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Suriname

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Fotos: © Philippe Surmely - fotolia.com u.a.

 





Kurzportrait

Für die meisten Europäer eher eine „terra incognita“, können unsere niederländischen Nachbarn Surinamemit dem kleinen Land im Nordosten Südamerikas sehr wohl etwas anfangen, wo doch Ortsnamen wie Groningen, Wageningen, Frederiksdorp oder Nieuw Amsterdam gebräuchlich sind und der Präsidentenpalast am Onafhankelijkheidsplein (Unabhängigkeitsplatz) liegt, das Königshaus Oranje-Nassau sich im Wilhelmina-Gebergte (Gebirge) und am Julianatop verewigte und Wasserfälle den Namen von Frederik Willem de Vierde tragen.

Foto: Typisches Kolonialgebäude

Die Namen sind geblieben auch nach dem Exodus der Niederländer. Kaum hatten sie nach 300 Jahren wenig rühmenswerter Kolonialherrschaft Nederlands Guyana 1975 in die Unabhängigkeit entlassen, stürzte der neue Staat Suriname ins Chaos. Das „Mutterland“ war mit seinem Latein rasch am Ende und brach die Beziehungen ab, um sie erst 1992 wieder aufzunehmen. Die unruhigen 70er und 80er Jahre warfen das Land in seiner Entwicklung weit zurück, auch der Aufbau des Tourismussektors geriet ins Stocken. Ob es aber fair ist, Suriname heute einen „touristischen Dornröschenschlaf“ anzudichten, darf bezweifelt werden. Gewiß weist die touristische Infrastruktur noch Defizite auf, doch ein engagiert arbeitendes Tourismusamt kümmert sich darum und es gibt eine große Zahl rühriger „Tour Operator“ (und nur mit ihnen sollte man im Land unterwegs sein!), die ihren Job sehr professionell betreiben.

Wie das benachbarte Guyana ist Suriname mangels Stränden kein Badeurlaubsziel. SurinameMassentourismus wird es hier nie geben. Seine atemberaubenden Naturschönheiten, die ethnische und kulturelle Vielfalt, das große Abenteuer tropischer Urwald werden immer ein Nischenziel bleiben – doch etwas mehr Zuspruch als gegenwärtig würde dem Lande guttun.
Seine abenteuerlichen Begleitumstände wird das Reisen in Suriname so bald nicht verlieren. Darauf müssen sich „Newcomer“ einstellen. Denn befestigte Straßen sind eher die Ausnahme und Urwaldpisten nicht selten durch Erdrutsche oder Überschwemmungen unpassierbar. So bewegt man sich eigentlich mehr auf den Flüssen, zumeist eingezwängt in einen „Korjaal“, dem mit Stechpaddeln oder Außenbordmotor angetriebenen Einbaum. Ungünstige Wasserstände oder Stromschnellen zeigen ihm freilich allzu oft seine Grenzen auf. Bleibt noch der schnelle und leidlich komfortable Luftweg mit den kleinen, wendigen Propellerfliegern, die die rumpeligen „Airstrips“ im Urwald anfliegen, wobei es durchaus passieren kann, dass sie vor der niedrig hängenden Wolkenbank kapitulieren müssen, die den kurzen Landestreifen urplötzlich verhüllt hat. Derartiges ist nicht zu befürchten, wenn man von Europa kommend auf dem Johan-Adolf-Pengel International Airport nahe Paramaribo einschwebt, einem der wohl beschaulichsten Hauptstadt-Airports weltweit.

