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Aus Politik wird kulinarischer Eintopf

Taiwan kulinarisch GötterbeschwörungHinter einer Scheibe sind rund zwanzig Köche mit flinken Bewegungen am Werk. Die Kellnerinnen - fünfzig, sechzig, man kann ihre Zahl nur ahnen - wuseln nach einem undurchschaubaren Plan durcheinander und schaffen immer neue Körbe mit leckeren Klößchen heran, die pikant zubereitet und gefüllt sind mit Huhn oder Gemüse, Schweinefleisch oder Garnelen. Sojasoße und hauchdünne Ingwerfäden stehen auf jedem Tisch zum weiteren Würzen bereit. Unablässig lächelnd füllen die schmuck uniformierten jungen Damen den Gästen ihre Teetassen auf; sie sind beständig in Bewegung und zeigen trotz der Hektik keinerlei Anzeichen von Schwitzen oder Ermüdung. Und der Geschmack der Speisen hält tatsächlich, was der Lärm verspricht.

Die kulinarische Vielfalt auf Taiwan ist ein Produkt der politischen Umwälzungen im zwanzigsten Jahrhundert. Zwei Millionen Flüchtlinge, die 1949 zusammen mit dem Kuomintang-General Chiang Kai-shek vor den siegreichen kommunistischen Truppen auf die Insel flüchteten, brachten aus allen Teilen des Landes ihre regionalen Spezialitäten und Rezepte mit. Was sich dort auf Abertausenden von Quadratkilometern verteilt, versammelt sich hier auf einer Insel, die nicht größer ist als Holland. Man findet zunächst die taiwanische Küche der Ureinwohner, die eher schlicht daherkommt, viel Fisch verwendet und deren besondere Spezialität kleine Aale mit Erdnüssen und eingelegtem Kohl sind. Vertreten ist selbstverständlich auch die kantonesische Küche, die mit ihren süß-sauren Gerichten lange Zeit die westliche Vorstellung von chinesischer Kochkunst geprägt hat. Weit verbreitet ist die fujianesische Variante, deren mächtiger Eintopf aus Fisch, Schweinefleisch, Huhn und Ente zu den berühmtesten Gerichten des Landes zählt.

Taiwan kulinarisch Motorroller
Verkehrsmittel Nummer 1: der Motorroller

Nicht fehlen darf die pikante Küche aus Szechuan, die großzügig mit Pfeffer und Chilischoten umgeht und bei der Fleisch und Fisch mit Vorliebe eingelegt und mariniert werden. Die mit süßlichen Geschmacksnoten versehenen Gerichte aus Schanghai sind ebenso vertreten wie die Gastronomien des Nordens und der Mongolei, in denen Nudelgerichte, Klöße und Teigtaschen überwiegen, weil in diesen Breiten kein Reis wächst. Nicht zuletzt mögen die Taiwaner auch die Küche der Japaner; deren fünfzigjährige Herrschaft während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hat auf der Insel bis heute ihre Spuren hinterlassen.

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