Unter dem kosmischen Bogen der Natur
Auf Safari in Sabi Sand im südafrikanischen Krüger Nationalpark
Text und Fotos: Renato Diekmann

Der Löwe hat seine Familie gut in Sicherheit gebracht.
Hinter dem dichten Buschwerk verbergen sich die Raubkatzen so geschickt,
dass wir Mühe haben, sie zu fotografieren. Mal saust eine buschige
Schwanzspitze durch die Luft, mal gähnt ein Maul oder es zucken die
Ohren. Nach einiger Zeit zählen wir neben dem Löwen zwei ausgewachsene
Weibchen und acht tollpatschige Löwenbabys. Das eine zerrt verspielt
an der prächtigen Mähne des Männchens, das andere massiert
mit kleinen Pfoten unablässig das goldbraune Fell einer Löwenmutter,
was diese zähnefletschend honoriert.
Jetzt setzen wir unsere holprige Fahrt über steinige Pisten im offenen
Land Rover fort und durchqueren das Unterholz der unwegsamen Buschlandschaft.
Wohin man blickt, rotbraune Hügel und grüngelbe Ebenen mit Schirmakazien,
die als Wahrzeichen Afrikas bezeichnet werden, gelegentlich auch ein paar
Köcherbäume. Ihre Blätter speichern große Mengen Wasser
und überstehen auf diese Weise problemlos wochenlange Trockenperioden.
Unerwartet springen Gnus, Kudus und Njalas durch verdörrtes, kniehohes
Gras. Zebras traben in sicherer Entfernung über den Weg, lassen sich
lange genug blicken, um sie abzulichten, bis sie schließlich zügig
hinter den schützenden Stämmen einer kleinen Baumgruppe in Deckung
gehen.

Begeistert, in kürzester Zeit so viele Tiere gesehen zu haben, setzen wir unsere Tour fort. Nach wenigen Kilometern wird die Gegend spröde, düster, ja unheimlich, der Boden pechrabenschwarz, die Luft riecht verbrannt. Die Spuren des wütenden Buschfeuers, das nur durch die breite Schotterpiste aufgehalten wurde, lassen kaum vermuten, dass hier noch Leben besteht. Aber zwischen den verkohlten, blauschwarzen Stämmen stehen vier Giraffen auf grazilen, stelzenlangen Beinen. Sie recken ihre schlanken Hälse nach den frischen Blättern in die Höhe, knabbern unbeirrt am frischen Grün, das aus den Baumresten hervor sprießt.

Schwarze Erde wechselt mit spärlichem Dornengebüsch und harten, braunen Gräsern, die unter der sengenden Sonne rasch vergilben. Im Schritttempo nähert sich der offene Wagen dichtem Gestrüpp. Was für ein Koloss!. Mehrere Tonnen geballte Kraft walzt durch das Dickicht. Eine Elefantenkuh hebt bedrohlich den Rüssel, trötet misstrauisch gegen uns an. Keine Bewegung, warnt Wayne, unser erfahrener Ranger. Das Tier baut sich in voller Größe vor uns auf, eine graue schnaufende Wand, wiegt den massigen Körper hin und her, legt die riesigen Ohren an. Elefantenkühe verstehen keinen Spaß, sagt Wayne und greift vorsorglich zum Gewehr in der Halterung am Armaturenbrett des Fahrzeugs – völlig ungeschützt sitzt auf der Motorhaube des Jeeps Tracker Michael. Unser Fährtensucher und Wildhüter vom Stamme der Shangaan ist im Busch aufgewachsen und kennt sich bestens aus mit den Tieren der Wildnis. Schließlich weicht die Kuh drei Meter zurück und stapft in Begleitung des Jungtiers davon. Offensichtlich hat sie festgestellt, dass von unserem Land Rover keine Gefahr zu befürchten ist.
Der Leopard ist atemlos
Im Licht der afrikanischen Sonne halten wir die Kamera in jede beliebige Richtung und drücken den Auslöser. Es gibt immer ein lohnendes Ziel. In keinem anderen Naturreservat trifft man auf so viele Tiere wie im Norden von Sabi Sand, das Teil des Krüger National Parks ist. Kaum haben wir die Elefanten hinter uns gelassen, versperrt ein Büffel unseren Weg. Er stampft die Hufe wütend in den Boden, dass es staubt; die Augen unter den mächtig geschwungenen Hörnern glotzen uns an. Auf den zuckenden Muskeln seines Rückens hüpfen ungestraft Madenhacker. Die Vögel mit den roten Schnäbeln und den leuchtend gelben Hautringen um die Augen befreien das Ungetüm von Insekten und lästigen Maden.
Plötzlich gellen markerschütternde Schreie durch den Busch,
denen wir unverzüglich folgen. Eine Herde Impalas bildet einen lockeren
Halbkreis um den Unglücksort und betrauert eine vor wenigen Minuten
gerissene Gazelle. Das blutjunge Tier befindet sich in den Klauen eines
Leoparden. Ausgestreckt liegt er da, mit bebendem Körper, von der
Jagd noch ganz atemlos. Jetzt schnellt er hoch, hebt wachsam den schwarz
gesprenkelten Kopf und die Nase in den Wind. Dann nimmt er entschlossen
das erlegte Wild zwischen die spitzen Reißzähne, erklimmt geschickt
den steil gen Himmel ragenden Stamm und bringt die schwere Beute vor gierigen
Hyänen auf eine knorrige Baumgabel in Sicherheit.
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