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Syrien

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Burg oberhalb von Palmyra (Syrien)
Foto: © Simon Gurney
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Aleppo, Eingang zur Zitadelle (Syrien)
Foto: © Adam Przezak
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Omaijaden-Moschee in Damaskus (Syrien)

Foto: © Adam Przezak
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St. Simeonskloster, Syrien

Foto: © Slawek Sajak
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Kurzportrait

Das Territorium des heutigen Syrien war vor rund 11.000 Jahren Schauplatz eines epochalen Umbruchs. Dank günstiger natürlicher Bedingungen wagten die Menschen dieses als „Fruchtbarer Halbmond“ in die Geschichtsschreibung eingegangenen Landstrichs die Erprobung neuer Lebensformen: Es war die Geburtsstunde der Seßhaftigkeit und der frühesten landwirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen.

Später diente die „Wiege der Zivilisation“ als Brücke zwischen den Großmächten des Altertums– den Hethitern Kleinasiens, den wechselnden Reichen Mesopotamiens, dem pharaonischen Ägypten. Das uralte Siedlungsgebiet zwischen dem Mittelmeer und den nahöstlichen Wüsten geriet zum „Schmelztiegel“ der Völker und Kulturen, nicht ohne eigenständige Neuschöpfungen hervorzubringen und so gilt es heute als eine der kulturgeschichtlich bedeutendsten Landschaften der Erde.

Die Ruinen von Palmyra, Syrien

Die Ruinen von Palmyra
Foto: © Pascal Bierret - FOTOLIA

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Nicht nur die altorientalischen Reiche haben hier ihre Spuren hinterlassen und der altsyrische Hauptgott Baal die biblische Welt nachhaltig geprägt. Auch Griechen und Römer errichteten Reiche auf syrischem Boden. Davon erzählen die Ruinen ihrer Städte. Und die Zeugnisse Byzanz` und des frühen Christentums, das sich hier formte, sind ohne Zahl. In mächtigen Wehrbauten verewigte sich die mittelalterliche Epoche der Kreuzfahrer und ihrer Ritterorden und die Kalifen der Omaijaden-Dynastie machten das paradiesische Damaskus zu ihrer Hauptstadt, um von nun an dem Land einen muslimischen Stempel aufzudrücken. Dieser ersten Kalifendynastie folgten weitere arabische Herrscherhäuser, dann fiel das islamisierte Turkvolk der Selçuken in Syrien ein, wurde abgelöst von der ebenfalls turkstämmigen Militärkaste der Mamluken und vom frühen 16. Jahrhundert bis zum Ende des 1. Weltkriegs herrschten osmanische Sultane über das Land.

Aleppo und Umgebung

Syriens zweite Millionenstadt Aleppo (arab. Haleb) steht am Anfang unserer Rundreise durch das nahöstliche Land. Wir werden im weiteren Verlauf die Mittelmeerküste erkunden, Damaskus erleben, den drusischen Süden und in einem weiten Bogen den wüstenhaften Südosten durchqueren, um entlang dem Euphrat an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Unterwegs gibt es atemberaubende Landschaften und eine nie vermutete Fülle großartiger historischer Stätten zu sehen und ein hellwaches, offenes Volk kennenzulernen, das aus vielen Kulturen, Sprachen und noch mehr Religionen schöpft.

Nun also Aleppo, die Metropole des Nordens, inmitten intensiv genutzter Anbauzonen und am Kreuzpunkt traditionsreicher Handelswege. Der wehrhafte Zitadellenhügel beherrscht die Stadt. Kurdische Aiyubiden befestigten und Mongolen verwüsteten ihn, Mamluken betrieben energisch den Wiederaufbau und die Osmanen setzten ihn fort. Das Plateau des Felskegels war aber nicht nur eine martialische Festung. Es diente zeitweise auch als Residenz. Paläste, Gärten, Bäder, Moscheen entstanden und unverändert hat man von hier oben den schönsten Blick auf die Stadt, die alten Viertel am Fuß der Zitadelle (UNESCO-Weltkulturerbe) mit dem 12 km langen Wegenetz des Basars, der zu den größten und schönsten Suqs des Vorderen Orients zählt, auf die prachtvollen Bauten der Omaijaden-Kalifen und Aiyubiden-Herrscher, der Mamluken und Osmanen.

