DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Der Blick ist atemberaubend. Der Prototyp aller Traumstrände breitet sich vor uns aus. Wie ein flüssiger Edelstein liegt das Meer absolut ruhig, helltürkis schimmernd, durchsichtig wie Glas. Weißer Sand blendet das Auge, endlos weit. Die Palmen verneigen sich am Strand vor dem Wasser, bis sie fast den Boden berühren. Ein wahrgewordenes Wunschbild. Erst als der feine Sand zwischen den Fingern rieselt, man spürt, dass er nicht verschwindet, wenn man ihn berührt, legt sich langsam das Gefühl der Unwirklichkeit.

Tobago / Pigeon Point
Pigeon Point

Das Paradies ist irdisch, wird verkauft. Langbeinige, blonde Frauen stöckeln mit gebleckten Zähnen über den Bootssteg. Kameras, Fernsehleute. Der nächste Werbespot, der ein Klischee vermarktet. Unter palmblattgedeckten, kleinen Hütten und Schirmen dösen Souvenirverkäufer. Sonnenbebrillte Urlauber, Long Drinks in der Hand, studieren die Speisekarte des Strandcafés.

Unter dem Rumpf aus Plexiglas zieht der Meeresboden vorbei. Rundherum eine Sinfonie in allen Grün – und Blautönen, auf denen das Boot schwebt. Weit hinten die Küste als schmaler Streifen. Der Kapitän springt behände vom Boot, um den Anker zu befestigen, ohne dabei Schaden anzurichten. Doch der Blick unter Wasser zeigt, dass diese Sicherheitsmaßnahme zu spät kommt. Nur mehr Rudimente der einstigen Pracht des alten Korallenriffs sind geblieben. Sporttaucher, Bootsanker und Dynamitfischerei haben in wenigen Jahren zerstört, was in Millionen von Jahren errichtet wurde. Auch die Fische haben sich verabschiedet. Ein einsamer Papageienfisch und ein Schwarm kleiner, blauleuchtender Doktorfische schwimmen zwischen den toten Korallen und hinterlassen uns traurig.

Tobago / Ausflug mit Glasschiff
Ausflug mit dem Glasboot

Vom Meer her ist ein Wind aufgekommen, der eine dicke Wolkenwand über das Azurblau schiebt. Die Farben verlieren an Leuchtkraft, saugen sich immer mehr mit Grau voll. Das Rauschen der Palmen über uns schwillt an, als sie sich gegen eine kräftige Böe stemmen müssen. Plötzlich ist es still, Atemanhalten, bevor der Himmel in dicken, satten Tropfen herabfällt. Nässe überall.
Das Meer ist warm wie Fruchtwasser. Glück bis in die kleinste Faser des Körpers.
Am Rücken treibend, den Blick ins Innere gerichtet. Der Mund öffnet sich, um den lauen Regen zu trinken. Es ist ein Gleiten zurück in das Geborgensein.

Tobago / Abendstimmung
Abendstimmung

Die Nacht ist hell, von unzähligen Sternen erleuchtet. Zu acht sitzen wir auf der Ladefläche des Pick-up, der über die verlassene Straße holpert. Laue, weiche Luft, durchzogen von exotischen Düften. Dann ein aufforderndes Pfeifen aus dem Dickicht rechts vom Wagen. Und plötzlich aus allen Richtungen. Von überall aus dem Wald her rufen sie wie Geister der Dunkelheit. ´Frösche, die karibisch sprechen´ erklärt Poisy amüsiert.

Das Zurücklassen der Insel ist schwer. Spielende Delfine tauchen neben dem Schiff auf, begleiten uns ein Stück. Als sie abdrehen, folgen ihnen unsere Augen, bis das Glitzern des Meeres blendet.

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