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Im Fruchtgarten der Türkei

Die Südküste bei Kemer ist der Fruchtgarten der Türkei und punica granatum, wie der lateinische Name lautet, zählt zu den ganz alten Kulturpflanzen. Sie stammt vermutlich aus Vorderasien und hat sich im Laufe der Zeit im ganzen Mittelmeerraum eingebürgert. Während in der Antike der Nachbarort Side für Granatäpfel bekannt war - Side ist ein altanatolisches Wort für Granatapfel – ist heute Kemer an dessen Stelle getreten. „Die Bedeutung der Granatäpfel für Kemer wird weiter zunehmen“, prognostiziert Dr. Bedii Vedat Ulug, Agraringenieur in der Gemeindeverwaltung von Kemer, „und zwar in dem Maße, wie die Bedeutung der Orange abnimmt.“ Die Jahresproduktion ist mittlerweile auf 450 Tonnen gestiegen. Zu Ungunsten der Saftorange, deren Produktion von Jahr zu Jahr sinkt. Schon jetzt werden in der Kemer-Region auf 20.000 Hektar Punica-Bäume gepflanzt.

Türkei Granatapfel Ein Berg von Obst
Granatäpfel in der Lederhaut

„Im Export von Granatäpfeln liegt die Türkei weltweit an Platz eins - vor Spanien und Italien“, erklärt Ulug. In Deutschland wird der Paradiesapfel vor allem in der Gourmetküche zur Verfeinerung von Wildgerichten und als Dessertdekoration gebraucht. In heißen Sommern ist sein Saft und dessen leicht herbe Geschmacksnote in kalten Mixdrinks eine wahre Erfrischung.

Seit einigen Jahren beschäftigen sich die örtlichen Landwirtschaftsinstitute bereits mit der Erforschung von Veredelungsmethoden, Kreuzungen, der Genetik und neuen Nutzungsformen von Granatäpfeln. Besonders auf die Veredelung setzt der Agraringenieur große Hoffnungen. Von den fünf verschiedenen Sorten produzieren die Bauern für den lokalen Markt hauptsächlich die süße, saftreiche Sorte „Beynar“. Die süßsaure „Hicaz“ dient wegen ihrer harten Schale und der hohen Haltbarkeit dagegen vorwiegend dem Export. Die maiskorngroßen, Vitamin C-haltigen Samenkerne schmecken roh fruchtig-erfrischend, der frisch gepresste süßsaure Fruchtsaft wird in diversen Restaurants in Kemer und Umgebung pur angeboten.

Die Samenkerne („granatus“ heißt körnig, samenreich), die von einer weichfleischigen, glashellen Samenschale umhüllt sind, machen den Hauptbestandteil der Frucht aus. Am häufigsten ist der Sirup aus der Punica-Frucht anzutreffen, der in der türkischen Küche als Salatdressing oder für Desserts verwendet wird. Nur das Ausland benutzt ihn für Mixgetränke. Zwischen Tee und Gewürzen findet man auf den Märkten auch die herb-süßlichen Kelchblattzipfel, die wie Trockenobst gegessen werden. Wegen des hohen Gehalts an Gerbsäure wurde der Saft früher als Tinte oder zum Färben von Teppichen genutzt.

Aber auch in der Volksmedizin hat der Granatapfel einen hohen Stellenwert. Ahmet Uguzlar bietet in seinem Kräuterladen in Antalya Granatapfelsirup als Biomedizin an. Schon sein Großvater hatte als Naturheilkundler einen Namen, der seine Kenntnisse von Generation zu Generation weiterreichte. „Granatäpfel helfen bei Diabetes, Magen-Darm- und Leberproblemen, Kreislaufstörungen und Schlankheitskuren“, erklärt Hanife Uguzlar, die das Geschäft zusammen mit ihrem Mann führt. Zum Abnehmen empfiehlt sie jeden Morgen einen Esslöffel Granatapfelsirup vor dem Frühstück einzunehmen, bei empfindlichen Mägen nach dem Frühstück. Diabetiker können mit einer Tasse Sirup gemischt mit 50 Prozent Wasser, jeden Morgen nüchtern zu trinken, ihre Werte stabilisieren, rät Hanife. Sogar Magengeschwüre sollen verschwinden, wenn man in Olivenöl eingelegte Fruchtfleischstückchen jeden Morgen fünf Monate lang löffelt. Neuerdings hat sie auch Granatapfeltee im Programm. Der sei allerdings für kein Körperleiden gut, sagt Hanife, sondern nur für Touristen.

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