Ein Ausflug zum 40 km entfernten Simeonsklosterführt in das Gebiet der „Toten Städte“ – über 700 aufgegebene Siedlungen mit mehr als 1.000 Kirchen und Kapellen aus frühbyzantinischer Zeit sind darunter zu verstehen. Sie verteilen sich auf die Berglandschaften nordwestlich und südwestlich von Aleppo. Feudalherren betrieben hier einst den Anbau von Oliven in Monokultur. Sie flohen nach den muslimischen Eroberungen im 7. Jahrhundert. Das Simeonskloster ist das herausragende Monument dieser grandiosen byzantinischen Ruinenlandschaft. Es erinnert an den Hl. Simeon, den „Säulenheiligen“, der als radikaler Asket Jahrzehnte seines Lebens auf Säulen verbrachte. Nach seinem Tode (459) entstand der beindruckende Klosterkomplex, in dessen Zentrum vier Säulenbasiliken kreuzförmig einen achteckigen Hof mit den Resten der Simeonssäule umstehen.

Ans Mittelmeer

Auf dem Weg an die Küste passieren wir die Ausgrabungsstätte Ebla (Tell Mardikh), ehemals Zentrum einer altorientalischen Großmacht, deren Anfänge im 3. Jahrtausend liegen und die uns ein sensationelles, 20.000 tönerne Keilschrifttafeln umfassendes Archiv mit überwiegend Verwaltungstexten hinterließ. Wir machen einen Abstecher nach Serjilla, der wohl besterhaltenen „Toten Stadt“ in den Zawiya-Bergen und pausieren in Apameia. Die Gründung des Seleukos I. Nikator, eines früheren Reitergenerals Alexander d. Gr., wird von ihren Bewunderern gerne als schönste hellenistische Ruinenstadt Syriens bezeichnet. Sie war bis ins Mittelalter bewohnt. Eine 6,3 km lange Mauer umschließt das riesige Stadtareal mit seinen erstaunlich gut erhaltenen Monumentalbauten.

Unser erstes Ziel an der Küste ist die Hafenstadt Latakia, ein moderner, europäisch anmutender Ort, der sich gut als Ausgangspunkt für Strandbesuche oder Tagestouren zu den mächtigen Kreuzritterburgen Qalaat Marqab und Qalaat Saladin in den Küstenbergen eignet.

10 km nördlich liegen die Ruinen von Ras Shamra, besser bekannt unter seinem antiken Namen Ugarit. Der bronzezeitliche Stadtstaat war ein bedeutendes Handels- und Kulturzentrum. Schriftkundige erdachten hier eine neue Konsonantenschrift, die wegweisend für die weitere Schriftentwicklung wurde. Tartus, das Tortosa der Kreuzfahrer, Zentrum des Templerordens, beherbergt mit der Kathedrale Notre-Dame de Tortosa den schönsten syrischen Kirchenbau der Kreuzfahrerzeit. Heute ist Tartus Hafenstadt und Touristenzentrum. 2,5 km vor der Stadt schwimmt das Eiland Arwad im levantinischen Meer – trotz seiner Winzigkeit (800 X 500 m) einst eine bedeutende phönizische Handelsstadt.

Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, Syrien

Kreuzritterburg Krak des Chevaliers
Foto: © Pascal Bierret - FOTOLIA

Hama, Homs und Maalula

Auf einem 755 m hohen Plateau des Küstengebirges mit weitem Blick hinüber zu den schneebedeckten Gipfeln des Libanon-Gebirges thront die Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, im Mittelalter ein bedeutender strategischer Stützpunkt des militanten Johanniter-Ordens. Das gewaltige Steingebirge mit seinem doppelten Mauerring, seinen Türmen und Bastionen gilt als besterhaltene Festung im christlichen Orient, als Inbegriff der Kreuzritterburg schlechthin.

Ein Umweg durch die Berge nach Hama läßt uns über die riesigen, hölzernen, überdies uralten Wasserschöpfräder im Ort staunen. Die imponierenden Maschinen mit bis zu 21 m Durchmesser heben das Wasser des Orontes-Flusses und leiten es über Aquädukte auf die höher gelegenen Felder.

Südlich von Homs, Syriens drittgrößter Stadt, geht es auf Nebenstraßen die Ostflanke des Anti-Libanon hinauf bis auf 1.600 m Höhe zu dem christlichen Städtchen Maalula. Das besondere an diesem Ort ist, daß hier noch ein Dialekt des Aramäischen gesprochen wird, das mit der Sprache Jesu Christi am nächsten verwandt ist. Es sind vielleicht noch 4.000 Menschen hier im Städtchen und in zwei benachbarten muslimischen Dörfern, die die Sprache beherrschen.

Die alten Wasserschöpfräder von Hama, Syrien

Die alten Wasserschöpfräder von Hama
Foto: © Pascal Bierret - FOTOLIA

 

Paradiesisches Damaskus

Neben Jericho und Aleppo zählt Damaskus zu den ältesten ununterbrochen besiedelten Städten der Erde. Der Überlieferung nach geht ihr arabischer Name auf den zweiten Sohn Noahs zurück. Abraham, der Stammvater des Volkes Israel, erster Muslim und für die Christen Urbild des wahrhaft Glaubenden, soll hier das Licht der Welt erblickt haben und Saul, der später Paulus genannt wurde, hatte in dieser Stadt sein alles veränderndes „Damaskuserlebnis“. Die alte Metropole liegt am Fuße des Berges Qasiun, wo Kain seinen Bruder Abel erschlug. Sie zieht sich durch die weiträumige Oase Ghuta mit ihren Gemüsefeldern und Obstplantagen, die der ganzjährig fließenden Barada bewässert. Schon immer erregte die Stadt im Grünen am Rande der Wüste, Inbegriff nahöstlicher Stadtkultur, das Entzücken ihrer Besucher, die nicht zögerten, Damaskus mit dem Paradies gleichzusetzen, sie als „Feindin alles Kummers“, „Königin der Düfte“, „Mutter aller Städte“ oder „blumenreiche Perle“ zu preisen. Und auch heute kann sich dem Reiz seiner Altstadt (Weltkulturerbe) niemand entziehen. Kunst, Architektur, Religion, Völkergemenge, Geräusche, Farben, Düfte: das ganze Spektrum morgenländischer Geschichte und Gegenwart begegnet uns an jeder Straßenecke. Und dazu paßt gut, daß es keine Trabantenstädte und Slums gibt, die Stadt sich erstaunlich frei von Bausünden entwickelt hat.

Man nehme sich also Zeit und lasse sich treiben, etwa vom Christenviertel über die schon im Neuen Testament erwähnte Via Recta (Gerade Straße) zu den großen Stadtherbergen (Khans), durch das Pilgerviertel Midan oder den reich mit muslimischen Denkmälern des 13. – 16. Jahrhunderts ausgestatteten Vorort Salihiya. Und irgendwann steht man vor der Omaijaden-Moschee, Damaskus` berühmtestem Bauwerk und älteste aktive Moschee der Welt, am 6. Mai 2001 Schauplatz eines denkwürdigen Ereignisses, als mit Johannes Paul II. das erste Mal ein Papst eine Moschee betrat. Man besuche den Azem-Palast, ein Beispiel für formvollendete osmanische Haus- und Wohnarchitektur, die unterirdische Ananias-Kapelle, wohl eine der ältesten christlichen Gebetsstätten oder die bedeutendste osmanische Moschee der Stadt, die Suleimaniya.

