Tibet steht noch immer im Banne des Unerreichbaren, hatte es doch jahrhundertelang kaum Kontakte mit der Außenwelt, wollte sie auch nicht haben. Selbst jetzt, mit mehr oder weniger offenen Grenzen, macht es uns das Land nicht einfach es zu entdecken – die äußeren Lebensumstände sind hart und bedingungslos. Vor allem im Norden des Landes, wo die Monotonie der steppenartigen Ebenen lediglich durch Salzseen und hohe Bergketten am Horizont unterbrochen wird. Nahtlos schließt das lebensfeindliche Hochland von Tibet dort an Qinghai an, das Sibirien Chinas, mit seinen politischen Gefängnissen, Arbeits- und Umerziehungslagern.

Die unwirtliche Landschaft von Qinghai
Selbst
im Sommer ist es nächtens bitterkalt, untertags wechseln sich Wolken
und Sonne abrupt ab, über die Pässe fegen eisige Winde hinweg. Es ist
staubtrocken. So nimmt es auch kein Wunder, daß nur selten Anzeichen
menschlichen Lebens zu finden sind: wenige Dörfer, nur ab und zu Nomaden
mit ihren Yaks, manchmal kleine Tempel und immer wieder Gebetsfahnen.
Zu diesen ohnehin schon extremen Bedingungen, gesellt sich für uns Flachländer
noch eine weitere, die schlimmste von allen, die Höhe: das tibetische
Plateau ist mit 4500 Metern Durchschnittshöhe (und Pässen jenseits der
5500er Grenze) die höchstgelegene bewohnte Region der Erde.

Qinghai
Für Menschen, die solche Höhen nicht gewöhnt sind – also zum Beispiel für Reisende – hat das verheerende Folgen: kaum jemand bleibt von der Höhenkrankheit verschont. Atemnöte und Kopfweh sind ihre harmloseren Symptome, Schwindel und Kreislaufzusammenbruch die Steigerungsformen. Das beste Rezept gegen die tückischen Zustände lautet, sich langsam zu akklimatisieren, mit jedem Tag ein bißchen mehr an Höhe zu gewinnen, bis man sich daran gewöhnt hat.
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