
Tierreich und menschenleer - das Tagebuch
einer Reise in den unbekannten Süden Tansanias
Text und Fotos: Arno Romann
Askari, Deutsch-Ostafrika, Lettow-Vorbeck, Safari! Wem klingen diese Worte nicht wie die Verheißung von Abenteuer im Ohr? Wer erinnert sich nicht an die erregenden Geschichten aus den Abenteuerbüchern, die wir geradezu verschlungen haben. Ob daraus die unbewusste Sehnsucht stammt, einmal in dieses Land zu reisen, um all das selbst zu erleben, von dem wir immer wieder geträumt haben? Jener Bekannte Arno Romanns jedenfalls, der gerade aus dem "unentdeckten Süden Tansanias" zurückkehrte und so begeistert zu berichten wusste, ließ Romann und seine Begleitung schnell den Entschluss fassen, dieses Traumziel selbst entdecken zu wollen.
Kilimanjaro fast zum Anfassen
Erwartungsfroh stehen wir eines abends im September auf dem Flughafen in Zürich, um mit Swissair nach Dar es Salaam zu fliegen. Die Linienmaschine ist gut belegt und der Service sehr freundlich. Am nächsten Morgen weckt uns die Stimme des Kapitäns aus dem Schlaf. Verheißungsvoll klingt es aus dem Bordlautsprecher: "Guten Morgen meine Damen und Herren, in fünf Minuten können Sie auf der rechten Seite den Kilimanjaro sehen". Es wird unruhig in der Kabine, dann gespannte Stille. Da taucht er auf, der schneegekrönte Kilimanjaro, Afrikas höchster Berg, der 5 895 Meter hoch ist und in diesem Moment zum Greifen nah erscheint. Langsam zieht die imposante Gipfelkulisse am Kabinenfenster vorbei, im Licht der Morgensonne glänzend, ein kolossaler Anblick. Nicht viel später landen wir in Nairobi. Gäste steigen aus, wenige zu. Nach etwa 45 Minuten starten wir wieder. Bald darauf kommt das Meer, der Indische Ozean in Sicht. Wir können im Morgendunst die Insel Sansibar entdecken und fliegen über das auftauchende Häusermeer der Stadt Dar es Salaam, das sich an der Küste erstreckt, umrahmt von einem grünen Gürtel von Palmenhainen und flacher Buschlandschaft.
1. Tag
Im Hafen des Friedens
Feuchtschwüle
Luft empfängt uns, als wir das Flughafengebäude von Dar
es Salaam, dem "Hafen des Friedens" verlassen, sofort
umringt von Einheimischen jeden Alters, die uns Hilfe für fast
Alles und Jedes anbieten. Erleichtert entdecken wir das Schild mit
unseren Namen. Man hat tatsächlich nicht vergessen, uns abzuholen.
Unsere Safari (Kisuaheli = Reise) beginnt mit einer kleinen Rundfahrt
durch Dar es Salaam.
Im
Gewirr des Zentrums voll quirligem afrikanischem Leben mit Märkten
und beim Hafen, wo die Fährschiffe zur Insel Sansibar an- und
ablegen, können wir noch einige Bauten aus der kaiserlich-wilhelminischen
Zeit entdecken: die Lutherische Kirche oder das Ocean Road Hospital.
Dieses Hospital wurde 1886 im deutsch-arabischen Stil erbaut. Dr.
Robert Koch führte in diesem Haus einst die ersten Malaria-Forschungen
durch. Heute, so erzählt uns unser einheimischer Führer,
beschäftigt man sich in dem 1999 nach Originalbauplänen
mit deutscher Finanzhilfe restaurierten Gebäude insbesondere
mit der Krebsforschung und Behandlung. Auch dieses Programm wird
von Deutschland mitfinanziert. Im etwas unscheinbaren National-Museum
bestaunen wir den Schädel des "Nussknackermenschen",
gefunden in der Olduvai-Schlucht im Norden des Landes, der möglichen
Wiege der Menschheit, und bewundern Stücke der berühmten
Makonde-Schnitzer. Die weitere Rundfahrt lässt uns Tempel und
Pagoden, Imbiss-Stuben und Marktstände, Fetisch-Shops und den
Fischmarkt mit seinen vielfältigen Gerüchen erleben -
das lebensfrohe Afrika, wie wir es lieben, hat uns voll im Griff.
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