Syriens Süden

Auf einer alten Karawanenstraße fahren wir von Damaskus in das bevorzugte Siedlungsgebiet der Drusen, in das Hauran heißende „schwarze Land des Basalts“, eine vulkanische Gebirgs- und Hügellandschaft, in die sich fruchtbares Tafelland einschmiegt. Bosra (Weltkulturerbe) ist unser erstes Ziel. Es ist eine römische Ruinenstadt, durchsetzt mit muslimischen Bauten, einst Hauptstadt der römischen Provinz Arabia Petraea und am Schnittpunkt wichtiger Karawanenrouten gelegen. Eines der größten und am besten erhaltenen Theater der römischen Welt, Zisternen und Thermen, Basiliken, Paläste, Hamams und Moscheen sind zu besichtigen.

Auch Qanawat, das frühere Kanatha in 1.200 m Höhe und das ebenfalls hoch in den Bergen liegende Shahba waren bedeutende römische Siedlungen, deren Machthaber und lokale Würdenträger sehenswerte Bauten hinterließen.

Palmyra

Steppenwüste begleitet uns auf den 235 km Asphaltstraße von Damaskus zur Oase Tadmor mit den Ruinen der antiken Stadt Palmyra, dem unbestrittenenHöhepunktjederSyrien-Rundreise. Die zum Weltkulturerbe zählende Stadt in der Wüste war in ihrer großen Zeit Rastplatz und Handelszentrum für Karawanen mit Luxusgütern auf dem langen Weg von Mesopotamien an die Mittelmeerküste. Palmyras grandiose Ruinenlandschaft zeugt von dieser Zeit wirtschaftlicher Prosperität, als palmyrenische Kaufleute ihre Reichtümer in den Ausbau der Palmenstadt steckten, ein großzügiger Stadtentwurf mit prunkvollen Bauten Gestalt annahm. Unter dem Einfluß Roms ab dem 1. Jahrhundert wurde die Stadt weiter ausgebaut, nicht zuletzt wegen ihrer strategischen Bedeutung, doch die lokalen Machthaber versuchten – zeitweise erfolgreich – die Fremdherrschaft abzuschütteln, bis Kaiser Aurelian Palmyras selbstbewußte Königin Septimiae Zenobia 272 entmachtete und nach Rom entführte. Die prächtige Stadt verkam zum römischen Militärlager. Frühe Christen richteten sich in den alten Gemäuern ein und noch einmal versuchte Byzanz` Kaiser Justinian den alten Glanz wiederherzustellen, doch der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Nach der Eroberung durch muslimische Truppen (634) verödete die Oasenstadt langsam.

Unvergleichlich im milden Abendlicht die Sicht über Oase und Ruinenstätte von der Burg Qalaat Ibn Maan, die von einem drusischen Emir auf einem nahen Bergkegel errichtet wurde.

An den Euphrat

Die letzte Etappe der Rundreise bringt uns von Palmyra durch Wüste und Steppe zu den fruchtbaren Ufern des Euphrat. Seinen Windungen nach Süden folgend, legen wir zunächst in Dura Europos eine Pause ein. Hier entstand unter Seleukos I. eine hellenistische Festung mit Stadt als Stützpunkt gegen das unruhige mesopotamische Hinterland. Ein riesiges, eindrucksvolles Ruinengelände verlockt zu Erkundungsgängen. Noch weiter südlich liegen die Ausgrabungen des altorientalischen Stadtstaats Mari, Handelszentrum und Hochburg der Kunst, Fundort eines 25.000 Tontafeln umfassenden „Archivs“ und des „Schatzes von Ur“. Freigelegt wurden auch die 275 Räume des Lehmziegel- und Backsteinpalastes des letzten Königs von Mari aus dem 18. Jahrhundert v. Chr.

