Wenn der Hakawati erzählt
Geschichten aus der syrischen Hauptstadt Damaskus
Text und Fotos: Elke Sturmhoebel
Die
Galabija spannt sich über dem runden Bäuchlein.
Abu Gasim saugt genüsslich an der Wasserpfeife und beobachtet mit
unbewegter Miene das geschäftige Treiben in seinem Kaffeehaus: Den
schnauzbärtigen Kellner, der den Gästen Tee und Mokka auf einem
Tablett serviert; den Hageren, der die Raucher mit glühender Holzkohle
versorgt; die vorwiegend männlichen Besucher. Jeden Abend um 18 Uhr
hockt der alte Kaffeehausbesitzer wie ein Fels in der Brandung auf dem
Stuhl neben dem erhöhten Sitz, auf dem gleich der Hakawati Platz nehmen
wird (Foto rechts).
Das Café „Nofara“ füllt sich um diese frühe Abendstunde mit jungen Männern in Blousons, Büroangestellten in Anzügen und gesetzteren Herren im traditionellen Gewand, das schwarz- oder rotweiß gemusterte Tuch lässig um den Kopf drapiert. Rundfunk und Fernsehen zum Trotz scheint der Geschichtenerzähler wie in vergangenen Zeiten Junge und Alte gleichermaßen anzuziehen.
Ein
paar Minuten später endlich tritt er über die
Schwelle und grüßt mit „Salam Aleikum“. Mit seinem
Schlips sieht man ihm seine Profession wahrlich nicht an. Erst als er den
roten Tarbusch aufsetzt, sich den schwarzen Umhang mit goldener Bordüre überwirft,
das Schwert in die eine und das abgegriffene Buch in die andere Hand nimmt
und mit der Erzählung beginnt, strahlt er einen Hauch von Tausendundeiner
Nacht aus (Foto rechts).
Es scheint eine zugleich spannende und lustige Geschichte zu sein, die der Hakawati da vorliest. Denn die Zuhörer lauschen gebannt oder lachen. Um einen gewissen Ibrahim geht es darin, wie wir später erfahren, der in allerlei brenzlige Situationen gerät. Es geht um die Zeit der islamisch-arabischen Feldzüge, als Omar, der zweite Kalif und Nachfolger Mohammeds im Jahre 635 Damaskus eroberte.
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