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Fast kleinstädtisch mutet Surinames Hauptstadt an. Sie liegt am Westufer des Suriname-Flusses, 12 km vor dessen Mündung in den Atlantischen Ozean. Dominiert wird die bescheidene Metropole von einem Ensemble ansehnlicher Holzgebäude im niederländischen Kolonialstil. Dass noch etwa 250 von ihnen erhalten sind und auch der originale Straßenplan intakt blieb, mache die historische Innenstadt zu einem einzigartigen Beispiel für die behutsame Verschmelzung niederländischer Architekturvorstellungen mit traditioneller einheimischer Handwerkerkunst und lokalen Materialien, hieß es in der Laudatio der UNESCO, als sie der Stadt 2002 den Welterbestatus verlieh. Auf diese Weise sei ein ganz neuer architektonischer Ausdruck kreiert worden. Am eindrucksvollsten präsentieren sich die alten Häuserzeilen an der Waterkant, wo früher die Segler aus Europa festmachten, Waren und Sklaven gehandelt wurden, Kaufmannspaläste und Lagerhäuser entstanden.
Neben den Kolonialbauten aus dem frühen 19. Jahrhundert überraschen die vielen  prunkvollen Sakralbauten der verschiedenen Religionsgemeinschaften wie die in neoromanische und neogotische Stilelemente gekleidete katholische Kathedrale, die in einem Wettstreit mit der anglikanischen Kathedrale von Georgetown/Guyana um den Rang des höchsten und größten Holzgebäudes Südamerikas (oder gar der Welt?) steht. 1724 entstand in der Keizerstraat die große Synagoge und direkt daneben erhebt sich seit kurzem mit der Ahmadiyya Anjuman Isha`at Islam eine der größten Moscheen Südamerikas, farbenprächtige Hindutempel sind in der Koning- und Wanicastraat zu bestaunen. Bei einem Stadtrundgang sollte man auch dem herrschaftlichen Gouverneurssitz, heute Präsidentenpalast, einen Besuch abstatten und im alten Fort Zeelandia einen Blick in die surinamische Geschichte werfen.  

Beliebtes Ausflugsziel der Hauptstädter ist die im 18. Jahrhundert errichtete Festung
Nieuw Amsterdam, heute Freilichtmuseum. Sie steht auf der gegenüber liegenden Seite des hier 900 m breiten Suriname-Flusses. Manchen wird dabei ein anderes, in Nordamerika gelegenes Nieuw Amsterdam in Erinnerung gerufen: 1667 war es Verhandlungsgegenstand zwischen England und den Niederlanden. Nach langen Debatten kam es damals zu einem Tausch, der den Niederländern das heutige Suriname zuerkannte und die Engländer mit Nieuw Amsterdam, dem New York unserer Tage, beglückte. Wen wundert`s, dass die Surinamer spötteln, die Niederländer hätten seinerzeit den besseren Deal gemacht.
Die Gegend um Nieuw Amsterdam ist von Surinamern javanischer und indischer Abstammung besiedelt. Sie setzten in bescheidenem Maße fort, was zunächst von Engländern und nach 1667 von den Niederländern in großem Stil praktiziert wurde: Plantagenwirtschaft unter Kontrolle der West India Company. 1862 zählte man landesweit 216 Plantagen, die wegen Arbeitskräftemangels bis 1913 zu 79 Großplantagen zusammengelegt wurden. Man stoppte die Produktion von Kaffee, Kakao und Baumwolle und setzte allein auf Zuckerrohr. Um 1800, in der „goldenen Zeit“ der Plantagenwirtschaft, schufteten Jahr für Jahr an die 50.000 Sklaven auf den Pflanzungen. Erst 1863 konnten sich die Niederländer als letzte europäische Nation dazu durchringen, die Sklaverei abzuschaffen, mit einer langen Übergangszeit freilich: bis 1873 standen die Sklaven unter Staatsaufsicht (Staatstoezicht) und unterlagen einer immerhin bezahlten Arbeitspflicht. Viele alte Plantagen und „Herrenhäuser“ wie die frühere deutsche Kaffee- und Kakao-Pflanzung Frederiksdorp oder Marienburg, Meerzog, Peperpot u. a. sind zu besichtigen. Sie können auch Besucher beherbergen.