Und nun den Euphrat stromaufwärts nach Halabiya, einem stark befestigten Kontrollposten der palmyrenischen Königin Zenobia mit gut erhaltener Stadtmauer, Zitadelle, Türmen, frühchristlicher Basilika. Wir passieren Raqqa mit sehenswerten Bauten aus frühislamischer Zeit und verlassen dann die Euphratroute zu einem Abstecher durch die Wüste nach Resafa. Die Verehrung des hier hingerichteten christlichen Märtyrers und Soldatenheiligen St. Sergius machte den Ort zu einem im gesamten Mittelmeerraum bekannten Pilgerzentrum, das es auch nach der Eroberung durch die Araber (636) noch bis in das 13. Jahrhundert blieb. Es gibt 15 m hohe und 1,8 km lange Stadtmauern zu bestaunen, Zisternen, die Grabeskirche des Sergius und große Basiliken.

Unterwegs nach Norden erstreckt sich rechter Hand der vom Euphrat gespeiste Assad-Stausee. Er bewässert in weitem Umkreis landwirtschaftlich nutzbare Flächen und bewältigt einen Großteil der syrischen Stromproduktion.

Und dann ist es Steppenwüste so weit das Auge reicht, die uns auf dem Schlußstück nach Aleppo begleitet.

Eckart Fiene

Adressen, Links und Bücher



Reiseinfos

Landschaftsformen: Im Nordwesten Syriens erstreckt sich eine bis zu 30 km breite, rund 150 km lange, fruchtbare Küstenebene. Sie grenzt im Osten an das Alawiten-Gebirge (bis 1.562 m), das mit seinen südlichen Ausläufern in die Hochgebirgslandschaft des Anti-Libanon übergeht. Hier liegt mit dem zumeist schneebedeckten Berg Hermon (2.814 m) die höchste Erhebung des Landes. Südlich des Anti-Libanon schließt sich das 1967 von Israel besetzte weite Basaltplateau der Golan-Höhen (700 – 1.200 m) an. Lavafelder und Vulkane mit dem Drusen-Gebirge (1.800 m) bestimmen den Süden und Südwesten Syriens.

Östlich dieser von Nord nach Süd verlaufenden Gebirgszone liegt eine ausgedehnte Hochebene. Sie weist fruchtbare Gegenden nur im Nordosten auf (Jazirah-Ebene), wo der aus der Türkei kommende Euphrat für Fruchtbarkeit sorgt. Große Bereiche dieses Tafellandes nehmen aber Fels- und Schuttwüsten ein und im Südosten formen riesige Sanddünenfelder die Syrische Wüste, deren Ausläufer bis weit in den Irak und nach Jordanien hineinreichen.

Klima: In den küstennahen Gebieten Syriens herrscht mediterranes Klima mit mild-feuchten Wintern und trocken-heißen Sommern. Östlich der Küstengebirge macht sich kontinentales Trockenklima bemerkbar. Niederschlagsmenge und –häufigkeit gehen stark zurück und enorme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bzw. Sommer und Winter sind die Regel. So kann in den Wüsten die Temperatur bis nahe 50 Grad ansteigen und zwischen November und März am frühen Morgen gar nicht so selten unter den Gefrierpunkt fallen.

Vegetation: Im Küstenstreifen hält sich eine immergrüne Buschvegetation, wie man sie aus vielen Mittelmeerländern kennt. Auch Aleppo-Kiefern, Tamarisken, Pinien, Zypressen, Feigen- und Olivenbäume gedeihen in diesen Macchie-Regionen. Das Bild ändert sich im östlich angrenzenden Steppengürtel, der noch niedrig wachsende Dornsträucher, Kräuter und Rispengräser hervorbringt, während die Vollwüsten in den östlichen und südöstlichen Landesteilen nahezu vegetationslos sind.

