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Das Land ist nicht überall so karg und abweisend wie im äußerste Norden, je mehr man sich der Hauptstadt Lhasa nähert, desto milder wird das Klima: Im Lhasa Tal reift auf 3600 Metern Seehöhe goldenes Getreide (und so „tief“ ist auch die Höhenkrankheit kaum mehr ein Thema). Die Stadt selbst ist einerseits ungeheuer anziehend, andererseits leidet sie doch stark unter der chinesischen Oberhoheit: Der Potala, der Palast des lebenden Gottkönigs Dalai Lama, erstrahlt seit seiner Renovierung zwar wieder in altem Glanze, ist aber zum Museum verkommen.

Tibet Jokhang
Teil des Potala in Lhasa

Das alte tibetische Viertel zu seinen Füßen mußte chinesischen Betonhäusern weichen, die den herrlichen Palast nun säumen – und ihm doch seine Ausdruckskraft nicht nehmen können. Der Jokhang Tempel im Herzen Lhasas, der spirituelle Mittelpunkt der tibetischen Welt, war zwischenzeitlich in eine Militärküche umfunktioniert, heute ist er wieder ein Gebetshaus.

Seit 1980, als China die Zügel gegenüber Tibet lockerte, hat sich das Leben wieder normalisiert, zumindest an der Oberfläche – Gläubige umrunden mit ihren Gebetsmühlen den Jokhang, der Handel mit allerlei Devotionalien blüht im Barkhor Viertel und Pilger messen den Weg vom Tempeleingang ins Innerste mit ihrer Körperlänge aus. 

Tibet / Jokhang
Jokhang

Doch obwohl wieder Religionsfreiheit herrscht, fehlt es an Lehrern und Traditionsträgern, die schon vor vielen Jahren alle ins Ausland flüchten mußten. Genau das ist das große Problem Tibets, das Bejing durch seine forcierte Einwanderungspolitik noch drastisch verstärkt: Mit mittlerweile mehr chinesischen als tibetischen Einwohnern, der geistigen Elite außer Landes, ist zu befürchten, daß die eigenständige, einzigartige Kultur irgendwann einmal in Vergessenheit gerät, von den Chinesen einfach assimiliert wird.

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