Suriname

Giftpfeilfrosch ( Foto: © Suriname Travel Organisation)



Andere lohnende Ausflugsziele sind das Galibi-Naturreservat am Mündungsdelta des östlichen Grenzflusses Marowijne. Das Schutzgebiet für Meeresschildkröten ist nur mit dem Boot erreichbar und verfügt jetzt auch über eine Touristen-Lodge. Südlich von Paramaribo liegt das van-Blommestein-Meer, ein gewaltiger Stausee, der mit 1.560 km² Fläche den Bodensee fast um das Dreifache übertrifft. Sein Kraftwerk versorgt die Bauxit verarbeitende Industrie und die Hauptstadt mit Energie. Westlich des Sees erstreckt sich der Naturpark Brownsberg, eine bergige Regenwaldregion mit reicher Flora und Fauna, gewaltigen Wasserfällen, phantastischen Ausblicken und sogar Wanderwegen. Auch hier gibt es seit kurzem ein guesthouse. Eineinhalb Stunden mit einem robusten Fahrzeug über schlechte Straßen – dann hat man Jodensavanne (Judensavanne) erreicht, einen historisch bedeutsamen Ort, der 1832 nach einem großen Brand aufgegeben wurde. 1665 hatten ihn jüdische Inquisitionsflüchtlinge gegründet. Die englischen und später die niederländischen Machthaber unterstützten die jüdischen Siedlungsinitiativen nach Kräften, gewährten etliche Privilegien in der Hoffnung, die Erfahrungen der Zugewanderten im internationalen Handel für das junge Land nutzen zu können. 1685 entstand die Synagoge „Beracha ve Shalom“, heute in Ruinen. Sie gilt als ältester jüdischer Sakralbau auf dem amerikanischen Kontinent. Der Friedhof bewahrt wunderschön ornamentierte Grabsteine (der älteste ist von 1667) mit spanischen, portugiesischen, niederländischen und hebräischen Inschriften.


Neben den schon genannten guesthouses sind noch eine Reihe weiterer Lodges erwähnenswert. Sie auf eigene Faust erreichen zu wollen, wäre keine gute Idee. Man sollte sich örtlichen Reiseveranstaltern anvertrauen, denn nur sie kennen sich aus mit den Pisten, Wasserwegen und Flugverbindungen, sie sorgen für Eßbares, wissen mit Tropengetier umzugehen, verstehen die Sprachen der Amerindians und Bosnegers. Nature Resort Kabalebo ist eine dieser Lodges, ein richtig komfortables Haus mit all-inclusice Service mitten im artenreichen Regenwald oder Arapahu Island im Corantijn-Fluß, wo es mysteriöse vorzeitliche Felszeichnungen, Wasserfälle und Tropenvögel zu bestaunen gibt. Empfehlenswert auch die Awarradam-Lodge in der Nähe tosender Stromschnellen und faul am Ufer liegender Krokodile, schließlich Palumeu am Rande eines Indianerdorfs. Hier sind Einbaumfahrten angesagt und Wanderungen durch den Regenwald, selbst der Umgang mit Pfeil und Bogen kann geübt werden.
Seite an Seite mit den indianischen Ureinwohnern, von denen sie so manche Überlebenstechniken erlernten, siedeln die sog. Bosnegers an den Flußufern in den dichten Urwaldregionen Surinames. Die Buschneger, engl. auch „Maroons“ (die von der Außenwelt Abgeschnittenen) genannt, sind die Nachkommen geflohener Sklaven, die sich von der Zwangsarbeit auf den Plantagen in den Busch retten konnten und dort stammesähnliche Gemeinschaften mit vielen Elementen ihrer ursprünglich westafrikanischen Heimat schufen – eine faszinierende afrikanisch-amerikanische Mischkultur.   
Und nicht zu vergessen: das Tafelberg Savanna Resort. Diese komfortable Lodge ist ein idealer Standort für geführte Touren in das Central Suriname Nature Reserve. Mit Auto und Einbaum wird die Anreise von Paramaribo zu einer Tagestour, bequemer ist der Flug zu einem der drei Airstrips im Reservat. Das 16.000 km² große Schutzgebiet (ein Zehntel der Gesamtfläche des Landes) zählt seit 2000 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Seine Tiefland- und Bergzonen sind von dichtem tropischem Regenwald bedeckt, der eines der weltweit größten Gebiete mit völlig unversehrtem, unbewohntem und von der Jagd unberührtem tropischem Primärwald bildet. Die vielen natürlichen Lebensräume weisen eine artenreiche Flora und Fauna auf, die aufgrund der Größe und Unzugänglichkeit des Gebiets noch immer nicht vollständig erforscht sind.
Die Urwaldriesen sind hier wirkliche Riesen, 30 m hoch im Durchschnitt, nicht selten recken sie ihre Kronen sogar bis in Höhen von 40 und 50 m. Von den bisher gezählten 6.000 Pflanzenarten sind 47 endemisch. Mehr  als 400 Vogelarten teilen sich den Regenwald, die Savannenflächen und Sumpfwaldstreifen mit den acht in Suriname heimischen Affenarten, mit dem Jaguar, dem Riesengürteltier, Riesenottern, Tapiren, Faultieren.