Die Tierwelt ist durch jahrhundertelange Verfolgung und Ausweitung des Kulturlandes sehr artenarm. Schakale gibt es noch in großer Zahl, zu nennen sind auch Wüsten- und Steppentiere wie Hamster, Chamäleons, Schlangen, Skorpione, Echsen, vor allem aber Vögel wie Flamingos und Pelikane an der Küste und am Assad-Stausee, und mehr als 350 weitere Arten, die als Zugvögel hier rasten und zum Teil überwintern.

Medizinische Versorgung: Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A ist ratsam. Für Essen und Trinken gelten die bekannten Vorsichtsregeln: Kalte Getränke und Speiseeis meiden, Wasser nur aus verschlossenen Flaschen trinken, nur frisches, gut durchgegartes Essen zu sich nehmen! Die persönliche Reiseapotheke sollte alle benötigten Medikamente enthalten. Unverzichtbar ist der Abschluß einer Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rückholgarantie.

Die syrische Währung darf nicht aus dem Ausland eingeführt werden. 1 Syrisches Pfund (Lira) = 100 Piaster. Visa und MasterCard sind akzeptierte Kreditkarten.

Beim Fotografieren ist Zurückhaltung geboten. Sensible Objekte wie Militäranlagen und Flugplätze oder andere öffentliche Einrichtungen/Gebäude von (möglicherweise) militärischer Bedeutung dürfen nicht abgelichtet werden. Dieses Verbot sollte unbedingt beachtet werden.

Einreisebestimmungen: Ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepaß und ein Visum (via Botschaft Berlin bzw. Honorarkonsul Hamburg) werden zur Einreise benötigt. Gruppenreisende (deutscher Veranstalter/syrischer Partner) erhalten ein kostenloses Visum an der Grenze.

Der Reisepaß darf keinen israelischen Sichtvermerk enthalten! Falls doch, werden Reisende umgehend in ihr Herkunftsland zurückgeschickt.

Kinder benötigen einen Kinderausweis. Er muß bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein und immer ein Lichtbild enthalten. Werden Kinder im Reisepaß der Eltern eingetragen, ist gleichfalls ein Lichtbild notwendig – unabhängig vom Alter der Kinder.

Statistik

Lage: Syrien grenzt im Westen an das Mittelmeer und den Libanon, im Norden an die Türkei. Nachbar im Osten und Südosten ist der Irak, im Süden Jordanien und im Südwesten Israel.

Fläche: Mit185.180 km² ist das Land gut halb so groß wie Deutschland. Die Golan-Höhen (1.295 km²) wurden 1967 von Israel besetzt und 1981 annektiert.

Küstenlänge: ca. 190 km

Staat: Die Arabische Republik Syrien (offiziell: Syrische Arabische Republik) ist ein sozialistisch-volksdemokratisches Präsidialregime ohne organisierte Opposition. Sechs linke und nationalistische Parteien haben sich zur „Progressiven Nationalen Front“ zusammengeschlossen. Inhaber der Exekutivgewalt ist Staatspräsident Dr. Bashar al-Assad (seit Juli 2000), der den Premierminister und alle anderen Kabinettsmitglieder ernennt, selbst aber vom Volk gewählt wird, so am 10. Juli 2000 mit 97,29 % der gültigen abgegebenen Stimmen. Ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenes Einkammerparlament („Volksrat“) versteht sich als gesetzgebende Volksversammlung.

Hauptstadt: Damaskus (arab. Dimashq) mit 1.7 Mio. Einwohnern (Großraum: 4,0 Mio.)

Bevölkerung: Die Bevölkerung konzentriert sich auf den Raum Damaskus und Aleppo sowie auf die Küstenregion um Latakia, Baniyas und Tartus. 2005 wurden 18.6 Mio. Einwohner gezählt (100,4 Einw./km², Wachstumsrate: 2,4% p.a.)

Da statistische Angaben zu Volksgruppen und Religionsgemeinschaften in Syrien ein Politikum darstellen, sind die dazu veröffentlichten Zahlen nicht in jedem Fall zuverlässig.

