal so groß wie der Bodensee!) quer durch das mittlere Tunesien. Tozeur, inmitten einer Palmenoase an seinem nördlichen Ufer, ist bekannt für die Lehmziegelarchitektur seiner Médina. Von hier führt eine 37 km lange Teerpiste über den Chott nach Kebili und weiter nach Douz, Ausgangspunkt für Kamelsafaris durch das Sandmeer bis hinunter zur Oase Ksar Ghilane im "Grand Erg Oriental", der großen östlichen Sandwüste.

In reizvollem Kontrast zur Weite des wüstenhaften Südens legt sich das mächtige Kalksteinplateau des Dahar-Berglandes zwischen Wüste und Küstenregion. Seine Bergdörfer und Erdhöhlensiedlungen sind das Rückzugsgebiet der Berber. Dicht an die ockerfarbenen Felswände gedrängt und in sie als Wohngrotten hineingebaut, sind die Bergdörfer kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden. "Übersät mit Kratern, eine Erde, die dem Mondboden gleicht", so wird das Gebiet der sog. "troglodytischen" Dörfer um Matmata beschrieben. (Troglodyt = Höhlenmensch). In die Kraterwände sind kunstvoll Hohlräume als Wohnungen, als Vorrats- und Gemeinschaftsräume hineingetrieben - ganze Dorfgemeinschaften lebten früher in diesen unterirdischen, angenehm klimatisierten Verließen, heute sind nur noch wenige bewohnt.

Eckart Fiene

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Ein Fest wie kein anderes im tunesischen Douz

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