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Im Flug über Lykien

Paragliding am Berg Babadag in der Türkei

Text und Fotos: Axel Scheibe

Türkei Babadag Am Start

Im kleinen Gang, im wahrsten Sinn über Stock und Stein, kämpft sich der offene Landrover den ausgefahrenen Weg am Berg hinauf. Es ist nicht nur die starke Steigung, die seinem Motor das letzte PS abverlangt, sondern auch die Beladung. Auf den harten Pritschen der Ladefläche haben es sich sechs Passagiere mehr oder minder bequem gemacht, auf dem Dachgepäckträger türmen sich mächtige Säcke und vorn, auf den beiden Sitzreihen im Cockpit nutzen die meisten der Tandempiloten von Escape die Fahrt zu einem kleinen Nickerchen. Dass es den Gästen auf den Holzbänken nicht nach Schlaf zumute ist, liegt nicht nur an den kräftigen Schlägen der Straße, sondern auch am Ziel.

Sie sind unterwegs zum Startplatz. Hoch oben am mächtigen Berg Babadag, der das am Meer vom Hinterland trennt, wollen sie mit ihren Piloten den Sprung per Gleitschirm wagen. Der eine oder andere überspielt die Anspannung mit einem gekonnten Pokerface, anderen ist die Aufregung an der Nasenspitze abzulesen. Immerhin ist es für alle das erste Mal, dass sie es mit Paragliding versuchen. Wird es mit dem Start klappen? Wie werde ich mich in der Luft fühlen, wenn wir tausend Meter über dem Meer schweben? Ob die Landung wirklich so sanft abläuft, wie sie es unten in den letzten Tagen immer wieder beobachten konnten?

Türkei Babadag Auspacken

Vor dem Flug stehen das Auspacken und ...

Fragen über Fragen schwirren durch die Köpfe. Ein flaues Gefühl im Magen gehört wohl auch dazu. Dann endlich, 20 Minuten sind vergangen, der Jeep hält. Hier ist Schluss mit dem Transport. Bis zum endgültigen Startplatz rund hundert Höhenmeter weiter oben muss jeder künftige Kopilot seinen Gleitschirm selber tragen. Mit großem Schwung werden die Säcke vom Dach des Landrovers geworfen und wenige Minuten später sind alle am Ziel. Weit unten glitzert das Meer verführerisch in der Sonne. Sein Blau wird nur von den zahlreichen Inseln und einzelnen kleine Booten unterbrochen.

Türkei Babadag Anmarsch

... der Anmarsch

Die Piloten beginnen mit der Vorbereitung. Jeder Passagier erhält einen Overall, Handschuhe, einen Helm und letzte Instruktionen. Eine gute Gelegenheit für Ibrahim Önal, seinen Gästen mit einigen Zahlen die letzte Angst vorm ersten Flug zu nehmen. „Vor zehn Jahren haben wir unsere Firma gegründet“, so der erfahrene Pilot, der selbst schon über 4000 Flüge hinter sich hat. „Seitdem konnten wir über 25.000 Passagiere unfallfrei ins Tal bringen. Wohl kaum einer war nicht begeistert und viele haben ihren Urlaub genutzt, gleich noch einen Flug anzuhängen. Wir fliegen nur mit nach DHV-Norm (Deutscher Hängegleiter) geprüfter Ausrüstung und unsere Piloten haben alle die Lizenz der USHGA (American Paragliding Association).“ Höhere Sicherheitsstandards gibt es nicht.

In den blauen Himmel hinein

Das Flugrevier am Babadag gehört zu den Besten der Welt. Über Monate ist die Thermik konstant gut. Davon können ihre Kollegen in den Alpen nur Träumen. Kein Wunder, dass es an der Bucht von Ölüdeniz noch andere Gleitschirmschulen gibt. Die Passagierflüge dauern zwischen 20 und 30 Minuten. Wenn die Profis allein auf Tour gehen, kann es durchaus länger werden. „Mein längster Flug in diesem Revier hat über sechs Stunden gedauert und mich bis in eine Höhe von 4.200 Metern getragen“, weiß Ibrahim Önal zu berichten. Der älteste Passagier zählte stattliche 84 Jahre während der jüngste Flieger, der Sohn eines der Piloten, bereits mit zwei Jahren auf die luftige Reise ging. „Wobei wir für „normale“ Passagierflüge ein Mindestalter von fünf Jahren festgelegt haben.“ Jeder Passagier hat es selbst in der Hand, ob er einen sanften Gleitflug genießen oder lieber etwas mehr Action in der Luft erleben möchte.

Türkei Babadag in der Luft

Endlich in der Luft!

Inzwischen sind die Vorbreitungen abgeschlossen. Die ersten beiden Gleitschirme liegen zum Start ausgebreitet und die Passagiere werden mit ihren Piloten fest verkoppelt. Emrah Yilman, der erfahrenste der Piloten, über 6000 Flüge liegen hinter dem ehemaligen Fallschirmspringer, schaut nach dem Windsack. Mit einem kurzen Ruck reist er den Schirm vom Boden. Ein scharfes „Go“ gibt das Startkommando und sofort läuft er gemeinsam mit seinem Vordermann mit kräftigen Schritten den steilen Hang hinab. Vier Schritte, fünf Schritte – schon heben sie sanft vom Boden ab und gleiten getragen von der Thermik der aufsteigenden Luft, in den blauen Himmel hinein. Der Traum vom Fliegen wird wahr.

Türkei Babadag Luftbild

Die Welt von oben

Selbst Erlebnisse im Ballon oder mit dem Segelflugzeug, von der Cessna ganz zu schweigen, treten weit in den Hintergrund. So ähnlich muss sich Ikarus gefühlt haben, ehe ihn der Übermut zu nahe an die Sonne brachte. Übermut passt nicht zum Fliegen, und deshalb setzt Emrah Yilman 20 Minuten später punktgenau und butterweich auf dem schmalen Landstreifen vor dem Meer auf. Sein zweiter Mann strahlt und auch Emrah ist anzusehen, dass ihm sein Beruf selbst nach vielen Jahren noch immer Freude macht. „Ohne Spaß an der Sache ist dieser Job nicht zu machen. Zwar ist Fliegen mein Leben, doch immerhin tragen wir auch eine große Verantwortung und das in der Saison bis zu viermal täglich.“

Informationen zum Paragliding am Babadag

Auskunft:
Impress Tours
Hohenstaufenstraße 8
65189 Wiesbaden
Tel.: 0611/4502060,
www.lykiagroup.com

Türkei Babadag Pilot und Kopilot

 

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