Mit etwa 90 % stellen die Araber die große Mehrheit der Bevölkerung, gefolgt von den Kurden (über 6 %, nach anderen Schätzungen bis zu 12 oder gar 15 %. Viele Kurden sind Flüchtlinge aus der Türkei und dem Irak und verfügen nicht über die syrische Staatsangehörigkeit). Ihre Hauptsiedlungsgebiete liegen im Norden entlang der türkischen Grenze und im Nordosten an der Grenze zum Irak. Nächst größte Ethnie sind mit ca. 2 % die Armenier (hauptsächlich in Damaskus und Aleppo), deren Vorfahren Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts einwanderten. Türken, Turkmenen und Tscherkessen sind weitere Minderheiten. Nach 1948 kam eine erste Flüchtlingsgeneration von Palästinensern ins Land. Ihre Zahl liegt heute bei 450.000. Sie leben noch immer in Lagern, werden von der UNO betreut und besitzen nicht die syrische Staatsangehörigkeit.

Religionsgemeinschaften: Der relativ homogenen ethnischen Struktur steht eine auffallende Zersplitterung in religiöser Hinsicht gegenüber. Bemerkenswert auch, daß im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern (weitere Ausnahme: Libanon) der Islam in Syrien nicht Staatsreligion ist. Wohl aber muß der Staatspräsident muslimischen Glaubens sein. Allerdings gehör(t)en die Präsidenten al-Assad (Vater) und al-Assad (Sohn) der schiitisch-islamischen Sekte der Nusairis, auch Nosairer, besser bekannt als Alawiten, an, die nicht von allen Sunniten als muslimisch anerkannt wird. Dank ihrer Überrepräsentanz im Militär, im Erziehungswesen und anderen nationalen Institutionen stiegen die Alawiten seit den 1960er Jahren zur herrschenden Elite des Landes auf. Sie stellen mit ca. 12 % die stärkste religiöse Minderheit. Ihre Hauptsiedlungsgebiete liegen in den westlichen Landesteilen (Provinz Latakia und im Jabal al-Nusayriyah/“Alawiten-Gebirge“).

Die Drusen, ebenfalls eine Sekte mit schiitischen Wurzeln, haben sich durch Übernahme von Elementen des Judaismus und Christentums weit von ihren islamischen Ursprüngen entfernt. Ihr Glaube wird zunehmend als eigenständige (Geheim)-Religion bezeichnet und immer seltener als eine Richtung des Islam. Von den Muslimen des Landes werden sie nicht als Glaubensbrüder angesehen. Sie leben überwiegend im Jabal al-Druze/“Drusen-Gebirge“ und auf den Golan-Höhen. Ihr Anteil an den Religionsgemeinschaften liegt bei 3 %. Als eine weitere Glaubensgemeinschaft schiitischen Ursprungs bilden die Ismailiten im Gebiet von Salamiyah etwa 1,5 % der muslimischen Bevölkerung Syriens, die mehrheitlich der sunnitischen Richtung angehört.

Syriens Bedeutung als Ursprungsland unzähliger christlich-orientalischer Glaubensrichtungen belegen die 13 Prozent Christen im Land. Die ganze Vielfalt der Ostkirche ist hier noch lebendig. Um nur die zahlenmäßig größten zu nennen: Chaldäer, armenische Gregorianer, mit Rom unierte Maroniten, die syrisch-katholische und die armenisch-katholische Kirche, die griechisch-katholischen Melkiten, die Anhänger der syrisch-orthodoxen Kirche (Jakobiten), die große griechisch-orthodoxe Gemeinde, die Anhänger der assyrischen Kirche des Ostens etc. Als laizistischer Staat gewährt Syrien den Christen Freiheiten, die sie (von Libanon abgesehen) in keinem anderen muslimischen Staat genießen. Glaubensfreiheit und die Freiheit der Religionsausübung werden von der Verfassung garantiert.