Südlich dieses großartigen Naturschauspiels, schon nahe der Grenze zu Brasilien, erstreckt sich das Sipaliwini-Naturschutzgebiet. Es ist eine entlegene, fast menschenleere Savannenzone, leicht hügelig, hier und da mit Steinblöcken besetzt und von einigen z. T. noch namenlosen Bergen, sog. Inselbergen, überragt,  überwiegend grasbewachsen mit vereinzelten Bäumen darauf – eine Landschaft von eigenartiger Schönheit. Bis in das 20. Jahrhundert überließen die Niederländer diesen Teil ihrer Kolonie sich selbst. Das im Schutzgebiet siedelnde Trió-Indianervolk kam erst Mitte des letzten Jahrhunderts mit der Außenwelt in Kontakt. 

Eckart Fiene

Adressen, Links und Bücher

 



 

Reiseinfos

Landesnatur: Der kleine Staat zwischen Brasilien und dem Atlantik gliedert sich in vier Landschaftsräume. Die sich 40 bis 80 km ins Landesinnere erstreckende Küstenebene ist fruchtbar und dicht besiedelt. Mangrovendickicht begleitet die Küste und die Ufer der zahllosen Flüsse. Sumpfwälder und bewaldete Dünenfelder wechseln sich mit Plantagen ab. Schon zu Kolonialzeiten konnte durch  Auspolderungen kostbares Land gewonnen werden. Dicht mit Regenwald bedecktes Hügelland auf einem Streifen von etwa 60 km Tiefe schließt sich an. Es steigt zum Landesinnern terrassenförmig von 50 m auf 400 m an und geht in das Hochland über, das fast 80 % der Landesfläche ausmacht. Undurchdringliche und weitgehend noch unerforschte Urwaldgebiete erstrecken sich bis hinauf zu den bizarren Gipfelregionen des Wilhelmina-Gebirges mit dem Julianatop, Surinames höchster Erhebung (1.230 m), seiner südlichen Fortsetzung, der Eilerts-de-Haan-Bergkette und den Tumuk-Humak-Bergen, deren Wasserscheide die Grenze mit Brasilien bildet. Im äußersten Südwesten reicht vom brasilianischen Territorium eine Savannenzone nach Suriname hinein, die eine wellige Landschaft von herber Schönheit formt. Inselberge und große Steinblöcke, weite Grasfluren mit vereinzelten Bäumen und die Bachläufe begleitende Mauritia-Palmen prägen hier das Landschaftsbild.
Abgesehen von den nicht allzu zahlreichen und überdies wetterabhängigen Verbindungen mit dem Kleinflugzeug, ist das Hinterland nur über die Flussläufe zugänglich. Der Corantijn/Corantyne ist Grenzfluss zum westlichen Nachbarn Guyana, im Osten trennt der Marowijne/Maroni Suriname von Französisch-Guyana. Der mächtige Suriname-Fluss, der dem Land den Namen gab, mündet nahe der Hauptstadt Paramaribo in den Atlantik.

