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Königspaläste und Fischerboote, Wellnessoasen und Golfplätze

In Hua Hin fühlt sich nicht nur der thailändische König wohl

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Die Blaskapelle ist unüberhörbar, doch sie marschiert nicht – wie in Deutschland üblich – in schmucker Uniform und in Reih und Glied. Stattdessen sind die Männer salopp gekleidet, und tragen zum Teil Kopftücher zum Schutz vor der Hitze. Doch ausgelassener noch als die Musiker ist eine Gruppe Frauen, die – einige von ihnen mit Bierflasche in der Hand – tanzend vorneweg durch die Straße zieht. Karneval, Geburtstag, Vollmond – was wird hier eigentlich gefeiert? Ein Stück weiter hinten, durch Schirme vor der Sonne geschützt, sitzen zwei junge, kahl geschorene Männer in Korbsesseln auf der Ladefläche eines geschmückten Pickups, der sich langsam durch die Straße bewegt: Die beiden Männer, die ihre Handflächen zum Wai, einer thailändischen Danksagungsgeste, aneinanderdrücken, werden die nächsten Monate ihres Lebens in einem Kloster verbringen und sich in dieser Zeit den buddhistischen Regeln unterwerfen. In Thailand ist das normal: Fast jeder junge Mann verbringt zumindest einige Zeit in einem buddhistischen Kloster. Der Beginn dieser Periode für zwei Heranwachsende ist für rund 150 Menschen, die durch die Straßen des Küstenstädtchens Hua Hin ziehen, ein Grund, heute ausgelassen zu feiern.

Thailand - Hua Hin - angehende Mönche

Hua Hin, der Name bedeutet soviel wie Felsenkopf, ist eine Kleinstadt, die trotz aller touristischen Entwicklung ihren thailändischen Alltag bewahrt hat – und die provinziellen Charme, aber gleichzeitig eine gewisse Noblesse ausstrahlt. Schließlich dient die Stadt den thailändischen Königen bereits seit knapp 100 Jahren als Sommerresidenz. Der königliche Wartesaal am Bahnhof von Hua Hin ist freilich längst außer Betrieb, und der Teakholzpalast Phra Ratchaniwet Marukkhathaiyawan, den König Vajiravudth, auch Rama VI. genannt, im Jahr 1923 zwischen Cha Am bauen hat lassen, dient heute als Museum. Ein Besuch des Palastes, dessen Pfahlbauten in hellgelb und -blau gehalten sind, lohnt – auch wenn das Interieur im Vergleich zum Königspalast in Bangkok sehr schlicht gehalten ist. Dafür sind die ein- und zweistöckigen Gebäude, die durch auf Pfählen gelegene Pfade verbunden sein, so konstruiert, dass sich die Hitze nie unter den Dächern stauen kann.

Thailand - Hua Hin - Teakholzpalast
Der Teakholzpalast in Hua Hin

Heute ist Hua Hin ein Urlaubsziel, das sowohl Thais wie auch Ausländer anzieht. Am fünf Kilometer langen Strand südlich der Stadt sind viele der großen internationalen Hotelketten vertreten, dennoch ist es kein Problem, in Hua Hin für zehn Euro pro Nacht ein nettes Guesthouse zu finden. Und obgleich die 50.000 Bewohner der Stadt inzwischen eher vom Tourismus als vom Fischfang leben, lohnt sich ein Besuch des Geländes nördlich des Piers, wo die Fischer ihre Netze zum Trocknen auslegen und ihre Boote reparieren. Am imposantesten ist das Fischereiidyll freilich am Abend und in der Nacht, wenn vor der Küste zahlreiche grüne Lichter erglimmen, mit denen Kalamares angelockt werden sollen. Kein Wunder, dass die Restaurants der Stadt für ihre Fischgerichte gerühmt werden. Ebenfalls lohnenswert: ein Ausflug zum Ess-Stäbchenberg und zum Geisterberg, die sechs Kilometer südlich des Stadtzentrums liegen und auf denen sich Tempel, Stupas, Buddhastatuen und Geisterhäuschen finden.

Thailand - Hua Hin - Königsverehrung
Verehrung des Königs

Das thailändische Königshaus hat Hua Hin über Jahrzehnte die Treue gehalten. Zwei Kilometer vom Hafen entfernt hat König Rama VII seine Sommerresidenz gebaut, in der auch der seit mehr als sechzig Jahren im Amt befindliche König Bhumibol Adulyadej, auch Rama IX genannt, in den vergangenen Jahrzehnten einen Großteil des Jahres verbrachte. Der Sommerpalast trägt den Namen Phra Ratchawang Klai Kangwon, was soviel heißt wie „Palast weit entfernt von den Sorgen“. Im Gegensatz zum Teakholzpalast Phra Ratchaniwet Marukkhathaiyawan kann der Sorgenfrei-Palast des Königs nicht besichtigt werden. Dass die Bevölkerung ihren König schätzt und huldigt, zeigt sich daran, dass sein Portrait fast in jedem Haus einen Ehrenplatz an der Wand findet. An Montagen manifestiert sich die Königstreue auch darin, dass sich viele Thailänder in Gelb kleiden.

Thailand - Hua Hin - Spa Suite
Blick in eine Spa Suite

Der königlichen Tradition und internationalen Hotelinvestoren ist es zu verdanken, dass Hua Hin heute einen hervorragenden Ruf als Luxus-Reiseziel hat. Mehrere Golfplätze, Gesundheits- und Spa-Angebote der Extraklasse warten auf Besucher mit gut bestückten Geldbeuteln. Gäste der Spa Suites des Hyatt Regency Hua Hin beispielsweise haben nicht nur einen eigenen Swimmingpool oder Balkon mit Meerblick und eine eigene Dampfsauna, sondern auch einen eigenen Suite-Buttler, der das Badewasser einlässt, den Koffer ausräumt sowie einen Sonnenschirm bereit hält, wenn sich der Gast auf den Weg zu den Spa-Anwendungen in der neu gebauten Barai-Anlage macht. Ein Spa mit insgesamt 18 Verwöhnräumen, die in einem Architekturkomplex untergebracht sind, der vom thailändischen Star-Architekten Lek Bunnang entworfen wurde und den Khmer-Tempeln von Angkor nachempfunden ist.

Thailand - Hua Hin - Barai-Anlage
"Hof der Stille" in der Barai-Anlage

Hau Hin ist in der Zeit vom Juli bis Oktober vor allem auf thailändische Touristen ausgerichtet, von November bis April finden sich hier jedoch auch zahlreiche Ausländer aus dem Westen, so genannte „Farangs“. Dutzende von Maßschneidern, Restaurants, Souvenirgeschäften und Bierbars wollen gerne mit Ausländern Geschäfte machen, sind dabei jedoch zurückhaltend und unaufdringlich. Im Vergleich zu Touristenhochburgen wie Pattaya oder Phuket ist Hua Hin am Abend eher ruhig – doch langweilig wird es Besuchern keineswegs. Auf dem Nachtmarkt in der Dechanuchit-Straße werden jeden Abend mehr als Hundert Verkaufsstände aufgestellt, an denen Sarongs und Teakholzelefanten ebenso verkauft werden wie gebratene Garnelen, Fischcurrys oder Reisnudeln mit Hähnchen.



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