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Teetrinken ist ein Ritual

Taiwan kulinarisch TempelKulinarische Ansprüche erfüllt man auch in dem abgelegenen Dörfchen Lugu, mitten im Anbaugebiet des Tung Ting Oolong-Tees, der zu den gefragtesten Teespezialitäten Asiens gehört. Dieser dunklere, halbfermentierte Bruder des grünen Tees gedeiht hervorragend an den Hängen des Alishan-Gebirges. Ein Wiesel, angebunden mit einem Halsband, begrüßt dort den Gast am Eingang des Restaurants Al San. Unweigerlich kommen dem Fremden bei diesem Anblick ein paar abgeschmackte Vorurteile über die Ingredienzien chinesischer Gerichte in den Kopf.

Doch alle ketzerischen Gedanken aus der westlichen Gerüchteküche blamieren sich einmal mehr angesichts der Köstlichkeiten, die von der Köchin kurz darauf zum Mittagessen serviert werden. Sie heißt Li-sha Ling, was soviel bedeutet wie wunderschöner Regenbogen, und sie macht ihrem Namen mit einer schillernden Auswahl leckerer Speisen alle Ehre: Reis mit Bambus und Teeblättern, Betelnussblüten in Pflaumensauce, glasiertes Huhn mit Honig und Teeblättern, frittierte grüne Teeblätter mit Süßkartoffeln. Frau Ling praktiziert eine ländliche und dennoch anspruchsvolle Küche, die auf klassischen chinesischen Rezepten aufbaut und sie mit den regionalen Produkten des Teeanbaugebietes ergänzt und verfeinert.

Taiwan kulinarisch Gegrilltes

Anschließend erteilt Fräulein Tang von der Tee-Kooperative eine Lektion im richtigen Aufbrühen eines Oolong-Tees: Das Wasser kocht sie in einem Tontopf, lässt es dann ein wenig abkühlen und benutzt es erst einmal zum Anwärmen der Kanne und der Tassen. Dann füllt sie ein Drittel der Kanne mit den großen, krausen Teeblättern, gießt heißes Wasser darüber und lässt das Gebräu genau fünfundvierzig Sekunden lang ziehen. Sie rührt noch einmal kurz um und gießt diesen ersten Aufguss in den Spülstein. Die Teeblätter sind jetzt aufgegangen und bereit, ihren intensiven Geschmack abzugeben. Dafür wird die Kanne noch einmal aufgegossen und die Flüssigkeit schon nach wenigen Sekunden in die winzigen Tassen verteilt. Die Anzahl der weiteren Aufgüsse und die jeweilige Zeit zum Ziehen des Tees hängt von der Art und der Qualität der Blätter ab. „Teekochen kann jeder“, sagt Fräulein Tang, „eine Teezeremonie aber ist eine Kunst, die der Schulung bedarf.“ Und so gehört Tee in China traditionell nicht nur zu den sieben Notwendigkeiten des Lebens, sondern ist auch Hauptbestandteil eines Rituals, das zu besonderen Anlässen zelebriert wird und dabei ganz eigene Förmlichkeiten erfordert.

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