In den blauen Himmel hinein
Das Flugrevier am Babadag gehört zu den Besten der Welt. Über Monate ist die Thermik konstant gut. Davon können ihre Kollegen in den Alpen nur Träumen. Kein Wunder, dass es an der Bucht von Ölüdeniz noch andere Gleitschirmschulen gibt. Die Passagierflüge dauern zwischen 20 und 30 Minuten. Wenn die Profis allein auf Tour gehen, kann es durchaus länger werden. „Mein längster Flug in diesem Revier hat über sechs Stunden gedauert und mich bis in eine Höhe von 4.200 Metern getragen“, weiß Ibrahim Önal zu berichten. Der älteste Passagier zählte stattliche 84 Jahre während der jüngste Flieger, der Sohn eines der Piloten, bereits mit zwei Jahren auf die luftige Reise ging. „Wobei wir für „normale“ Passagierflüge ein Mindestalter von fünf Jahren festgelegt haben.“ Jeder Passagier hat es selbst in der Hand, ob er einen sanften Gleitflug genießen oder lieber etwas mehr Action in der Luft erleben möchte.

Endlich in der Luft!
Inzwischen sind die Vorbreitungen abgeschlossen. Die ersten beiden Gleitschirme liegen zum Start ausgebreitet und die Passagiere werden mit ihren Piloten fest verkoppelt. Emrah Yilman, der erfahrenste der Piloten, über 6000 Flüge liegen hinter dem ehemaligen Fallschirmspringer, schaut nach dem Windsack. Mit einem kurzen Ruck reist er den Schirm vom Boden. Ein scharfes „Go“ gibt das Startkommando und sofort läuft er gemeinsam mit seinem Vordermann mit kräftigen Schritten den steilen Hang hinab. Vier Schritte, fünf Schritte – schon heben sie sanft vom Boden ab und gleiten getragen von der Thermik der aufsteigenden Luft, in den blauen Himmel hinein. Der Traum vom Fliegen wird wahr.

Die Welt von oben
Selbst Erlebnisse im Ballon oder mit dem Segelflugzeug, von der Cessna
ganz zu schweigen, treten weit in den Hintergrund. So ähnlich muss
sich Ikarus gefühlt haben, ehe ihn der Übermut zu nahe an die
Sonne brachte. Übermut passt nicht zum Fliegen, und deshalb setzt
Emrah Yilman 20 Minuten später punktgenau und butterweich auf dem
schmalen Landstreifen vor dem Meer auf. Sein zweiter Mann strahlt und auch
Emrah ist anzusehen, dass ihm sein Beruf selbst nach vielen Jahren noch
immer Freude macht. „Ohne Spaß an der Sache ist dieser Job
nicht zu machen. Zwar ist Fliegen mein Leben, doch immerhin tragen wir
auch eine große Verantwortung und das in der Saison bis zu viermal
täglich.“
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