Klima: Suriname hat ein tropisches Klima mit mehr oder weniger ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten. Man unterscheidet eine kürzere Trockenzeit von Februar bis April, daran anschließend die große Regenzeit bis August, gefolgt von der großen Trockenzeit, die bis in den November reicht und in eine kürzere Regenzeit bis in den Februar übergeht. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen bei 1.500 – 2.000 mm an der Küste und über 3.000 mm im Binnenland. Von tropischem Kaliber ist auch die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit, die bei 82 % liegt. Die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede sind gering. 35 – 37 Grad sind als Temperaturmaxima möglich, durchschnittlich werden um die 31 Grad erreicht, in Küstennähe durch den Nordostpassat gemildert. Surinam liegt außerhalb der Hurrikan-Zugstrasse. Angenehmste Reisemonate sind die Trockenzeiten Februar/April und August/November.

Flora/Fauna: Die Pflanzenwelt des Landes ist außergewöhnlich artenreich und durch menschliche Eingriffe bisher nur marginal beeinträchtigt, da noch immer große  Landesteile unzugänglich sind. Und erfreulicherweise ist der Naturschutzgedanke im Land fest verankert (zur Zeit gibt es 19, zum Teil großräumige Schutzgebiete). Etwa 80 % Surinames sind mit tropischen Regenwäldern bedeckt, nördlichen Ausläufern des 3,5 Mio. km² umfassenden Amazonas-Regenwaldgebiets.
Artenreich ist auch die Tierwelt der offenen Landschaften und dichten Urwälder. Flamingo und Roter Ibis, zahllose Kolibri- und Papageienarten, der spektakuläre Orange Felsenhahn (cock-of-the-rock) und der Harpyle-Adler sind die auffallendsten Vertreter einer auf 650 Arten geschätzten Vogelwelt. Jaguar, Puma, Ozelot, Gürteltiere und Ameisenbären, Wasserschwein und Faultier, Flußotter, Seekuh und Affen gehören zu den hier gezählten 150 Säugetierarten. Dazu gesellen sich farbenprächtige Schmetterlinge und Schildkröten, Kaimane und Schlangen, Frösche und Skorpione und unzählige Insektenarten.

Geld/Währung: Am 1.1.2004 wurde eine neue Währung, der Suriname-Dollar, eingeführt. Euro und US-Dollar können in Banken und Hotels eingetauscht werden, Banken akzeptieren auch Traveller Cheques. Zahlungen mit den drei gängigen Kreditkarten Visa, Mastercard, American Express sind in der Hauptstadt Paramaribo in größeren Hotels, Restaurants und Geschäften möglich. Der Suriname-Dollar wird im benachbarten Französisch-Guyana nicht anerkannt!

Sicherheit: Die Straßenkriminalität in Paramaribo ist deutlich geringer als in den Hauptstädten der Nachbarländer Georgetown (Guyana) und Cayenne (Franz.-Guyana). Dennoch sollte man die bei Auslandsreisen üblichen Vorsichtsmaßnahmen unbedingt einhalten.

Medizinische Versorgung: Zur Zeit gibt es keine Impfvorschriften. Empfohlen wird aber ein Impfschutz gegen Hepatitis A, Tetanus und Diphtherie, bei Langzeitaufenthalten auch gegen Hepatitis B und Typhus. Ein Tropen- oder Reisemediziner sollte wegen der Malariagefahr und des Denguefiebers kontaktiert werden. Da das Leitungswasser als Trinkwasser nicht geeignet ist, sollte man unbedingt auf Wasser in Flaschen ausweichen. „Besondere Hygienemaßnahmen“ werden vor dem Verzehr von Lebensmitteln angemahnt.
Aufgrund der mangelhaften medizinischen Versorgung sollte die persönliche Reiseapotheke großzügig gefüllt und eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen werden, die im Notfall einen Rücktransport einschließt.

