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Südafrika

Kapstadt: Cecil John Rhodes

 

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Kapstadt

 

 

 


Koloniale Größe - kolonialer Wahn:
Cecil John Rhodes

Ein Portrait

Als der l7jährige Cecil John Rhodes 1870 vom englischen Bishop Stortford ins südafrikanische Natal zog, tat er dies eigentlich nur, um sich dort auf der Farm seines Bruders von einer eben überstandenen Krankheit zu erholen. Doch es kam vollkommen anders: Zwar kehrte Rhodes kurz nach England zurück, um in Oxford das Juraexamen abzulegen, doch schon 1878 war er wieder in Südafrika. Dort blieb er bis zu seinem Tod 1902. Er starb als einer der reichsten Männer der Welt und als Begründer eines Kolonialreichs, das, wäre es nach seinen Plänen gegangen, lückenlos von Kapstadt bis Kairo gereicht hätte. Letzteres gelang zwar nicht ganz, aber immerhin sollte der extrem ehrgeizige und machtbesessene Rhodes es schaffen, von der Nachwelt mit Napoleon und Alexander dem Großen verglichen zu werden. So jedenfalls hat nicht nur der deutsche Afrikaforscher Carl Peters diesen ebenso faszinierenden wie furchteinflößenden Mann beurteilt.

Das Abenteuer begann 1878 im Diamantenrausch. Binnen kurzer Zeit schaffte es der gewiefte Unternehmer, als der Rhodes sich bald herausstellte, den Brüdern De Beers in Kimberley ihr Land abzukaufen, wohl wissend, daß dort drei riesige Diamantenminen auszubeuten waren. 1880 gründete er hier die De Beers Consolidated Mines Ltd. und führte ein Abgabensystem ein, das die privaten Diamantensucher in denselben Claims (,Big Hole' in Kimberley) schnell in seine Abhängigkeit brachte: Entweder zahlten sie einen gewissen Prozentsatz an ihn, oder sie mußten sein Land verlassen. Nur ein nennenswerter Gegenspieler, der Londoner Barney Bernato, widersetzte sich den Ansprüchen des erst 27jährigen Magnaten. Doch Rhodes kaufte Bernatos Besitz kurzerhand auf - für die zu damaliger Zeit schwindelerregende Summe von 5.338 650 britischen Pfund. Die Fusion fand 1888 statt, und sie legte den Grundstein für jenes rund 40 Jahre später von dem hessischen Einwanderer Ernest Oppenheimer übernommene Diamantenimperium, das, bestehend aus den Firmen De Seers, Anglo-American Corporation und CSO (Central Selling Organisation), mit Nicholas Oppenheimer an der Spitze, bis heute 80% des Weltdiamantenhandels in ihren Händen hält.

Schon bald begann Rhodes, auch die Politik für seine Belange einzusetzen. 1884 gelang ihm der erste Coup: Er war bereits einflußreich genug, um London dazu zu bewegen, Betschuanaland (heute Botswana) von Truppen der britischen Kapkolonie besetzen zu lassen. Fünf Jahre später gründete er die British South Africa Company (BSAC); mit königlicher Legitimation ausgestattet, annektierte diese die gesamten Gebiete des heutigen Sambia und Zimbabwe, um sie englischen Siedlern zuzuweisen bzw. zu verkaufen. In bester Rhodes'scher Bescheidenheit erhielten die Neuländer seinen Namen - Nord- und Südrhodesien.

1890 wurde Rhodes schließlich Premierminister der Kapkolonie. Seine Regierungszeit war geprägt von der tiefgreifenden Konfrontation mit dem Führer der Burenrepubliken und Präsidenten Transvaals, Paul Kruger. Festzuhalten ist hier u.a., daß der Burenkrieg (1899 -1902), in den sie mündete, vom mittlerweile abgewählten Rhodes nur am Rande mitgeführt wurde - ein Krieg übrigens, von dem Cecil Rhodes stets behauptet hat, daß er ihn, wäre er an verantwortlicher Stelle gewesen, verhindert hätte. Als Rhodes am 26. März 1902 auf seiner Farm in Muizenburg starb - an dem alten Lungenleiden, das ihn einst nach Afrika gebracht hatte -, war dieser schmutzige Krieg noch nicht beendet.

Den größten Teil seines Vermögens vermachte Rhodes der Universität Oxford. Sie verwendete es u. a. zur Einrichtung einer Studienstiftung: Während die Rhodes-Stipendien so weiter an den ebenso genialen wie skrupellosen Geschäftsmann und Politiker erinnern, heißen die nach ihm getauften Länder heute Sambia und Zimbabwe.