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Stolz auf das Erreichte

Vor dem Museum verkaufen Frauen und Männer dunkle Holzplastiken, farbenprächtige Bilder und die filigranen Perlenketten der Zulus. Einer der jungen Maler grüßt mich besonders herzlich: „Es sollen noch viel mehr kommen, so wie du. Sie sollen wissen, dass sie herzlich willkommen sind. Kannst du das schreiben? Natürlich weiß ich, dass hier noch viel getan werden muss, vor allem für die Infrastruktur. Jetzt gibt es wenigstens schon Parks, Restaurants und ein paar Leute, die Bed and Breakfast anbieten. Aber es hat sich wirklich schon viel verändert in Soweto und wir sind stolz darauf.“

Diesen Stolz spüre ich auch, als uns der Wirt des Restaurants „Sakhumzi“ in der Vilakazi Street begrüßt. Wie immer lädt er Henryk zum Essen ein, schließlich bringt er neue Gäste. Sein Haus ist gut besucht, vor allem an den Abenden, dann treffen sich die Leute aus der Nachbarschaft, manchmal sitzen mittendrin auch ein paar Gäste, die von weiter her kommen. Schwarze, Weiße, das ist egal. Jetzt ist es eher ruhig in den Räumen, die mich an eine ländliche Garküche erinnern und deren Luxus aus zwei Kronleuchtern besteht, die nicht so recht mit dem schlichten Holzmobiliar harmonieren wollen. Am Buffet kann man verschiedene traditionelle Speisen probieren: Hühnchen, Bohnen, Kartoffelbrei und Mielie Pap mit Tomaten-Zwiebelsoße - ein südafrikanisches Nationalgericht. Ich entscheide mich für den Mielie Pap, ein Brei aus weißem Mais, den man stundenlang rühren muss, bis er seine weiche Konsistenz erreicht. Er macht satt und schmeckt zusammen mit der kräftigen Soße sehr lecker.

Wo Nelson Mandela wohnte

Gestärkt setzen wir den Spaziergang durch die Vilakazi Street fort. Eine alte Frau kehrt mit endloser Geduld den Sand vor ihrem Haus. So kann sie besser die Spuren der Schlangen sehen. Es gibt sie überall und nicht alle sind harmlos. Ganz in der Nähe befinden sich das Haus von Bischof Desmond Tutu und das Mandela-Museum. Es ist klein, dunkel, voll gestopft mit Fotos, Dokumenten und fremden Möbeln. Es erzählt nicht viel über seinen früheren Bewohner Nelson Mandela, der hier bis zu seiner Verhaftung 1963 lebte. Ein Junge mit Namen Samora führt mich durch die Zimmer und listet aus dem Kopf all die Daten auf, die mit dem früheren Präsidenten verbunden sind. Dann erzählt er von sich, von der ewig betrunkenen Mutter, dass er den Vater nicht kennt, vom Waisenhaus. Jahre voller Dunkelheit. „Jetzt lebe ich hier in Soweto bei meiner Großmutter. Und ich bin froh, dass ich hier arbeiten kann. Ich habe Glück gehabt.“

Südafriak Soweto "Hollywood"
Sowetos "Hollywood": die Häuser der neuen Mittelklasse

Auch die Kleinen im Hof des Kindergartens ein paar Straßen weiter lachen glücklich. Er befindet sich in den „Beverly Hills“, wie sie die Sowetoer nennen. Hier, im "Hollywood von Soweto", stehen die Einfamilienhäuser der neuen Mittelklasse, umgeben von kleinen Gärten. Auch Wini Mandela-Madikizela hat in dieser Gegend ihr Haus. Selbstbewusst wächst das Viertel hinüber ins einstige Deadmansland, damals ein toter Streifen, der die Armensiedlungen Sowetos von der reichen Stadt Johannesburg trennte. Nun wandelt sich dieser Streifen, mit seinen neuen Bauten, dem frischen Grün und Straßen, zur Brücke, als ein Stück vom Regenbogen Südafrikas.



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