Sprache: Arabisch ist die Staats- und allgemeine Landessprache. Daneben werden Dialekte des Kurdischen gesprochen sowie Armenisch, Tscherkessisch, Turkdialekte, semitisches Aramäisch, das schon zur Zeit Christi in dieser Region geläufig war. Noch weit verbreitet unter der älteren Generation ist Französisch, während Englisch als Fremdsprache unter der jüngeren Generation vorherrschend ist.

Verkehr: Syrien verfügt über ein dichtes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Die renovierungsbedürftige Eisenbahn (2.760 km) verbindet Aleppo mit Hama, Homs, Damaskus und Jordanien (einschl. eines Teilstücks der berühmten Hedschas-Bahn, auf dem reaktivierte, uralte Dampfloks Sonderzügen vorgespannt werden). Abzweigungen führen in die Küstenregion und in den Nordosten bis Qamishli. Für lange Überlandtouren werden gerne klimatisierte Autobusse genutzt (50.000 km Straßennetz, davon 38.000 km asphaltiert). Natürlich kann man sich auch als Selbstfahrer mit dem Leihwagen fortbewegen.

Wirtschaft und Tourismus: Marktorientierte Wirtschaftsreformen gehen nur schleppend voran, obwohl Präsident Bashar al-Assad die wirtschaftliche Liberalisierung und Marktöffnung sowie eine Verwaltungsreform zu seinen Hauptanliegen erklärt hat. Beobachter registrieren mit Sorge die anhaltende Kontrolle des Staates über alle strategischen Bereiche, eine erdrückende Bürokratie und einen dominanten, aber ineffizienten öffentlichen Sektor.

Wichtigste Branchen sind die Öl- und Gaswirtschaft (Förderung, Verkauf, Verarbeitung), die recht erfolgreiche Textilindustrie, Metallverarbeitung und der Tourismus. Erdöl und Erdölprodukte sind noch die wichtigsten Ausfuhrgüter (bei abnehmenden Fördermengen aufgrund begrenzter Reserven). Die ergiebigen Erdgaslager werden größtenteils zur heimischen Energieproduktion genutzt. Mit Neuexplorationen im Öl- und Gasbereich sind internationale Energieunternehmen beauftragt. Neben dem Erdöl- und Gassektor trägt die Landwirtschaft erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Fruchtbare Böden in der Küstenebene, im Ghab-Tiefland und nördlich des Euphrat (außer in der Küstenebene ist Bewirtschaftung allerdings nur im Bewässerungsfeldbau möglich) bringen reiche Ernten hervor, so daß Syrien bei Agrarprodukten zu etwa 90 % Selbstversorger ist (geringe Mengen gehen sogar in den Export).

Wie die meisten Mittelmeer-Anrainerstaaten sieht auch Syrien im Tourismus eingroßes Potential für Deviseneinnahmen. Badetourismus wird dabei mangels geeigneter Strandabschnitte keine große Rolle spielen können. Einige Bergregionen sind als Wander- und Kletterdestinationen ausbaufähig, aber im Mittelpunkt des Interesses europäischer Touristen werden traditionell die reichhaltigen kulturhistorischen Stätten stehen.

Neue Hotelbauten insbesondere der Mittel- und Spitzenklasse sind im Entstehen, doch die touristische Infrastruktur weist noch erhebliche Mängel auf. Das reicht von fehlender Akzeptanz von Kreditkarten und Reiseschecks bis zur nicht immer gewährleisteten Verfügbarkeit mancher Konsumgüter sowie teils dramatischer Unterschiede zwischen den großen Städten und der Provinz.

Von erheblicher Bedeutung ist natürlich auch die Tatsache, daß Syrien im Brennpunkt des nahöstlichen Geschehens steht, was sich auf die Außenwahrnehmung und das politische Image des Landes auswirkt.