Einreisebestimmungen: Deutsche Reisende benötigen einen Pass, der mindestens noch sechs Monate gültig ist und ein Visum, das bei den surinamischen Botschaften in Den Haag oder Brüssel beantragt werden kann. Kinderausweise mit Lichtbild werden anerkannt. Reisende sollten im Besitz eines Rückflug- oder Weiterflugtickets sein. Bei der Ausreise wird eine Flughafensteuer fällig. Es wird dringend dazu geraten, mindestens zwei Stunden vor Abflug einzuchecken, um sicherzugehen, dass die eigene Reservierung nicht wegen Überbuchung gestrichen ist.

Statistik

Lage: Suriname, hinsichtlich Fläche und Bevölkerung kleinster souveräner Staat Südamerikas, grenzt im Westen an Guyana (bis 1966 als „British-Guiana“ Kronkolonie der britischen Majestäten) und im Osten an das französische Übersee-Département Guyane Française (Französisch-Guyana). Im Süden hat das Land eine gemeinsame Grenze mit Brasilien, sein nördlicher Landesteil grenzt an den Atlantik.

Fläche: Mit 163.820 km ² übertrifft Suriname seine ehemalige Kolonialmacht Niederlande um das Vierfache. Suriname beansprucht 13.000 km² des Territoriums seines westlichen Nachbarn Guyana und rund 7.000 km² der Fläche Französisch-Guyanas. Eine Lösung für die jahrzehntelangen Grenzkonflikte ist nicht in Sicht.

Staat: „Nederlands Guyana“ wurde 1975 als bisher letztes Land des Subkontinents unabhängig. In der Folgezeit kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen, die Wirtschaftslage verschlechterte sich dramatisch, fast ein Drittel der Bevölkerung setzte sich in die Niederlande ab, das Militär putschte mehrmals und Guerillaverbände bekämpften die Regierung. Erst in den neunziger Jahren konnten demokratisch gewählte Politiker die Staatsgeschäfte in ruhigere Bahnen lenken. Die Republiek van Suriname ist eine Präsidialrepublik. Oberste exekutive Instanz ist der Präsident, der zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Vorsitzender des Sicherheitsrats und des Staatsrats ist.
Neben dem Hauptstadtdistrikt Paramaribo gibt es neun weitere Verwaltungsbezirke, die sich bis auf Sipaliwini alle im schmalen Küstensaum drängen. Sipaliwini, einziger Distrikt im Hinterland, umfaßt 80 % der gesamten Landesfläche, weist aber nur 5 % der Bevölkerung auf.

Hauptstadt: Paramaribo mit 243.000 Einwohnern (Stadt und gleichnamiger Distrikt / nach dem Census vom August 2004, wie auch alle folgenden Zahlen).

Bevölkerung: 493.000 Einwohner, 3,0 Einwohner/km², zum Vergleich Deutschland: 230 Einw. je km².
One of the most extraordinary ethnic cocktails in the world“ zeichnet das Land aus. Der Bedarf an Arbeitskräften für die Plantagen war der Auslöser für etliche Einwanderungswellen, die nicht immer freiwillig vonstatten gingen, wie das Beispiel der afrikanischen Sklaven zeigt. 215.000 wurden zwischen 1621 und 1818 aus den heutigen Ländern Ghana, Togo, Benin, Angola gewaltsam nach Suriname verschifft. Vielen gelang die Flucht von den Plantagen in den Urwald, wo ihre Nachkommen noch heute, stammesmäßig organisiert, leben. Man nennt sie „Bosnegers“ (Buschneger). Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 15 %, die der Nachfahren afrikanischer Sklaven in den Dörfern und Städten des Nordens („Kreolen“) um 18 % und 12,5 % entfallen auf Mischlinge. Die indigene (indianische) Volksgruppe ist auf 3,7 % geschrumpft. Als Hindustani werden die Nachkommen der zwischen 1873 und 1916 ins Land geholten ca. 34.000 indischen Kontraktarbeiter bezeichnet (27 %), Javaner (1890 – 1939 im damaligen Niederländisch Ost-Indien, heute Indonesien, angeworben) machen 15 % aus, eine kleine chinesische Minderheit (1,8 %) geht auf Arbeiter und Immigranten zurück, die nach 1853 ins Land kamen. Der Anteil der Niederländer macht ebenfalls 1,8 % aus. Die restlichen 5 % verteilen sich auf Einwanderer bzw. deren Nachkommen aus dem portugiesischen Madeira, aus Brasilien, Libanon, Syrien, Guyana etc.

