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Die unbändige Kraft des Himmels

Die Hitze des Tages treibt das Thermometer auf 35 Grad im Schatten, die Luft ist feucht und schwül. Am einzigen Wasserloch im Umkreis von 30 Kilometern suhlt sich ein Nashorn im Schlamm, säuft sich satt, trottet, vom Instinkt getrieben, zielstrebig in den Schutz einer Mulde. In Sekunden verdunkelt sich der Himmel zu einem dramatischen Grau, wütende Wolken wachsen wie böse Geister in die Höhe, nehmen bedrohliche Formen an. Grelle Blitze durchzucken die schwarze Front im Osten, es donnert und kracht. Die Erde bebt, grauenvoll, erschüttert Mark und Bein. Das Gewitter tobt über die Wildnis, entreißt dem Boden baumdicke Stämme, knickt sie wie Streichhölzer, wirbelt Äste durch die Luft. Mit rasender Geschwindigkeit peitscht der Orkan sintflutartig Regen und Hagel, hart wie Kieselsteine, vor sich her, rüttelt am offenen Geländewagen, dass uns angst und bange wird. Mit aller Wucht schlägt er ins Gesicht, bis wir die Hand vor den Augen nicht mehr sehen, und uns eng zusammenkauern gegen die unbändige Kraft des Himmels.

Südafrika Sabi Sand Zebras

Dann ist es mucksmäuschenstill. Der Regen hat schlagartig ausgesetzt. Kein Lüftchen regt sich. Vorsichtig erkunden unsere Augen die zerstörte Umgebung, entdecken in der Wildnis entwurzelte Bäume und zu allen Seiten ein Wirrwarr aus zusammengeballten Sträuchern. Wir blicken einander an, prüfen vorsorglich, ob alle Teilnehmer noch im Fahrzeug sitzen, lachen befreit auf. Trotz der Ponchos, die Wayne uns vorsorglich gereicht hatte, sind wir durchnässt bis auf die Knochen, aber heilfroh, dem apokalyptischen Anfall der Natur entkommen zu sein. Jetzt geht es endlich weiter. Wir fahren durch die Dämmerung, der Himmel über uns entspannt sich.

Südafrika Sabi Sand Lodge

Als am Horizont die mit Stroh gedeckten Häuser unseres Camps auftauchen, fühlen wir uns sicher. In unserem Übernachtungsdomizil prasselt bereits ein Lagerfeuer in der Mitte der Boma, wo im Halbkreis hübsch gedeckte Tische zum Dinner bitten. Im Schein der brennenden Fackeln zelebriert die Küchencrew das „Braai“, das beliebte südafrikanische Barbecue, bei dem riesige Rindersteaks, Lammkoteletts oder ganze Fische über Holzkohle gegrillt werden. Das üppige Buffet bietet neben allerlei schmackhafte Zutaten knackige Salate, frisches Gemüse, gebackene Kartoffeln und „Bobotie“, einen deftigen Hackfleischauflauf mit Aprikosen, Bananen und Reis, kräftig gewürzt mit feurigem Curry.

Flöten, Glucksen, Fiepen

Die Elephant Plains Game Lodge liegt in einem blühenden Garten im Schutz urwüchsiger Eichen. Die traditionellen Rundhütten und Luxus-Chalets, durch einen schmalen Laufsteg miteinander verbunden, sind wie Logenplätze auf die Natur ausgerichtet und fügen sich harmonisch ein in die ursprüngliche Landschaft. Die Chalets haben Namen wie „Zebra“ oder „Elephant“ und sind entsprechend eingerichtet. Auf Stelzen stehen sie am Hang oberhalb der baumbestandenen Ebene. Das saftige Grün hat viele Tiere angelockt. Friedlich grasen Kaffernbüffel zwischen Kudus und einer Herde Impalas. Trotz ihrer Jungen, die fest den Bauch der Mutter umklammern, turnen Paviane behände durch belaubte Äste. Vorwitzig inspizieren die Primaten Terrasse und Chalet, in das wir uns nach einem Absacker an der Bar zurückgezogen haben, neugierig drücken sie ihre Nase an die Scheibe der vorsorglich geschlossenen Verandatür.

Südafrika Sabi Sand Elefant

Erschöpft, aber dankbar liegen wir auf weißen Laken im Bett, strecken alle Viere von uns, lassen die Hitze des Tages und die Strapazen des Wetters endgültig hinter uns. Die Bilder an den Wänden unseres Refugiums zeigen Leoparden in allen Lebenslagen. Mal posiert die Raubkatze als erfolgreicher Jäger vor der Beute, mal lauert sie ausgestreckt auf dem Ast eines Baumes, mal ist sie umringt von niedlichen Leopardenbabys mit treuherzig blickenden Knopf-Augen. Sogar im Steinboden unserer Lodge sind die Pfotenabdrücke des Tieres kunstvoll verewigt.

Südarfika Sabi Sand Leopard

Unter dem aufgespannten Malarianetz lauschen wir den Geräuschen der Wildnis, hören Grillen zirpen, Frösche quaken, Äste, die unter den Füßen der Elefanten knacken, vernehmen aber auch seltsame Laute, die zu nachtschlafender Zeit, ohne Fährtensucher, nicht zuzuordnen sind. Da wird geflötet, gegluckst, gefiept und bedeutungsvoll geknurrt. Über die Ursprünglichkeit der Natur spannt sich magisch ein kosmischer Bogen, von funkelnden Sternen übersät. Er verliert sich in der saphirblauen Tiefe des Firmaments, und der leuchtende Mond, am Himmel hell und klar, hängt zum Greifen nah, wie sonst nirgends auf der Welt.



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