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Im benachbarten Viertel sieht es nicht viel besser aus. Ein typischer Slum aus Wellblech, Pappe und Steinen, hin und wieder ein Plastikklo. An den Straßenecken werden zusammengefaltete Wellblechkisten angeboten. Sie lassen sich leicht transportieren und innerhalb von zehn Minuten aufbauen - ein Dach über dem Kopf. Ein scharfer, brandiger Geruch liegt in der Luft. Der ist nicht nur für Soweto typisch. Immer wieder entzündet sich das dürre Gras an den Straßenrändern, hinterlässt das Feuer seine schwarzen Aschespuren. „Meist geschieht das durch weggeworfene Zigarettenstummel. Manchmal weiten sich diese kleinen Feuerstellen zu großen Bränden aus. Dann wird es gefährlich, den Leuten ist das viel zu wenig bewusst.“, sagt der ehemalige Feuerwehrmann.

Vom zerbrechlichen Frieden

Er fährt um das Wellblechviertel herum zur Gegend der „Matchbox-Houses“. Wie ihr Name schon verrät - es sind kleine Häuser, sehr kleine, und sie stehen dicht an dicht. Aber sie sind zumindest aus Beton und ihre Bewohner verfügen über fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose.

Südafrika Soweto matchbox-Houses
Klein, aber solide: die Matchbox-Houses

Die Warteliste für diese Häuschen ist lang, denn sie kosten so gut wie nichts und bieten sogar noch ein Minimum an Komfort. Aber es gibt zu wenige und die Zahl der legalen und illegalen Einwohner Sowetos wächst. Niemand weiß genau zu sagen, wie hoch sie ist. Vielleicht drei Millionen?

Südafrika Soweto SchornsteinWir passieren den riesigen Krankenhauskomplex Chris Hani Baragwanath und die Gebäude der Vista Universität. 2.500 Studenten erhalten hier ihre Ausbildung. Zu den imposantesten Bauwerken gehört das alte Elektrizitätswerk, die „Orlando Power Station“, das einst den Strom nach Johannesburg fließen ließ und dort für Beleuchtung sorgte, während es in Soweto dunkel blieb. Mittlerweile sind auch im Werk die Lichter ausgegangen, und auf einem der riesigen Schornsteine leuchtet weithin sichtbar ein Wandbild mit Szenen aus dem Alltagsleben des Townships (Foto rechts). Das Kunstwerk wurde im Übrigen von der First National Bank gesponsert. In Zukunft soll dort ein Einkaufszentrum entstehen.

Der Minibus stoppt vor der Katholischen Kirche Regina Mundi. Wir sind im Herzen von Soweto angekommen. Viele Male wandte sich Bischof Desmond Tutu von hier aus an die Sowetoer und sprach ihnen Mut zu. Einschusslöcher im Dach und in den Wänden erinnern daran, wie zerbrechlich der Friede selbst innerhalb dieser Mauern einst war. Die Liste der Kämpfe, der Gewalttaten, die seit dem Bau der ersten Viertel des Townships im Jahre 1932 Sowetos Antlitz mit tiefen Narben übersäten, scheint endlos.



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