Religion: 40,7 % der Einwohner bezeichnen sich als Christen, davon etwa die Hälfte als Anhänger der röm.-kath. Glaubensrichtung. 19,9 % sind Hindus und 13,5 % Muslime (Suriname ist seit 1996 Vollmitglied der Organisation of the Islamic Conference/OIC). 5,4 % fühlen sich anderen Religionen und 4,4 % keiner Religion zugehörig. 15,7 % gaben bei der Befragung keine Auskunft über ihre Religionszugehörigkeit.

Sprache: Amtssprache ist Niederländisch. Alle Surinamer verstehen und sprechen auch Sranan Tongo, eine lingua franca, die Elemente fast aller im Land vertretenen Sprachgruppen aufweist. Hindi, Javanisch, Englisch sind weit verbreitet, deutsche Sprachkenntnisse selten.

Verkehr/Transport: In Suriname wird links gefahren! Nur die wenigsten Straßen – vielleicht ein Viertel – sind allwettertauglich. Sie konzentrieren sich in der Küstenregion. Mehrheitlich ist von Sandpisten auszugehen, reich an Schlaglöchern, zeitweise überschwemmt, eng und kurvenreich und voller unerwarteter Begegnungen. Zugang zum Hinterland gewähren nur die vielen Flüsse und Buschflugzeuge (35 Landepisten).
Amsterdam ist günstigster europäischer Abflughafen nach Paramaribo (KLM und Surinam Airways), Caribbean Airlines unterhält Verbindungen von Paramaribo nach London und in die USA.

Wirtschaft: Die instabile politische Lage bis in frühen 90er Jahre hat in der Wirtschaft ihre Spuren hinterlassen. Erst seit 2000 zeichnet sich ein leichtes Wirtschaftswachstum ab, doch gravierende strukturelle Probleme verhindern eine nachhaltige Erholung: Die Staatsverschuldung ist hoch, der öffentliche Sektor grotesk aufgebläht, dazu zählen 120 ineffizient arbeitende öffentliche Betriebe, die 60 % der Arbeitnehmer beschäftigen, der Export stützt sich hauptsächlich auf Bauxit und Gold und ist damit von den schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, Landwirtschaft und Fischerei arbeiten nach traditionellen, nicht mehr konkurrenzfähigen Methoden, ebenso das verarbeitende Gewerbe. Um der bedrohlichen internationalen Konkurrenz begegnen zu können, sind Restrukturierungen und Qualifizierungen dringend geboten. Suriname zählt zu den weltweit führenden Produzenten von Bauxit, hat aber die Kontrolle über dessen Abbau und Weiterverarbeitung an amerikanische und niederländische Unternehmen abgegeben. Bauxit ist wichtigstes Exportprodukt, gefolgt von Gold (zwei Drittel davon, so heißt es, würden illegal außer Landes gebracht), Rohöl (mit steigender Tendenz), Fische und Shrimps, Reis, Holz. Der Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor von untergeordneter Bedeutung. Dem Ökotourismus wird Entwicklungspotential bescheinigt, doch noch fehlt es an Nachfrage und die bescheidene Infrastruktur kann nur wenige Tausend Besucher jährlich verkraften.