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Narben, die schmerzen

Eine Narbe, die noch heute schmerzt, ist mit dem Datum des 16. Juni 1976 verbunden. Damals zogen etwa zehntausend Kinder durch die herbstlichen Straßen bis zur High School im Stadtteil Orlando und protestierten gegen die Einführung des Afrikaans, der Sprache ihrer Unterdrücker im Unterricht. Als die Polizei die Schüler umzingelte und versuchte, sie mit Tränengas zu vertreiben, eskalierte die Situation. Steine flogen. Die Polizei eröffnete das Feuer. Viele Kinder wurden verletzt, einige erschossen, unter ihnen der dreizehnjährige Hector Pieterson. Ein Chaos brach aus, noch tagelang brannten Autos in den Straßen und dienten als Barrikaden, Schüsse gellten durch die Luft, Plünderer brachen in Häuser ein. 908 Sowetoer, unter ihnen viele Kinder, wurden von der Polizei verhaftet, 1.000 verwundet und 140 getötet.

Südafriak Soweto Pieterson Museum
Vor dem Pieterson-Museum

Zur Erinnerung an jene Tage und an den Widerstand der jungen Sowetoer entstand 2002 das Hector Pieterson Memorial und Museum. Das Denkmal vor dem modernen Museumsbau zeigt das Foto, das wenige Tage nach dem Aufstand um die Welt ging. Mbuyisa Makhubu trägt den sterbenden Mitschüler Hector in seinen Armen. Hectors Schwester Antoinette Sithole läuft weinend nebenher. Sie treffe ich zufällig im Museum, wo sie manchmal noch arbeitet und junge Besuchergruppen betreut. Als sie hört, dass ich aus Deutschland komme, lächelt sie und nimmt meine Hand. „Ich war in Berlin, als die Mauer fiel. Das war ein großer Moment. Das hätte auch Hector gefallen. Er ist nicht umsonst gestorben. Es ging damals um die Rasse und das ist vorbei, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen.“

Immer wieder besucht Antoinette Schulen in Südafrika und die Gesamtschule in Berlin-Kreuzberg, die den Namen ihres Bruders trägt. Sie spricht über ihn und die Zeit der Apartheid. „Ich erlebe viele aufgeschlossene, neugierige Kinder. Sie sind oftmals viel weiter als ihre Eltern, von denen immer noch etliche ‚apart’ denken und keine Veränderungen wollen. Dabei können wir so viel verändern. Wir alle kommen mehr und mehr zusammen. Das ist wunderbar!“ Neue Besucher strömen ins Haus. Jungen und Mädchen, ausgerüstet mit Stiften und Schreibblöcken folgen aufgeregt in ihren Sprachen Zulu oder Sotho schnatternd, die Lehrerin. Antoinette winkt mir noch einmal zu, dann ist sie in der Gruppe verschwunden.



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